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Praxisnachrichten

Vergütung für strukturierte Diagnostik geriatrischer Patienten geregelt

17.03.2016 - Ein neuer Abschnitt zur spezialisierten geriatrischen Diagnostik und Versorgung wird zum 1. Juli 2016 in den EBM aufgenommen. Die neuen Leistungen sind für Patienten mit einem besonders aufwändigen geriatrischen Versorgungsbedarf bestimmt.

Die neuen Gebührenordnungspositionen (GOP) stehen im Abschnitt 30.13 des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM) und vergüten die Vorabklärung und Durchführung eines weiterführenden geriatrischen Assessments sowie die Einleitung und Koordination der Therapiemaßnahmen.

Sie bilden ab, dass Vertragsärzte die ersten Ansprechpartner in der geriatrischen Versorgung bleiben. So ist der Hausarzt weiterhin zuständig für das geriatrische Basisassessment und die Weiterbehandlung des Patienten nach der spezialisierten geriatrischen Diagnostik. Die Vergütung der neuen GOP erfolgt extrabudgetär.

Struktur der spezialisierten geriatrischen Versorgung

Künftig kann der Hausarzt den Patienten für das weiterführende geriatrische Assessment an einen spezialisierten geriatrischen Vertragsarzt oder eine ermächtigte Geriatrische Institutsambulanz (GIA) überweisen.

In Kooperation mit Hausärzten können im Ausnahmefall auch folgende Vertragsärzte überweisen: Fachärzte für Neurologie, für Nervenheilkunde, für Neurologie und Psychiatrie, für Psychiatrie und Nervenheilkunde oder Vertragsärzte mit der Zusatzbezeichnung Geriatrie.

Für die Abklärung im Vorfeld rechnen diese Ärzte die neue GOP 30980 (194 Punkte) ab. Die spezialisierten Vertragsärzte beziehungsweise die GIA rechnen für die Abklärung im Vorfeld die GOP 30981 (131 Punkte) ab.

Das weiterführende geriatrische Assessment kann mit der GOP 30984 (882 Punkte) abgerechnet werden. Sofern es länger als 60 Minuten dauert, können je weitere vollendete 30 Minuten die Zuschläge nach den GOP 30985 (325 Punkte) und 30986 (234 Punkte) jeweils bis zu zweimal im Krankheitsfall berechnet werden. In Summe werden somit bis zu 180 Minuten (2.000 Punkte) vergütet. Diese Kalkulationssystematik dient dazu, den sinkenden Arztzeitanteil abzubilden, da beispielsweise Heilmittelerbringer wie Physio- oder Ergotherapeuten in die Behandlung eingebunden sind.

Im Anschluss kann der weiterbehandelnde Hausarzt für die Einleitung und Koordination der Therapiemaßnahmen die GOP 30988 berechnen (65 Punkte). Die GOP 30988 ist ein Zuschlag zum hausärztlich-geriatrischen Betreuungskomplex (GOP 03362) und den Zusatzpauschalen für die kontinuierliche Mitbetreuung in der häuslichen Umgebung (GOP 16230 / 21230) beziehungsweise in Heimen (GOP 16231 / 21231).

Abrechnungsvoraussetzungen für die neuen GOP

Die Durchführung der Leistungen nach den GOP 30981 und 30984 hat nach der Qualitätssicherungsvereinbarung zur spezialisierten geriatrischen Diagnostik zu erfolgen. Diese Vereinbarung soll mit den neuen Leistungen zum 1. Juli 2016 in Kraft treten. Die PraxisNachrichten berichten in Kürze über die Details.

Für alle neuen GOP gilt: Sie können nur bei Patienten abgerechnet werden, die aufgrund der Art, Schwere und Komplexität ihrer Krankheitsverläufe einen besonders aufwändigen geriatrischen Versorgungsbedarf aufweisen und bestimmte Kriterien erfüllen. Diese wurden in der Präambel zum neuen EBM-Abschnitt 30.13 konkret geregelt.

So müssen mindestens zwei bestimmte geriatrische Syndrome aus einer Liste vorliegen oder eines dieser Syndrome in Kombination mit einer Pflegestufe. Darüber hinaus muss längstens ein Quartal zuvor ein geriatrisches Basisassessment durchgeführt worden sein.

Hintergrund

Der GKV-Spitzenverband und die KBV wurden 2012 vom Gesetzgeber beauftragt, im Einvernehmen mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft wesentliche Regelungen zur Ausgestaltung des Paragrafen 118a SGB V zu Geriatrischen Institutsambulanzen in einer Vereinbarung festzulegen.

Die Vereinbarung wurde am 15. Juli 2015 vom erweiterten Bundesschiedsamt festgesetzt und ist am 1. Oktober 2015 in Kraft getreten. Seitdem können Anträge auf Ermächtigung als Geriatrische Institutsambulanz beim Zulassungsausschuss gestellt werden, sofern eine ausreichende vertragsärztliche Versorgung nicht gewährleistet ist.

Nach Paragraf 5 der Vereinbarung waren die Vertragspartner verpflichtet, innerhalb von sechs Monaten nach Inkrafttreten der Vereinbarung eine Vergütungsregelung zu treffen, das heißt bis zum 1. April 2016.

Übersicht der neuen Leistungen - Praxisinformation für Ärzte

Die neuen Leistungen im Abschnitt 30.13 EBM finden Sie hier und auf Seite 5 in der aktuellen Praxisinformation "Spezialisierte geriatrische Diagnostik ab 1. Juli 2016 qualitätsgesichert – Wissenswertes für Vertragsärzte" (PDF, 320 KB).

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