Die Qualität der Ärzte sichtbar machen
Seit Jahren engagiert sich die KBV für Struktur- und Prozessqualität in der ambulanten Versorgung. Nun will sie auch Ergebnisqualität messbar machen. Ein Bericht von Ines Körver.
Bin ich gut? Was kann in meiner Praxis besser werden? Diese Fragen stellen sich inzwischen immer mehr Mediziner und das mit gutem Grund: Der von der Politik geforderte Wettbewerb im Gesundheitswesen wird da sind sich Experten einig künftig großenteils über die Qualität der Arbeit ausgetragen. Von ihr wird auch das wirtschaftliche Überleben mancher Arztpraxis abhängen. Ein wichtiges Problem gilt es allerdings erst einmal zu lösen, nämlich das der Messung von Qualität. Hier klaffen noch riesige Lücken. Die will die KBV im Jahre 2008 schließen.
Erste Ansätze gibt es in Deutschland bereits. Die Bundesgeschäftsstelle für Qualitätssicherung veröffentlicht jährlich einen anonymisierten Bericht. Der bezieht sich allerdings nur auf Krankenhäuser. Die AOK hat Arztnetz-Indikatoren entwickelt. Diese lassen sich aber nicht einfach auf Vertragsärzte in der Einzelpraxis übertragen. Konsentierte Qualitätsindikatoren für den ambulanten Sektor existieren bislang nur im Ausland, beispielsweise in den USA und in den Niederlanden. In Großbritannien führte der National Health Service 2004 einen Vertrag ein, bei dem die Bezahlung von Hausärzten sich an der Erfüllung von 146 Qualitätsindikatoren orientiert. Von denen betreffen 76 chronische Krankheiten. 56 beziehen sich auf Aktenführung, Fortbildung und Praxisorganisation. Die vier übrigen messen die Patientenzufriedenheit.
Die KBV hat nun für anderthalb Jahre eine Projektgruppe eingerichtet. Diese soll Qualitätsindikatoren für die Arbeit niedergelassener Ärzte in Deutschland ermitteln und sie in Pilotpraxen testen lassen, unter anderem auf Aussagekraft und Praktikabilität hin. Internationale Erfahrungen will man ausdrücklich mitberücksichtigen, etwa die von RAND Health. Die amerikanische Non-profit-Organisation mit der größten Expertise auf dem Gebiet steuert Erfahrungen bei, besonders zum Thema Vor- und Nachteile eines Indikatoreneinsatzes. Die Methodik für die Auswahl beziehungsweise Entwicklung von Indikatorensets soll transparent und nachvollziehbar bei einem Kick-off-Workshop festgelegt werden. Wertvolle Informationen versprechen sich Projektleiterin Dr. Susanne Kleudgen und ihr Team auch von einer Befragung von mehr als 200 Berufsverbänden, medizinischen Fachgesellschaften und Bundesverbänden der Patientenorganisationen. Diese ist bereits angelaufen.
Der Zusammenstellung eines Qualitätsindikatorenregisters wird die Auswahl eines Starter-Sets von Indikatoren für die ambulante Versorgung folgen. Parallel dazu wird die Projektgruppe prüfen, ob sich Indikatoren für eine Kopplung an die Vergütung eignen. Ein externes wissenschaftliches Institut wird das KBV-Set dann in sogenannten Fokuspraxen testen. Das A und O dabei: Den Ärzten sollen auf keinen Fall zusätzliche Dokumentationspflichten zugemutet werden. Zurückzugreifen ist deshalb auf Daten, die ohnehin erhoben werden. Liegen die Ergebnisse der Praxistests vor, wird die KBV sie genau analysieren und ihr Set entsprechend anpassen.
Von einem guten Set von Qualitätsindikatoren profitieren alle: Niedergelassene, Patienten, ärztliche Selbstverwaltung und die Politik, ist Dr. Andreas Köhler, Vorsitzender des Vorstands der KBV überzeugt. Die Niedergelassenen lernen, wie gut sie schon sind und was sie verbessern können. Die Patienten profitieren von Transparenz und Vergleichbarkeit. KBV und Kassenärztliche Vereinigungen können die Grundlage für den Wettbewerb um Qualität legen und interessante Vergütungsanreize schaffen. Und die Politik freut sich über eine stärkere Patientenorientierung des Gesundheitswesens, so Köhler.

