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Praxisnachrichten

Neuerungen zur Delegation ärztlicher Leistungen auf einen Blick

30.06.2016 - Die Delegation von ärztlichen Leistungen wird stärker gefördert. Ab 1. Juli gibt es dazu im EBM ein eigenes Kapitel. Dann erhalten auch Fachärzte Zuschläge auf Besuche, die von qualifizierten nichtärztlichen Praxisassistenten in Pflegeheimen durchgeführt werden. Alles dazu und was noch neu ist, stellen die PraxisNachrichten vor.

Die Ausdehnung der Förderung qualifizierter nichtärztlicher Praxisassistenten vom hausärztlichen auf den fachärztlichen Bereich ist Teil des Beschlusses, den der Bewertungsausschuss in der vergangenen Woche gefasst hat. Er sieht vor, dass Fachärzte unterschiedlicher Fachrichtungen Patientenbesuche in Pflegeheimen an qualifizierte Mitarbeiter delegieren können und dies vergütet bekommen.

Dazu wurde das neue EBM-Kapitel 38 (Delegierbare Leistungen) mit insgesamt vier neuen Gebührenordnungspositionen (GOP) aufgenommen, davon zwei Qualifikationszuschläge für nichtärztliche Praxisassistenten.

Vergütung des Besuchs wie bei Hausärzten

Der Besuch eines Patienten durch einen Praxisassistenten ist mit insgesamt 166 Punkten (17,32 Euro) bewertet, der Mitbesuch mit insgesamt 122 Punkten (12,73 Euro). Fachärzte bekommen damit die gleiche Vergütung wie Hausärzte, die seit Anfang 2015 von einer solchen Förderung profitieren können. Der Einsatz des Assistenten beim Facharzt ist allerdings auf Pflegeheime beschränkt, Besuche außerhalb des Pflegeheims werden nicht zusätzlich finanziert.

Praxen, die die neuen Leistungen abrechnen wollen, benötigen eine Genehmigung ihrer Kassenärztlichen Vereinigung. Dabei müssen sie erklären, dass sie einen Assistenten mit mindestens 20 Wochenstunden beschäftigen und dieser über die geforderte Qualifikation und Erfahrung verfügt (siehe Kasten unten).

Höhere Kostenpauschalen für Besuche

Das neue EBM-Kapitel 38 enthält auch die bisherigen Kostenpauschalen 40240 (neu: GOP 38100) und 40260 (neu: GOP 38105) für ärztlich angeordnete Hilfeleistungen von Praxismitarbeitern. Mit knapp acht Euro wird der Besuch eines Patienten durch Praxismitarbeiter ab Juli deutlich besser bewertet als bisher mit 5,10 Euro. Mehr Geld gibt es auch für den Mitbesuch durch einen beauftragten Mitarbeiter: rund vier Euro statt 2,60 Euro.

Delegation: Die Neuerungen im Detail

Zum 1. Juli 2016 wird der EBM um ein neues Kapitel 38 für delegationsfähige Leistungen ergänzt. Welche Leistungen es enthält und welche Ärzte diese abrechnen können, zeigt diese Übersicht:

Ärztlich angeordnete Hilfeleistungen von Praxismitarbeitern – Abschnitt 38.2

Der EBM-Abschnitt 38.2 enthält die bisherigen Kostenpauschalen für ärztliche Hilfeleistungen, die Praxismitarbeiter im Auftrag des Arztes durchführen dürfen: GOP 38100 (alt: GOP 40240) und GOP 38105 (alt: GOP 40260). Sie wurden inhaltsgleich übernommen, aber höher bewertet.

Gebührenordnungspositionen und Vergütung

  • GOP 38100 (neu: 76 Punkte / 7,93 Euro; alt: 5,10 Euro)
    berechnungsfähig für das Aufsuchen eines Patienten in der Häuslichkeit oder im Heim durch nichtärztliche Praxismitarbeiter
  • GOP 38105 (neu: 39 Punkte / 4,07 Euro; alt: 2,60 Euro)
    berechnungsfähig für Mitbesuche in derselben sozialen Gemeinschaft (Häuslichkeit oder Heim) in unmittelbarem zeitlichem Zusammenhang mit dem Aufsuchen eines Patienten nach der GOP 38100

Hinweise zur Abrechnung

  • Wie bisher enthalten die GOP 38100 und 38105 die Wegekosten (entfernungsunabhängig) und können nur berechnet werden, wenn der Patient aus medizinischen Gründen die Arztpraxis nicht aufsuchen kann.
  • Die GOP 38100 ist am Behandlungstag nicht neben den GOP 03062, 03063 und 38105 berechnungsfähig, die GOP 38105 nicht neben den GOP 03062, 03063 und 38100.
  • Die Vergütung der GOP 38100 und 38105 erfolgt weiterhin innerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (MGV).
  • Mit der Aufnahme des Kapitels 38 in den EBM und der neuen GOP werden die bisherigen GOP 40240 und 40260 im EBM-Abschnitt 40.5 gestrichen.

Abrechnungsvoraussetzung

Voraussetzung für die Abrechnung der Leistungen des Abschnittes 38.2 (GOP 38100 und 38105) ist die Anstellung eines nichtärztlichen Mitarbeiters mit einer abgeschlossenen Ausbildung in einem nichtärztlichen Heilberuf.

Wer kann die Leistungen abrechnen

Die GOP dieses Abschnitts können von allen Vertragsärzten berechnet werden, die die Abrechnungsvoraussetzung erfüllen.

Ärztlich angeordnete Hilfeleistungen von qualifizierten nichtärztlichen Praxisassistenten – Abschnitt 38.3

Der EBM-Abschnitt 38.3 enthält delegationsfähige Leistungen, die nur Ärzte abrechnen können, die einen qualifizierten nichtärztlichen Praxisassistenten beschäftigen und dafür eine Genehmigung ihrer Kassenärztlichen Vereinigung (KV) haben.

Gebührenordnungspositionen und Vergütung

  • GOP 38200 (Bewertung 90 Punkte / 9,39 Euro)
    Zuschlag zur GOP 38100 (Bewertung: 76 Punkte / 7,93 Euro) für den Besuch und die Betreuung eines Patienten in einem Alten- oder Pflegeheim oder anderen beschützenden Einrichtungen durch einen qualifizierten nichtärztlichen Praxismitarbeiter
  • GOP 38205 (Bewertung 83 Punkte / 8,66 Euro)
    Zuschlag zur GOP 38105 (Bewertung: 39 Punkte / 4,07 Euro) für den Besuch und die Betreuung eines weiteren Patienten in derselben sozialen Gemeinschaft durch eine qualifizierten nichtärztlichen Praxisassistenten

Die Zuschläge werden extrabudgetär und damit ohne Mengenbegrenzung in voller Höhe vergütet.

Abrechnungsvoraussetzungen

Ärzte, die die GOP 38200 und 38205 abrechnen wollen, benötigen eine Genehmigung ihrer KV. Das sind die Anforderungen:

  • Die Praxis muss gegenüber der KV erklären, dass sie einen nichtärztlichen Praxisassistenten (NäPA) gemäß Anlage 8 zum BMV-Ä (Delegations-Vereinbarung) mit mindestens 20 Wochenstunden beschäftigt.
  • Der Assistent muss eine nach dem qualifizierten Berufsabschluss mindestens dreijährige Berufserfahrung nachweisen und bereits mindestens 20 Hausbesuche zur Verrichtung medizinisch notwendiger delegierbarer Leistungen in Alten- oder Pflegeheimen oder in anderen beschützenden Einrichtungen begleitet haben.
    Als Übergangsregelung kann die Genehmigung bis zum 31. Dezember 2016 auch dann erteilt werden, wenn nur zehn Hausbesuche begleitet worden sind.

Hinweis: Eine Mindestanzahl an Behandlungsfällen – wie bei Hausärzten verlangt – wird nicht gefordert. Daher wird die Anstellung auch nicht durch eine Strukturpauschale (vergleichbar mit der GOP 03060) gefördert.

Wer die neuen Leistungen abrechnen kann

Die GOP 38200 und 38205 können von Fachärzten fast aller Fachrichtungen abgerechnet werden, die dafür eine Genehmigung ihrer KV haben:

  • Augenärzte
  • Chirurgen
  • Frauenärzte
  • Hals-Nasen-Ohren-Ärzte
  • Hautärzte
  • Internisten mit und ohne Schwerpunkt
  • Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen
  • Neurologen
  • Nervenärzte
  • Neurologen/Psychiater
  • Orthopäden
  • Orthopäden/Unfallchirurgen
  • Psychiater/Psychotherapie
  • Urologen
  • Physikalische und Rehabilitative Medizin

Hausärzte sowie Kinder- und Jugendärzte

Die KBV konnte erreichen, dass auch Hausärzte sowie Kinder- und Jugendärzte die Zuschläge abrechnen können. Damit können kleinere Hausarztpraxen, die bislang aufgrund ihrer Fallzahl keine Genehmigung für die Abrechnung von Leistungen nichtärztlicher Praxisassistenten erhalten konnten, die Qualifikationszuschläge berechnen.

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