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Praxisnachrichten

Facharzttermin in 4 Wochen

Terminservicestellen kurz vor dem Start - Infos zur Terminvermittlung

14.01.2016 - Die umstrittenen Terminservicestellen nehmen in wenigen Tagen ihre Arbeit auf. Sie sollen Patienten mit einer Überweisung innerhalb von vier Wochen einen Termin beim Facharzt vermitteln. Was die Stellen leisten sollen, stellen die PraxisNachrichten vor.

Die Bundesregierung hat die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) mit dem Versorgungsstärkungsgesetz verpflichtet, bis zum 23. Januar sogenannte Terminservicestellen einzurichten. Ihre Aufgabe ist es, gesetzlich Krankenversicherten innerhalb einer Woche einen Termin beim Facharzt zu vermitteln – wenn eine entsprechend gekennzeichnete Überweisung vorliegt. Wartezeit auf den Termin: höchsten vier Wochen. Nur für Termine bei Augen- und Frauenärzten benötigen Patienten keine Überweisung, um den Terminservice in Anspruch zu nehmen.

Kein Termin beim „Wunscharzt“

Wenn die Terminservicestelle binnen einer Woche keinen Termin bei einem niedergelassenen Facharzt mitteilen kann, muss sie dem Patienten einen ambulanten Behandlungstermin in einem Krankenhaus anbieten. Ein gesetzlicher Anspruch auf einen Termin innerhalb von vier Wochen beim „Wunscharzt“ besteht nicht.

„Die Terminservicestellen springen in den Fällen ein, in denen Patienten ein Problem haben, für sich einen Termin beim Facharzt zu organisieren. Sie vermitteln keinen Wunschtermin beim `Wunscharzt´“, erklärte Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV. Daher empfehle es sich für die Patienten nach wie vor, zuerst selbst bei dem gewünschten Arzt anzufragen und zu versuchen, dort einen Termin zu vereinbaren, bevor sie sich an die Terminservicestelle wenden.

KBV und Kassen einigen sich auf Verfahrensweise

KBV und GKV-Spitzenverband hatten zudem per Gesetz den Auftrag, Näheres unter anderem zur zumutbaren Entfernung des Arztes und zur Notwendigkeit weiterer Behandlungen im Krankenhaus zu regeln. Auch ging es um die Frage, wie viele Termine den Patienten anzubieten sind. Damit soll bundesweit eine möglichst einheitliche Verfahrensweise bei den Terminservicestellen gewährleistet werden.

Konkrete Ausgestaltung obliegt den KVen

Die Terminvermittlung erfolgt regional durch die KVen. Sie legen fest, wie Fachärzte freie Termine mitteilen können, wie die Kennzeichnung von Überweisungen als dringlich erfolgen soll oder wann und wie die Terminservicestelle für Patienten zu erreichen ist. Informationen zur konkreten Umsetzung der Terminservicestellen erhalten Ärzte bei ihrer Kassenärztlichen Vereinigung.

Das Wichtigste zur Terminservicestelle im Überblick

Die Aufgaben der Terminservicestelle hat der Gesetzgeber mit dem Versorgungsstärkungsgesetz vorgegeben. KBV und GKV-Spitzenverband hatten zudem per Gesetz den Auftrag, Details in einer Anlage zum Bundesmantelvertrag zu regeln.

Vier-Wochen-Frist für Terminvermittlung

Nach dem Anruf des Patienten teilt die Terminservicestelle ihm binnen einer Woche einen Behandlungstermin bei einem Facharzt mit. Die Wartezeit zwischen dem Anruf des Patienten bei der Servicestelle und dem Termin darf maximal vier Wochen betragen; Ausgenommen davon sind Routineuntersuchungen, Bagatellerkrankungen und Vorsorgetermine.

Kann die Vier-Wochen-Frist nicht eingehalten werden, muss die Terminservicestelle einen ambulanten Behandlungstermin in einem Krankenhaus anbieten. Die Kosten für die Behandlung in der Klinik müssen die Vertragsärzte tragen – aus dem Honorartopf der Fachärzte.

Keine Wunschtermine bei „Wunschärzten“

Über die Terminservicestelle erfolgt keine Vermittlung eines Wunschtermins bei einem bestimmten Arzt („Wunscharzt“). Die Terminservicestelle kann nur Termine vermitteln, die von Ärzten als frei gemeldet wurden. Nach wie vor haben Patienten natürlich die Möglichkeit, selbst – ohne die Terminservicestelle – bei einem Arzt ihrer Wahl einen Termin zu vereinbaren. Einen gesetzlichen Anspruch auf einen Termin beim „Wunscharzt“ innerhalb von vier Wochen haben sie allerdings nicht.

Die Terminservicestelle vermittelt dem Patienten einen Termin. Kann der Patient diesen Termin nicht einrichten, bietet die Servicestelle einen Ausweichtermin an. Voraussetzung: Der Patient sagt den Termin, den er gerade erhalten hat, zeitnah unmittelbar nach der Vermittlung wieder ab.

Psychotherapeuten, Haus- und Kinderärzte ausgenommen

Die Terminservicestellen der KVen vermitteln keine Termine bei Zahnärzten oder Kieferorthopäden. Auch Hausärzte, Kinder- und Jugendärzte – soweit diese keine Schwerpunktbezeichnung haben – sowie Psychotherapeuten sind ausgenommen. Die Terminvermittlung für die Behandlung beim Psychotherapeuten soll zu einem späteren Zeitpunkt folgen.

Kennzeichnung von Überweisungen

Der überweisende Arzt muss die Überweisung entsprechend kennzeichnen. Überweisungen können sowohl Hausärzte als auch Fachärzte ausstellen. Näheres regeln die Kassenärztlichen Vereinigungen: Sie legen zum Beispiel fest, wie die Kennzeichnung genau erfolgen soll.

Zumutbare Entfernung

Der Terminservice vermittelt einen Termin bei einem Arzt, der im jeweiligen Zeitraum freie Termine hat. Es ist deshalb möglich, dass mit dem vermittelten Termin auch eine weitere Anfahrt des Patienten zum Arzt verbunden ist. Die für den Patienten „zumutbare Entfernung“ zum Facharzt definiert sich im Grundsatz wie folgt:

  • Bei Ärzten der allgemeinen fachärztlichen Versorgung (z.B. Augenärzte, Frauenärzte, Hautärzte) ist dies die Entfernung zum nächsten Arzt der Fachgruppe (vom Wohnort des Patienten ausgehend) plus einer Fahrzeit von 30 Minuten (mit öffentlichen Verkehrsmitteln).
  • Bei Fachärzten der spezialisierten fachärztlichen Versorgung (z.B. fachärztlich tätige Internisten, Kinder- und Jugendpsychiater, Radiologen) und gesonderten fachärztlichen Versorgung (z.B. Strahlentherapeuten) entspricht die „zumutbare Entfernung“ der Entfernung zum nächsten Arzt der Fachgruppe plus einer Fahrzeit von 60 Minuten (mit öffentlichen Verkehrsmitteln).

Behandlungsumfang am Krankenhaus

Wenn die Terminservicestelle innerhalb einer Woche keinen Termin bei einem niedergelassenen Facharzt vermitteln kann, ist sie dazu verpflichtet, in der darauffolgenden Woche einen Termin in einem Krankenhaus anzubieten.

Die Behandlung im Krankenhaus beschränkt sich dabei auf die Leistung des Fachgebietes, auf die die Überweisung ausgestellt ist. Das Krankenhaus kann den Patienten in der Regel sechs Wochen ambulant behandeln, sofern die folgenden Behandlungen erforderlich sind, um den Behandlungserfolg zu sichern.

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