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Eine Million mehr Notfälle nach Wegfall der Praxisgebühr

24.09.2015 - Die Patientenzahlen in den Notfallambulanzen von Krankenhäusern sind nach dem Wegfall der Praxisgebühr um eine Million angestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in einer aktuellen Analyse. Außerdem suchten vermehrt jüngere Patienten selbständig die Rettungsstellen auf.

Ärztechef fordert Steuerung

KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen fordert angesichts dieser Entwicklung eine Steuerung der Inanspruchnahme von Notfallambulanzen. „Es entspricht weder medizinisch dem Sinn und Zweck von Krankenhausambulanzen noch ist es ökonomisch vertretbar, erste Anlaufstelle für alle Anliegen der Patienten zu sein.“ Die Politik müsse jetzt die richtigen Steuerungssignale senden.

Anstieg von 14 Prozent

Nach der Analyse des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) wurden 2013, dem ersten Jahr ohne Praxisgebühr, rund acht Millionen gesetzlich Krankenversicherte in den Notfallambulanzen der Krankenhäuser behandelt – über eine Million mehr als im Vorjahr. Dies entspricht einem Zuwachs von 14 Prozent. Lediglich um zwei Prozent stiegen dagegen die Fallzahlen niedergelassener Ärzte, die den überwiegenden Anteil der Notfallbehandlung übernehmen.

„Im Jahr 2013 können die Grippewelle und die Abschaffung der Praxisgebühr ursächlich für den Patientenzuwachs sein. Da die Zahlen im Jahr 2014 nicht zurückgegangen sind, bleibt nur der Wegfall der Gebühr als wesentlicher Grund“, bilanziert Gassen, der auch Vorstandsvorsitzender des Instituts ist.

Vor allem Jüngere suchen Notfallambulanzen auf

Die Zi-Wissenschaftler werteten für die Analyse der Notfallbehandlungen bundesweite Abrechnungsdaten aus den Jahren 2009 bis 2014 aus. Dabei zeigte sich außerdem, dass vor allem jüngere Menschen insbesondere in Ballungsräumen selbständig den Weg in die Krankenhausambulanzen suchen.

„Der langfristig anhaltende Trend einer steigenden Inanspruchnahme von Notfallambulanzen und der abrupte Anstieg 2013 werfen die Frage auf, inwieweit dies mit einer steigenden Fehlinanspruchnahme verbunden ist“, betont Zi-Geschäftsführer Dr. Dominik Graf von Stillfried. Er befürchtet, dass die Entwicklung zu weiter steigenden stationären Aufnahmen und damit zu steigenden Kosten führt.

Beitragszahler werden belastet

Wissenschaftlich bestehe kein Zweifel daran, dass diese Art der Versorgung die Beitragszahler langfristig massiv belasten werde, warnt von Stillfried. Wer vermeidbare Krankenhausaufnahmen reduzieren wolle, müsse die Inanspruchnahme von Krankenhausambulanzen minimieren – also steuern.

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