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Vermeidbare Krankenhausfälle bergen Einsparpotenzial in Milliardenhöhe

29.10.2015 - Mehr als 3,7 Millionen Krankenhausfälle könnten durch eine effektive ambulante Versorgung jährlich bundesweit vermieden werden und die gesetzlichen Krankenkassen in Milliardenhöhe entlasten. Das beweist eine Studie, die das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in dieser Woche vorstellte.

Erster Katalog mit vermeidbaren Krankenhausfällen

Die Münchner Gesundheitsökonomin Prof. Dr. Leonie Sundmacher hat erstmals für Deutschland eine Liste mit Diagnosen erstellt, für die bei guter ambulanter Behandlung Krankenhausaufnahmen weitgehend vermeidbar sind. Dazu gehören zum Beispiel Wirbelsäulenerkrankungen und Diabetes.

Laut Sundmacher entsprechen insgesamt rund fünf Millionen (27 Prozent) aller Krankenhausfälle solchen ambulant-sensitiven Diagnosen. Die Forschungsarbeit wurde vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) gefördert.

Einen Katalog mit ambulant-sensitiven Krankenhausfällen (ASK-Katalog) gibt es in verschiedenen Ländern, Vorreiter sind die USA. „Im Umfang des ersten deutschen ASK-Katalogs offenbart sich das enorme ambulante Potenzial im deutschen Versorgungssystem“, sagte Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV und des Zi, bei der Vorstellung der Studienergebnisse.

Einsparungen von sieben Milliarden Euro jährlich

Würden diese Patienten effektiv und zeitnah im ambulanten Sektor behandelt werden, wäre laut Studie rund ein Fünftel der stationären Behandlungen in deutschen Krankenhäusern verzichtbar. Nach Berechnungen der Wissenschaftlerin kosten diese vermeidbaren Krankenhausfälle jährlich etwa 7,2 Milliarden Euro.

Für die großen Volkskrankheiten kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass je 81 Prozent der Krankenhausfälle mit Rückenbeschwerden und Diabetes vermeidbar wären, bei Herzinsuffizienz 64 Prozent der Fälle und bei ischämischen Herzkrankheiten 61 Prozent.

Studie ergab regionale Unterschiede

Die Studie zeigt regionale Unterschiede bei der Häufigkeit der ambulant-sensitiven Krankenhausfälle. In Gegenden mit einem dichten Netz aus Haus- und Fachärzten werden in den Krankenhäusern weniger Patienten mit ambulant-sensitiven Diagnosen behandelt. Dies sei vor allem in Großstädten der Fall, sagte Gassen. Politik und Krankenkassen sollten von daher das weit verbreitete Vorurteil, Städte seien generell überversorgt, überdenken.

Gassen: ambulante Versorgung stärken

Der KBV-Chef forderte die Politik auf, Voraussetzungen für eine gut aufgestellte und effiziente Versorgung zu schaffen. Diese sei auch daran erkennbar, dass so viele Behandlungen wie möglich ambulant statt stationär erfolgten. Dafür sei es unverzichtbar, die Inanspruchnahme von Krankenhausambulanzen zu steuern. „Es muss ausgeschlossen werden können, dass Notfallambulanzen dauerhaft als ‚Treibsatz‘ für die Fallzahlentwicklung im Krankenhaus dienen“, betonte er.

Zi fördert Versorgungsforschung

Das Zi stellt jährlich 250.000 Euro zur Verfügung, um selbständige Arbeiten von Versorgungsforschern zu fördern. Ein wissenschaftlicher Beirat wählt die Arbeiten aus den eingegangenen Bewerbungen aus. Auf Inhalt und Ausführung der Forschung nimmt das Zi keinen Einfluss. Die Forschungsarbeit von Prof. Dr. Sundmacher wurde mit rund 72.000 Euro gefördert.

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