Logo-KBV

KBV Hauptnavigationen:

Sie befinden sich:

 

Praxisnachrichten

KBV-Chef kritisiert realitätsfremde Honorarbudgets - Zi-Studie zu Anforderungen an ärztliche Vergütung vorgestellt

05.02.2015 - Deutliche Kritik an den im GKV-Versorgungsstärkungsgesetz enthaltenen Regelungen zur Weiterentwicklung der regionalen Gesamtvergütungen hat KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen geübt. Statt feste Preise für die vertragsärztlichen Leistungen zu ermöglichen, würde die Politik realitätsfremde Honorarbudgets zementieren, sagte Gassen am Mittwoch auf einer Pressekonferenz.

Grundlage der Kritik des KBV-Chefs ist eine Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi), dessen Vorstandsvorsitzender Gassen ist. Der Studie zufolge, die auf der Pressekonferenz vorgestellt wurde, ist eine angemessene Gesamtvergütung nur dann gegeben, wenn die von den Kassenärztlichen Vereinigungen und Kassen zu vereinbarenden Leistungsmengen die regionale Versichertenstruktur, die regionale Versorgungsstruktur und regionale Versorgungsziele vollumfänglich abbilden.

Da sowohl die Versichertenstruktur (z.B. Altersstruktur) wie auch die Versorgungsstruktur (z.B. die Arbeitsteilung mit der stationären Versorgung) regional sehr unterschiedlich seien, müssten in den einzelnen Regionen auch unterschiedliche Versorgungsziele abgebildet werden, sagte Zi-Geschäftsführer Dr. Dominik von Stillfried. Dafür sei ein umfangreicher Handlungsspielraum der Gesamtvertragspartner vor Ort notwendig. Zudem müssten regionale Unterschiede der Kostenstruktur beim regionalen Punktwert berücksichtigt werden.

Regierungsentwurf wird regionalen Besonderheiten nicht gerecht

Statt jedoch den Verhandlungspartnern vor Ort die notwendige Entscheidungskompetenz zu ermöglichen, sieht der Regierungsentwurf aus Sicht der KBV nur eine Orientierung an der derzeit im Bundesdurchschnitt gezahlten Morbiditätsbedingten Gesamtvergütung vor.

Gassen kritisierte, dass die sachgerechten Kriterien dadurch auf ein einziges Kriterium eingeengt würden, womit regionalen Besonderheiten nicht Rechnung getragen werden könne. Zudem sei der Referenzwert falsch, da derzeit im Mittel rund zehn Prozent der erbachten Leistungen von den Krankenkassen nicht gegenfinanziert seien.

Versicherungsrisiko liegt weiterhin bei den Vertragsärzten

Die Regierung erkenne den Handlungsbedarf an, habe sich aber für einen Weg entschieden, der den Anforderungen in vielen Regionen nicht gerecht werde, hob Gassen hervor. Im Interesse der Patienten sowie der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten müsse der Grundsatz gelten, dass „die Krankenkassen den notwendigen Versorgungsumfang der Patienten auch komplett finanzieren“. Dazu müsse der Regierungsentwurf dringend überarbeitet werden.

Feste Preise sorgen für eine Zukunftsperspektive

Der KBV-Chef plädierte dafür, die hervorragende finanzielle Situation der Krankenkassen jetzt zu nutzen, um die ambulanten Versorgungsstrukturen auf die Herausforderungen des demographischen Wandels und des medizinischen Fortschritts vorzubereiten.

„Dafür sind Investitionen in die ambulante Gesundheitsversorgung unerlässlich“, forderte Gassen. „Investitionen werden insbesondere durch feste Preise für alle Leistungen erreicht. Wenn die Politik ungeachtet dessen an den jeweils für ein Jahr im Voraus abzuschließenden Mengenvereinbarungen festhält, dann müssten diese aber so gestaltet werden können, dass sie dem Bedarf der Versicherten auch tatsächlich entsprechen.“

Mehr zum Thema

zu den PraxisNachrichten