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Regionale Niederlassungsförderung

Rommel: "Am Anfang noch belächelt - heute ist die Stiftung ein Erfolgsmodell"

Ein Empfangsbereich, drei Behandlungsräume, zwei kleine Laborzimmer und ein Wartezimmer gleich hinter der Eingangstür. Das ist die Praxis und ganzer Stolz des jungen Hausarztes und Allgemeinmediziners Dr. Mark Schmidt. Der 36-Jährige ist zufrieden, es geschafft zu haben. Seit 2006 betreibt er eine Gemeinschaftspraxis in Erfurt. Doch ohne Unterstützung wäre der Weg in die Niederlassung beschwerlicher gewesen.   

„Wenn ich Knall auf Fall eine Praxis übernehmen müsste, ohne dass mir jemand hilft, wüsste ich nicht, ob ich das machen würde“, sagt Schmidt mit skeptischem Blick. Geholfen hat ihm die finanzielle Unterstützung und Beratung der Mitarbeiter der Stiftung zur Förderung ambulanter ärztlicher Versorgung in Thüringen. Seit fünf Jahren gibt es die Förderangebote der Stiftung, die von der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen und vom Freistaat Thüringen errichtet worden ist.

Förderungsangebot der Thüringer Stiftung

Sie vergibt jedes Jahr Stipendien an künftige Allgemeinmediziner und Augenärzte. Diese bekommen bis zu 60 Monate eine Förderung in Höhe von 250 Euro. Der Gesamtbetrag kann auch per Einmalzahlung erfolgen. Nach erfolgreichem Abschluss der Weiterbildung verpflichten sich die jungen Ärzte für mindestens vier Jahre eine vertragsärztliche Tätigkeit im Freistaat Thüringen aufzunehmen.

Stiftung zeigt Erfolge

„Inzwischen haben wir 111 Stipendiaten in Thüringen. 106 von ihnen bilden sich gerade weiter zum Facharzt für Allgemeinmedizin und fünf Stipendiaten haben sich für den Facharzt für Augenheilkunde entschieden“, berichtet KV-Vorstand Dr. med. Annette Rommel. Das Stiftungsmodell sei ein Erfolgsmodell, betont die KV-Chefin, die selbst eine Hausarztpraxis führt. „Wir sind anfangs oft gefragt worden, wann denn endlich die Stiftungsarbeit Früchte tragen würde. Man hat uns belächelt. Inzwischen können wir sagen, dass sich die ersten unserer ehemaligen Stipendiaten niedergelassen haben.“ Von den ersten zwölf Stipendiaten haben sich bereits alle in Thüringen niedergelassen.

Als ehemaliger Stipendiat weiß Schmidt, wie hilfreich das Mehr an Netto während der Weiterbildung zum Facharzt und die Beratung der Stiftung ist. Die monatliche finanzielle Förderung ist ein wichtiger Anreiz, um gegen die lukrativen Angebote der Kliniken Stand zu halten. „Die Förderung ermöglicht uns, auch jemanden aus dem Krankenhaus abzuwerben. Man kann nicht einfach nur sagen: ‚Komm‘ mal bitte.‘ Sondern man muss auch über Finanzen reden“, sagt er. Selbst konnte Schmidt die Hilfe der Stiftung nur ein halbes Jahr in Anspruch nehmen.

Ein anderes Modell der Förderung stellen die Stiftungspraxen dar, die in ausgewählten Gebieten in Thüringen errichtet werden. Die Stiftung übernimmt Investitionen und stellt sowohl Ärzte als auch medizinisches Fachpersonal an. Dem Stipendiaten wird auf diese Weise unter die Arme gegriffen und das volle Investitionsrisiko liegt bei der Stiftung. Zu einem späteren Zeitpunkt können sich die Nachwuchsärzte überlegen, ob sie die Praxis übernehmen.

Niederlassung statt Klinik

Seit 2013 beschäftigt Schmidt die Stipendiatin Dr. Jeanin Brückner. Die 37-Jährige absolviert gerade ihre Weiterbildung zur Allgemeinmedizinerin. Zuvor hat sie elf Jahre lang im Krankenhaus gearbeitet und war als Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie auf dem Weg zur Oberärztin. „Wenn mich vor zehn Jahren jemand gefragt hätte, ob ich Allgemeinmedizin machen möchte, hätte ich noch gesagt: ‚Um Gottes Willen, nein!‘ Aber letztendlich habe ich mich zu diesem Schritt aus familiären Gründen entschieden. Die Niederlassung hat sehr viele Vorteile.“, erklärt sie.

Den Abschied aus dem stressigen Klinikalltag in die Hausarzt-Praxis bereut sie nicht. „Es macht auch sehr viel Spaß als Hausarzt da zu sein, weil die Aufgaben vielfältiger und einfach spannender sind.“ Zudem bleibe ihr mehr Zeit für ihren kleinen Sohn und für das Familienleben.

Ein entscheidender Ansatzpunkt, den auch Dipl.-Med. Regina Feldmann, KBV-Vorstand, mehr in den Vordergrund schieben möchte. Als Vorstand der KV Thüringen in den Jahren 2005 bis 2012 hat sie die Stiftung 2009 gemeinsam mit dem Hauptgeschäftsführer Sven Auerswald ins Leben gerufen. „Es war eine ungewöhnliche Idee: die Weiterbildung junger Ärzte – egal ob Haus- oder Facharzt – und zwar solcher, die sich in Thüringen niederlassen wollen – mit Stipendien zu fördern“, sagt sie. „Wir haben damals um das Geld für ganze zehn Stipendien gerungen. Aber das Stiftungsmodell hat uns unabhängig von jährlichen Haushalten gemacht. So konnten wir die Förderung kontinuierlich ausbauen.“

Thüringer Stiftung als Vorbild für die Bundesebene

Was sich auf Landesebene bewährt hat, soll nun auch auf Bundesebene Realität werden. „Die Allgemeinmedizin hat kein Mutterhaus“, sagt Feldmann. „Ein Internist oder ein Orthopäde hat eine Klinik, da ist er angestellt und da wird alles für ihn organisiert. Das ist bei Allgemeinmedizin noch sehr mangelhaft. Es gibt zwar schon gut funktionierende Koordinierungsstellen in einigen Bundesländern, aber nicht auf Bundesebene.“

Dafür brauche es eine bundesweite Stiftung, die für eine strukturierte Weiterbildung in der Allgemeinmedizin sorgt. Zukünftig sollen sie alle Ausbildungsschritte in der Region und auch Rotationsstellen an den Kliniken in der Umgebung finden. Feldmann beabsichtigt mit den Stiftungsgeldern, den Ländern finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen, um neue Koordinierungsstellen zu schaffen. Diese übernähmen dann die Organisation der Ausbildungsabschnitte.

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