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Praxisnachrichten

Wirtschaftliche Situation der Arztpraxen angespannt

25.06.2015 - Bei gleichbleibenden Jahresüberschüssen sind für niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten die Praxiskosten gestiegen. Das zeigt der aktuelle Jahresbericht des Zi-Praxis-Panels, der Daten aus den Jahren 2009 bis 2011 analysiert. Danach stiegen die Ausgaben im Berichtszeitraum um fünf Prozent.

Angesichts dieser Ergebnisse sei nicht überraschend, dass Investitionen in den Praxen eher zurückhaltend getätigt werden, sagte der Geschäftsführer des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi), Dr. Dominik von Stillfried. Die Wirtschaftslage habe sich bis heute nicht ausreichend verbessert. Der Einkommensabstand zu den in der Klinik tätigen Ärzten bleibe somit bestehen.

Ergebnisse der Erhebung 2013

Die Daten wurden 2013 im Rahmen des Zi-Praxis-Panels (ZiPP) erhoben. Sie umfassen die Jahre 2009 bis 2011. Analysiert wurden die Angaben von fast 5.000 Praxen. Mit dem Praxis-Panel hält das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) jährlich die Kosten, Einnahmen und Überschüsse von Praxen fest. Die Untersuchung erfolgt im Auftrag der KBV und der Kassenärztlichen Vereinigungen.

Unterschiedliche Entwicklung in den Fachgebieten

Die wirtschaftliche Entwicklung verlief in den einzelnen Fachgebieten unterschiedlich. Besonders stark sind die Aufwendungen je Praxisinhaber bei den Anästhesisten mit einem mittleren jährlichen Zuwachs von 5,8 Prozent und der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie (+ 5,9 Prozent) gestiegen. Die größten Einnahmezuwächse wurden dagegen im Fachgebiet Nervenheilkunde mit acht Prozent erzielt.

Stundensatz von 30 Euro

Dem Jahresbericht zufolge blieb der Jahresüberschuss aus kassen- und privatärztlicher Tätigkeit von 2009 bis 2011 – unter Berücksichtigung der Inflationsrate – nahezu unverändert. Er lag im Jahr 2011 bei durchschnittlich 145.100 Euro je Praxisinhaber.

Nach Abzug von Vorsorge- und Versicherungsbeiträgen sowie Einkommenssteuer bleibt davon ein Nettoeinkommen von 71.476 Euro übrig. Dies entspricht bei einer 52-Stunden-Arbeitswoche einem Netto-Stundensatz von 30 Euro.

Betriebskosten steigen drastisch

Die Gesamteinnahmen, also der Umsatz vor Abzug der Betriebskosten, je Praxisinhaber stiegen von 2009 bis 2011 um durchschnittlich 4,1 Prozent. Die Betriebskosten legten im selben Zeitraum zwischen 7 und 8,4 Prozent zu. Vor allem für Personal, Material und Labor sowie für Versicherungen und Beiträge mussten die Ärzte mehr Geld ausgeben.

Weniger Geld als in den Vorjahren steckten die Ärzte in Posten wie Abschreibungen sowie Leasing und Mieten von Geräten. Die Ausgaben für Investitionen sanken zwischen 2009 und 2011 um etwa zehn Prozent.

Nur zehn Prozent Privatpatienten

Rund 88 Prozent der Behandlungen werden durch die gesetzliche Krankenversicherung getragen. Auf die privaten Krankenversicherungen und für Selbstzahler entfallen rund zehn Prozent. Über alle Fachgebiete werden für 1,3 Prozent der Patienten die Behandlungskosten von der Berufsgenossenschaft/Unfallversicherung übernommen.

Nächste Zi-Praxis-Panel-Erhebung startet im Juli

Die nächste Befragung mehrerer tausend niedergelassener Ärzte und Psychotherapeuten zur wirtschaftlichen Situation ihrer Praxis startet in Kürze. Das Zi schreibt dazu wieder jede dritte Praxis an. Bei dieser Befragung geht es um Daten aus dem Zeitraum 2011 bis 2014.

Zi-Praxis-Panel

Mit dem Zi-Praxis-Panel (ZiPP) erfasst das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) auf Basis der steuerlichen Überschussrechnung der Praxen jährlich die wirtschaftliche Gesamtlage von niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten. Auftraggeber sind die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Kassenärztliche Bundesvereinigung.

Um eine Vergleichsgrundlage zum Einheitlichen Bewertungsmaßstab zu haben, standardisiert das Zi die Ergebnisse. Es geht davon aus, dass alle Einnahmen aus Behandlungen gesetzlich Krankenversicherter stammen – auch die aus privatärztlicher Tätigkeit.

Zudem legen die Wissenschaftler Arbeitswochen mit 52 Stunden zu Grunde. Demnach ergibt sich ein rechnerischer Jahresüberschuss von lediglich gut 110.000 Euro, der weit unter der Referenz eines vergleichbaren Oberarztgehaltes liegt.

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