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Öffnung der Hochschulambulanzen: Schiedsamt legt Kriterien fest

24.11.2016 - Für die im Versorgungsstärkungsgesetz verankerte Öffnung der Hochschulambulanzen für die ambulante Versorgung hat das Bundesschiedsamt jetzt die Bedingungen festgelegt. Die Vereinbarung tritt zum 1. Dezember 2016 in Kraft.

Ambulanzen, Institute und Abteilungen der Hochschulkliniken dürfen nunmehr Patienten mit schweren und komplexen Krankheitsbildern in bestimmten Fällen ambulant behandeln, wenn eine Überweisung durch den niedergelassenen Arzt vorliegt. Eine Überweisung, die in jedem Fall notwendig ist, gilt für insgesamt vier Quartale, wenn es sich um dieselbe Erkrankung handelt. Sie sollte von dem Vertragsarzt ausgestellt werden, der die Erkrankung des Patienten maßgeblich behandelt.

Ambulanzen müssen Fachärzte vorhalten

Mit der Vereinbarung sei es gelungen, den infrage kommenden Patientenkreis auf Menschen mit schweren sowie seltenen Erkrankungen einzuengen, betonte KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen. Das erweiterte Bundesschiedsamt sei zudem der Forderung der KBV gefolgt, dass ausschließlich Mediziner mit abgeschlossener Weiterbildung zum Facharzt die Patienten behandeln dürften. Für die Hochschulambulanzen gelte somit analog zur vertragsärztlichen Versorgung der Facharztstatus.

Gesetzlicher Auftrag

Bislang durften Hochschulambulanzen nur in einem Umfang ambulant tätig sein, der für die Forschung und Lehre erforderlich ist. Mit dem Versorgungsstärkungsgesetz wurde dies auf schwere und komplexe Krankheitsbilder ausgedehnt. KBV, GKV-Spitzenverband und Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) wurden beauftragt festzulegen, welche Patientengruppen einer Versorgung durch die Hochschulambulanzen bedürfen. Da sich die Vertragspartner nicht einigen konnten, haben die Krankenkassen unterstützt von der KBV das Bundesschiedsamt angerufen.

Wann eine Überweisung möglich ist

Das Schiedsamt legte nunmehr mehrere Kriterien fest, wann eine solche Überweisung erfolgen kann. Das ist beispielsweise der Fall, wenn Patienten einer spezialisierten Diagnostik bedürfen, die in der vertragsärztlichen Versorgung nicht möglich ist und die Diagnose nicht ausreichend gesichert werden konnte. Ebenso können Patienten, die an einer seltenen Erkrankung leiden oder deren Versorgung selten vertretener Fachdisziplinen bedarf, in die Ambulanzen überwiesen werden.

Aufgrund der mangelhaften Datenlage in den Hochschulambulanzen, wurden im ersten Schritt eingrenzende Kriterien festgelegt. Eine Konkretisierung soll erst erfolgen, wenn das Projekt in drei Jahren evaluiert wird und Daten zur Auswertung vorliegen. Generell soll es sich bei Überweisungen an Hochschulambulanzen um schwere und komplexe Krankheitsbilder sowie um seltene Erkrankungen handeln.

Transparenz erhöhen

Insgesamt soll auch mit der Öffnung für die vertragsärztliche Versorgung die Transparenz der Hochschulambulanzen erhöht werden. Die Vergütung der dort erbrachten ambulanten Leistungen erfolgt durch zusätzliche Mittel der Krankenkassen. Das Bundesgesundheitsministerium hatte im Zusammenhang mit der gesetzlich verankerten Öffnung in der Vergangenheit bereits angekündigt, dass die Hochschulambulanzen jährlich mit zusätzlichen 250 bis 300 Millionen Euro unterstützt werden sollen.

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