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Brief an Gröhe: Portalpraxen schaffen "massive Fehlanreize"

29.10.2015 - Die geplanten Portalpraxen schaffen nach Ansicht von KBV und KVen „massive Fehlanreize“ in der Notfallversorgung. In einem Brief an Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe werben die Ärztevertreter für mehr Steuerungselemente.

„Ohne eine geeignete Patientensteuerung wird das gesetzliche Vorhaben zu massiven Fehlverteilungen in der Patientenversorgung und Leistungsvergütung führen“, heißt es in dem Anfang der Woche verbreiteten Schreiben. Aktuelle Studien zeigten eine stetige Steigerung der durch Krankenhäuser aus der ambulanten Notfallversorgung rekrutierten stationären Behandlungsfälle auf.

KVen sollen Portalpraxen bezahlen

Ein Anfang Oktober öffentlich gewordenes Eckpunkte-Papier der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zum Entwurf des Krankenhausstrukturgesetzes sieht Portalpraxen als erste Anlaufstelle für Notfallpatienten in den Krankenhäusern vor.

Nach dem Willen der Politiker sollen die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) die Portalpraxen einrichten und bezahlen. Ist das nicht möglich, sollen sie die Krankenhausambulanzen in den vertragsärztlichen Bereitschaftsdienst einbinden.

Funktionierende Strukturen weiterführen

In dem Brief an den Bundesgesundheitsminister werden „klare Spielregeln“ für die Einrichtung neuer gemeinsamer Strukturen für die Notfallversorgung „an der ambulant-stationären Schnittstelle“ gefordert. So müssten funktionierende Strukturen in der ambulanten Notfallversorgung weitergeführt werden können und nicht durch „eine Zwangsregelung zur Einrichtung vorgesehener Portalpraxen an jedem Krankenhaus“ gefährdet werden.

Die Einrichtung einer Portalpraxis sollte nach einer positiven Bedarfsprüfung erfolgen, also nur, wenn diese wirklich benötigt wird. Zudem plädieren KBV und KVen in dem Schreiben dafür, diese so weiterentwickelten Strukturen für die ambulante Notfallversorgung in den regionalen Honorarverträgen angemessen zu berücksichtigen.

Studien: stationäre Behandlungsfälle nehmen zu

Studien zufolge haben die stationären Behandlungen mit dem durch das Krankenhaus deklarierten Aufnahmegrund „Notfall“ seit 2009 um rund 20 Prozent zugelegt, heißt in dem Brief. Fast acht Millionen der insgesamt 18 Millionen stationären Krankenhausbehandlungen würden jährlich unter dieser Begründung aufgenommen.

Eine jüngste Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung zeigt, dass fast vier Millionen Krankenhausfälle jährlich bundesweit durch eine effektive ambulante Versorgung vermieden werden könnten.

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