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Praxisnachrichten

Fördermittel für Projekt gegen Antibiotikaresistenzen

01.12.2016 - Ein Modellprojekt zur Verringerung unnötiger Antibiotikaverordnungen startet Anfang 2017 in Arztpraxen. Es ist eines der ersten Vorhaben, das mit Mitteln aus dem Innovationsprojekt der gesetzlichen Krankenversicherung gefördert wird.

Im Rahmen des Projekts „RESISTenzvermeidung durch adäquaten Antibiotikaeinsatz bei akuten Atemwegsinfektionen“ sollen Ärzte und Patienten für das Thema Resistenzbildungen sensibilisiert werden. Dabei geht es vor allem um einen verantwortungsvolleren Umgang mit Antibiotika bei akuten Atemwegsinfekten. Das Modellvorhaben des Verbandes der Ersatzkassen e.V. (vdek), der KBV und von elf Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) wird mit rund 14 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds gefördert.

Antibiotika-Einsatz bei Bagatell-Infektionen reduzieren

„Das Projektdesign zeichnet sich durch einen niederschwelligen Ansatz nah an dem Versorgungsalltag aus“, betonte KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen. Der Einsatz von Antibiotika bei Bagatell-Infektionen müsse weiter reduziert werden. Ziel sei es auch im Interesse der Patienten, die Deutsche Antibiotika Resistenzstrategie (DART) des Bundesgesundheitsministeriums zu unterstützen.

„Mit dem Projekt RESIST wollen die Beteiligten zu einer verlässlichen und sicheren Versorgung mit hochwirksamen Arzneimitteln beitragen und zugleich vermeidbare Neben- und Wechselwirkungen verhindern“, hob vdek-Vorstandsvorsitzende Ulrike Elsner hervor. Der Innovationsfonds habe mit seiner Förderentscheidung die wissenschaftliche Qualität und den hohen Nutzen des Kooperationsprojektes für die Gesundheitsversorgung bestätigt.

Teilnahme von Haus-, Kinder- und HNO-Ärzten

Im Fokus des Projektes stehen die Arzt-Patienten-Kommunikation und die gemeinsame Entscheidungsfindung. Spezifische Instrumente wie eine Online-Schulung für Mediziner sowie Infopakete mit Flyern für Patienten sollen das Anliegen unterstützen.

Aufgerufen, an dem Projekt teilzunehmen, sind Haus-, HNO- sowie Kinder- und Jugendärzte der beteiligten elf Kassenärztlichen Vereinigungen. Dies sind die KVen Baden-Württemberg, Bayerns, Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein, Rheinland-Pfalz, Saarland, Schleswig-Holstein und Westfalen-Lippe.

Erste Ergebnisse der Evaluation Ende 2019

Die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation erfolgt durch das Institut für Allgemeinmedizin der Universität Rostock in Zusammenarbeit mit dem Zentralinstitut der kassenärztlichen Versorgung. Erste Ergebnisse der wissenschaftlichen Evaluation sollen Ende 2019 vorliegen.

Mit dem Innovationsfonds werden seit 2016 innovative sektorenübergreifende Versorgungsformen gefördert und die Versorgungsforschung gestärkt. Die Kosten werden je zur Hälfte von gesetzlichen Krankenkassen und aus der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds finanziert. Die Förderung entfällt zu 25 Prozent auf die Versorgungsforschung und zu 75 Prozent auf neue Versorgungsformen (Übersicht geförderter Projekte).

39 Millionen Antibiotika-Verordnungen

Etwa 39 Millionen Mal werden in Deutschland jährlich Antibiotika verordnet. Damit schneidet die Bundesrepublik im EU-Vergleich bereits recht gut ab. Allerdings zeigen Erfahrungen aus den Niederlanden und der Schweiz, dass noch erhebliche Einsparungen möglich sind, ohne dass die Qualität und Sicherheit der Versorgung beeinträchtigt wird.

Innovationsfonds: Förderung innovativer Projekte

Ziel der Förderung innovativer Projekte durch den Innovationsfonds ist es, die medizinische Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung dauerhaft weiterzuentwickeln und zu verbessern. Gesetzliche Förderkriterien sind zum Beispiel die Verbesserung der Versorgungsqualität und -effizienz, Behebung von Versorgungsdefiziten und Optimierung der Zusammenarbeit.

Förderung beantragen können beispielsweise Kassenärztliche Vereinigungen, Krankenhäuser, Praxisnetze, Fach- und Berufsverbände. Der Innovationsfonds ist beim Gemeinsamen Bundesausschuss angesiedelt. Dort entscheidet ein Innovationsausschuss über die Vergabe der Fördermittel.

Zu den zehn stimmberechtigten Mitgliedern gehört neben Vertretern der Krankenkassen, der Deutschen Krankenhausgesellschaft, des Bundesgesundheits- sowie Bundesforschungsministeriums auch der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Gassen. Bei den Beratungen müssen auch die Voten eines Expertenbeirats aus Wissenschaft und Versorgungspraxis berücksichtigt werden.

Übersicht geförderter Projekte

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