Logo-KBV

KBV Hauptnavigationen:

Sie befinden sich:

 

Praxisnachrichten

KBV fordert prästationäres Screening auf MRSA-Erreger

06.08.2015 - Risikopatienten sollten vor planbaren Krankenhausaufenthalten auf eine MRSA-Infektion getestet werden. Damit könnte die Ausbreitung des Erregers eingedämmt werden, betonte KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen.

Die KBV fordert bereits seit längerem, dass ambulante ärztliche Leistungen im Zusammenhang mit einem prästationären MRSA-Screening vergütet werden. Bislang übernehmen die Krankenkassen die Kosten nur für eine MRSA-Eradikationstherapie, wenn diese nach einem Krankenhausaufenthalt erfolgt und nicht schon davor.

OP-Patienten mit Risikofaktoren testen

„Das reicht nicht aus“, sagte Gassen. Um das Risiko der Verbreitung des Erregers im Krankenhaus zu verringern, müssten infizierte Patienten möglichst vorher erkannt und behandelt werden. Nach Ansicht der KBV sollten deshalb vor zeitlich planbaren stationären Operationen, zum Beispiel in der Orthopädie oder der Herz- und Gefäßchirurgie, alle Risikopatienten auf MRSA untersucht werden. Im Falle eines positiven Abstriches könnte dann eine Sanierungsbehandlung erfolgen.

Vergütung muss geregelt werden

Gassen wies darauf hin, dass Krankenhäuser schon heute immer öfter von niedergelassenen Ärzten fordern, Risikopatienten vor der stationären Aufnahme auf MRSA zu testen und bei positivem Befund zu behandeln. „Die Ärzte können diese Aufgabe übernehmen, doch müssen die Krankenkassen die Leistungen auch leistungsgerecht honorieren“, sagte er.

Kassen bezahlen nur poststationäre Behandlung

Die aktuelle Vergütungsregelung sieht vor, dass ausschließlich eine ambulante poststationäre Behandlung von infizierten Risikopatienten und deren Kontaktpersonen zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung abgerechnet werden kann. Nach den MRSA-Berichten der KBV an das Bundesgesundheitsministerium führen niedergelassene Ärzte solche Sanierungsbehandlungen jedes Quartal bei durchschnittlich 6.000 Patienten durch.

Die KBV und der GKV-Spitzenverband hatten die Vergütungsvereinbarung im Jahr 2012 abgeschlossen. Seit April 2014 sind die Leistungen zur Untersuchung und Behandlung von MRSA-Patienten Bestandteil des EBM. Die insgesamt neun MRSA-Leistungen finden Ärzte im Abschnitt 30.12. Nicht enthalten sind Leistungen im Zusammenhang mit einem prästationären MRSA-Screening.

MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) gilt hierzulande als der häufigste multiresistente Erreger. In den vergangenen Jahren hat er sich nach Angaben von Experten auch zunehmend außerhalb von Krankenhäusern ausgebreitet. Begünstigt wurde dies durch einen hohen Einsatz von Antibiotika – auch im ambulanten Bereich.

Praxistipp: Online-Fortbildung zu MRSA

Im Online-Fortbildungsportal der KBV können Ärzte zum Thema „Diagnostik und ambulante Eradikationstherapie von Risikopatienten, MRSA-besiedelten und MRSA-infizierten Patienten“ eine Schulung mit Lernzielkontrolle absolvieren. Diese ist Voraussetzung um bei der Kassenärztlichen Vereinigung die Abrechnung der Leistungen des entsprechenden EBM-Abschnitts beantragen zu können.

Mehr zum Thema

zu den PraxisNachrichten