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Unnötige Krankenhauseinweisungen

Ressourcen optimieren: KBV plädiert für Zusammenarbeit

03.11.2016 - Die KBV will in den Dialog mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft treten. Damit bringt sie sich in die Diskussion um die bundesweite Optimierung der Versorgung in Kliniken ein. Für eine Zusammenarbeit an der Schnittstelle ambulant/stationär plädiert die Ärztevertretung bereits seit längerem.

„Es ist an der Zeit, dass wir gemeinsame Wege finden, die Versorgung zu optimieren und die vorhandenen Ressourcen optimal zu nutzen“, sagte KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen. Er reagierte damit auf ein Thesenpapier der Nationalen Akademie der Wissenschaften, welches in der vergangenen Woche veröffentlicht wurde. Danach würden von den über 1.600 vorhandenen Kliniken bundesweit 330 genügen, um weiterhin die Sicherstellung der Patientenversorgung zu garantieren und diese zudem besser und effizienter zu gestalten.

Gassen: Vorschläge zu radikal

Aus Sicht von Gassen sind diese Vorschläge der Akademie „zu radikal“. Auch halte er den Vergleich der Wissenschaftler mit einem Land wie Dänemark für nur schwer möglich. Denn dort gäbe es keine freie Wahl des Arztes oder Krankenhauses, wie das die Patienten in Deutschland kennen.

Außerdem betonte der KBV-Chef: „Die Diskussion um die Schließung von Krankenhäusern muss man mit Augenmaß führen. Wer aber die wesentliche Bedeutung der ambulanten Versorgung durch die Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten verkennt und unkritisch teils überflüssige stationäre Strukturen fördert, beeinträchtigt letztlich die Versorgung unserer Bevölkerung.“

Zi: 3,4 Millionen vermeidbare Krankenhausfälle

Dass die gegenwärtige Situation unökonomisch ist, belegen auch aktuelle Zahlen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi). Danach gibt es jedes Jahr etwa 3,4 Millionen „ambulant sensitive“ Krankenhausfälle. Das sind jene, für die durch eine ambulante Behandlung Krankenhausaufnahmen vermeidbar gewesen wären. Dadurch entstehen dem Gesundheitssystem Kosten von rund fünf Milliarden Euro jährlich.

Gemeinsam für gute Rahmenbedingungen sorgen

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft und die KBV sollten Gassen zufolge in einen Dialog treten, um die Versorgung der Patienten angesichts der demografischen Entwicklung und des drohenden Ärztemangels zu sichern. „Wir müssen gemeinsam für gute Rahmenbedingungen sorgen“, betonte Gassen. „Schließlich wissen KBV und Krankenhäuser am besten, wie die ambulante und stationäre Versorgung vor Ort optimal gelingen kann.“

Akademie: Bessere Versorgung durch Bündelung

In dem Thesenpapier der Nationalen Akademie beschreiben sechs Medizin-Experten um den Stiftungsratsvorsitzenden der Berliner Charité, Detlev Ganten, was notwendig wäre, um eine qualitätsvolle und zugleich wirtschaftliche Versorgung von Patienten in Krankenhäusern organisieren zu können. Als ein strukturelles Problem sehen die Autoren dabei die – gerade auch im internationalen Vergleich deutlich werdende – Vielzahl von Krankenhäusern.

Diese historisch gewachsene Struktur der Krankenhauslandschaft könne zudem den Versorgungsstandard der modernen Krankenhausmedizin nicht angemessen erfüllen, heißt es in dem Thesenpapier. Jedem vierten allgemeinen Krankenhaus fehle demnach ein CT-Gerät und jedes fünfte verfüge über kein einziges Intensivbett.

Auch qualifiziertes medizinisches Personal sei derzeit im Grunde ausreichend vorhanden, aber auf zu viele Häuser verteilt, schreiben die Experten weiter. Eine entsprechende Reduktion der Krankenhäuser und die Aufstockung des Personals in den verbleibenden Häusern würde den Experten zufolge sowohl die Versorgungsqualität deutlich erhöhen als auch Überlastungen beim medizinischen Personal reduzieren.

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