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Honorarverhandlungen 2014

Verhandlungen der Honorare 2014
Wo liegen diesmal die Schwerpunkte?
Es geht im Wesentlichen natürlich darum, eine angemessene Honorarsteigerung für die nie-dergelassenen Kolleginnen und Kollegen zu erreichen. Das sind zum einen die Punkte, die ja fast schon standardisiert Eingang in die Verhandlungen finden: also Entwicklung, Inflation etc. Aber ein ganz wichtiger Aspekt ist das glaub ich diesmal tatsächlich auch das Thema Einzelleistungen zur Sprache kommt. Deshalb begrüßen wir durchaus den Vorschuss der TK in diesem Bereich, denn es ist glaub ich damit klar geworden, dass im gedeckelten Gesamt-budget ohne Einzelleistungsvergütung auf Dauer die Versorgung so nicht mehr umzusetzen ist.
Mit welchen Forderungen gehen Sie in die Verhandlungen?
Wir dürfen bei dieser ganzen Thematisierung der Honorarverhandlung auch der letzten Jahre nicht ganz aus dem Auge verlieren, dass damals bei der Berechnung des EBM ja eigentlich mal ein kalkulatorischer Arztlohn zugrunde gelegt wurde. In den letzten Jahren hat man aber eigentlich diesen ein bisschen aus dem Auge verloren, denn dieser kalkulatorische Arztlohn, dessen Referenzwert ja das Oberarztgehalt in der Klinik darstellt, hat sich stetig weiterentwickelt und an dieser Honorarsteigerung haben die niedergelassenen Kollegen kei-nen Anteil genommen. Hier gilt es also nachzubessern und hier besteht erheblicher Nach-holbedarf. Wenn ich mir die Zahlen in diesem Zusammenhang anschauen würde, dann könnte man hier einen Nachholbedarf von mittlerweile nahezu 3 Milliarden generieren und da muss man natürlich irgendwann mal anfangen, dieses Delta abzuarbeiten.
Was hat das Gehalt in Krankenhäusern mit den Niedergelassenen zu tun?
Die Frage ist eigentlich berechtigt. Die haben wir uns damals auch gestellt, aber in Ermange-lung besserer Vergleichsmechanismen hat man sich eben darauf geeinigt, dass man ein vergleichbares Gehalt eines ähnlich ausgebildeten Kollegen im Krankenhaus heranzieht. Hierbei gab es natürlich heftige Diskussionen, ob nun ein Oberarztgehalt – also das Gehalt-eines in der Klinik tätigen Kollegen, der abgesichert ist, seinen gesicherten Jahresurlaub hat, bei Krankheit eine Lohnfortzahlung hat, tatsächlich mit dem zu vergleichen ist, was ein Nie-dergelassener in eigener Praxis erbringen muss. Aber letztlich hat man sich eben auf diesen Kompromiss verständigt. Das hat damals viel Zähneknirschen bei der Ärzteschaft ausgelöst. Auf der anderen Seite muss man allerdings sagen, die guten Honorarabschlüsse der Kollegen im Krankenhaus sind jetzt für uns Ansporn, diesen jetzt mittlerweile für die Kollegen im Krankenhaus bestehenden Honorarvorsprung auszugleichen.
Wie kommen diese 3 Milliarden zustande?
Na ja gut es ist – ich würde mal sagen – einfacher Dreisatz. Man hat ja damals ein Ober-arztgehalt als Relation genommen, hat das auf die Wochenarbeitszeit eines niedergelassenen Kollegen umgerechnet und bekam dann eine Summe von rund 105.000 Euro kalkulato-rischen Arztlohn heraus und es wurde immer postuliert, dass man mit einer vollumfänglichen Kassenarztpraxis diesen Arztlohn erreichen kann. Ehrlicherweise ist das leider schon nicht der Fall. Mittlerweile haben aber die Kollegen im Krankenhaus doch erhebliche Gehaltsstei-gerungen zu verzeichnen gehabt und wenn man heute diese Berechnung wieder durchführt, dann kommt man eben auf einen kalkulatorischen Arztlohn, der bei rund 133.000 Euro liegt. Da sind ehrlicherweise die niedergelassenen Kollegen dann noch weiter von entfernt.
Heißt das, Sie fordern 3 Milliarden mehr?
So einfach und plakativ kann man das nicht darstellen – das ist ja ein Gesamtpaket. Aber wir müssen mehrere Faktoren einkalkulieren: das sind einfach die ganz normalen Kostenent-wicklungen und das ist ja in dem Sinne keine Honorarsteigerung, sondern da werden einfach gesteigerte Kosten aufgefangen. Dann haben wir – und das ist ein wichtiger Punkt in unseren Augen – tatsächlich mal die Frage nach einer ausbudgetierten Einzelleistung, die der Einstieg sein muss in ein auch irgendwo einzelleistungsdefiniertes Vergütungssystem mit festen Preisen. Das ist, glaube ich, eine Maßgabe, die ganz wichtig ist und die wir an der Stelle auch einfordern werden. Und zu diesem Paket gehört letztlich auch dieses Angleichen der kalkulatorischen Arztlohnsummen in Praxis und Krankenhaus. Denn wenn man sich einmal auf so einen Vergleich geeinigt hat, dann kann man den nicht dann aufkündigen, wenn es plötzlich teurer wird.
Muss damit auch der EBM überarbeitet werden?
Es muss dieser Posten oder dieser Faktor – kalkulatorischer Arztlohn – der eine Berech-nungsgrundlage in der AL ist – also der Arztleistung – der muss dann eben angepasst werden. Und ob das nun in einem Zug gelingen kann, das ist eine andere Frage. Aber letztlich muss man sagen: Aus diesen verschiedenen Komponenten muss sich eine Angleichung der Honorare dann wirklich darstellen und entwickeln lassen.
Wie schätzen Sie die Chancen dafür ein, dass die GKV mitziehen?
Ich gehe ja mal immer noch davon aus, dass auch die gesetzlichen Krankenversicherer als Vertragspartner von uns an einer Versorgung der Patienten interessiert sind und es ist völlig klar, wir haben einen eher zunehmenden Versorgungsanspruch der Bevölkerung bei eigent-lich sich jetzt bereits abzeichnenden sinkenden Arztzahlen und wenn ich diese Versorgung sicherstellen will, dann wird das auf Dauer nicht gehen ohne dass die Kollegen zumindest eine Kalkulationssicherheit für ihre ärztliche Tätigkeit haben.
Wie werden die Verhandlungen wohl verlaufen?
Ich hoffe in konstruktiver und sachlicher Atmosphäre und natürlich mit Lösungsorientiertheit. Und dann glaube ich, kriegen wir durchaus auch gemeinsam hier einen vernünftigen Ab-schluss hin.

Die Honorarverhandlungen zwischen Ärzten und Krankenkassen stehen vor der Tür. Ein wichtiger Punkt dabei: der kalkulatorische Arztlohn. Der muss dringend angepasst werden, erklärt KBV-Chef Dr. Andreas Gassen im Interview. Das und was er sonst noch für die Verhandlungen mitnimmt, zeigt KV-on im Video.