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Praxisnachrichten

Einsatz von nichtärztlichen Praxisassistenten wird besser vergütet

15.12.2016 - Die Förderung von qualifizierten nichtärztlichen Praxisassistenten zur Entlastung von Hausärzten wird ausgeweitet. Ab Januar 2017 erhalten Hausärzte mehr Geld, wenn sie einen Praxisassistenten anstellen. Außerdem können noch mehr Praxen von der Förderung profitieren.

Auf die Änderungen haben sich KBV und GKV-Spitzenverband am Montag im Bewertungsausschuss geeinigt. Damit werden weitere Anreize für die Beschäftigung von qualifizierten nichtärztlichen Praxisassistenten geschaffen. Hintergrund ist, dass das seit 2015 für die Leistungen von qualifizierten nichtärztlichen Praxisassistenten zur Verfügung stehende Vergütungsvolumen von jährlich rund 118 Millionen Euro bisher nicht ausgeschöpft wird.

„Das Angebot ist jetzt insgesamt attraktiver“, sagte die stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Dipl.-Med. Regina Feldmann. Vor allem der Strukturzuschlag werde deutlich angehoben und mehr Praxen erhielten auch den Zugang. Sie hoffe, dass sich jetzt mehr Hausärzte entschließen, einen qualifizierten nichtärztlichen Praxisassistenten anzustellen. „Wir brauchen diese Unterstützung dringend für die Hausarztpraxen“, sagte sie in einem Video-Interview mit KV-on.

Bis zu 10.000 Euro im Jahr für Strukturförderung

Der Strukturzuschlag für Kosten wie Ausbildung, höhere Gehälter und zusätzliche Praxisausstattung (GOP 03060) wird angehoben: Er steigt von jetzt 2,30 auf 3,58 Euro je Behandlungsfall. Er wird auf die hausärztliche Strukturpauschale (GOP 03040) gezahlt; künftig für bis zu 700 Fälle. Die Höchstgrenze lag bislang bei 584 Fällen. Damit erhalten Ärzte ab Januar bis zu 2.506 Euro im Quartal und damit eine fast doppelt so hohe Förderung. Das sind etwa 10.000 Euro im Jahr.

Fallzahl als Förderkriterium abgesenkt

Neben der höheren Strukturförderung wurde vereinbart, dass mehr Hausarztpraxen von der Förderung nichtärztlicher Praxisassistenten profitieren sollen. Dazu wird die als Abrechnungsvoraussetzung durchschnittlich zu erfüllende Mindestzahl von Behandlungsfällen beziehungsweise Mindestzahl von Patienten, die älter als 75 Jahre alt sind, abgesenkt.

Ein Hausarzt mit einer vollen Zulassung kann danach einen Praxisassistenten genehmigt bekommen, wenn er durchschnittlich mindestens 700 Behandlungsfälle je Quartal (alt: 860) oder durchschnittlich 120 Fälle je Quartal bei über 75-jährigen Patienten (alt: 160) nachweist.

Für jeden weiteren Hausarzt (entsprechend einem Arzt mit vollem Tätigkeitsumfang) in der Praxis erhöht sich die Fallzahl um 521 beziehungsweise um 80 Fälle je Arzt.

Höhere Vergütung für Besuche

Einen Zuschlag gibt es außerdem auf die Vergütung für Hausbesuche durch einen qualifizierten nichtärztlichen Praxisassistenten (GOP 03062). Die Vergütung steigt von jetzt 17,32 auf 19,59 Euro. Für den Mitbesuch (GOP 03063) werden 14,32 Euro statt 12,73 Euro gezahlt.

Der Beschluss des Bewertungsausschusses sieht zudem vor, dass die Leistungsinhalte der beiden Gebührenordnungspositionen an die Besuchsleistungen des Kapitels 38 angeglichen werden.

Ab Januar kann auch der erste Besuch eines Patienten in Alten- oder Pflegeheimen beziehungsweise in anderen beschützenden Einrichtungen über die höher bewertete GOP 03062 abgerechnet werden. Bislang konnte dafür nur die GOP 03063 berechnet werden. Weitere Besuche bei anderen Patienten in derselben sozialen Gemeinschaft sind weiterhin mit der GOP 03063 abzurechnen.

VERAH-Vorschlag abgelehnt

Die Forderung der KBV, dass auch Versorgungsassistenten in der Hausarztpraxis (VERAH) bundesweit als nichtärztliche Praxisassistenten anerkannt werden, ohne eine zusätzliche Fortbildung absolvieren zu müssen, konnte nicht durchgesetzt werden.

Auf Ablehnung stieß auch der KBV-Vorschlag, Behandlungsfälle aus Selektivverträgen, in denen keine Vergütung für nichtärztliche Praxisassistenten erfolgt, bei der Berechnung des Höchstwertes des Strukturzuschlags nicht abzuziehen.

Nicht verbrauchte Gelder fließen in die Hausarztversorgung

Die KBV konnte erreichen, dass die Hälfte der nicht „abgerufenen“ Finanzmittel weiterhin für die hausärztliche Versorgung zur Verfügung steht. Das sind für die Jahre 2015 und 2016 voraussichtlich rund 65 bis 70 Millionen Euro. Dieser Beschluss wurde im Erweiterten Bewertungsausschuss gegen die Stimmen der Krankenkassen gefasst.

Der unparteiische Vorsitzende forderte KBV und GKV-Spitzenverband zugleich auf, bis Ende März 2017 Vorschläge zu erarbeiten, welche Leistungen und Strukturen in der hausärztlichen Versorgung mit dem Geld gefördert werden sollen.

Nichtärztliche Praxisassistenten: Die Neuerungen ab 1. Januar 2017 im Überblick

Vergütung

Leistung  GOP  Bewertung

Strukturförderung

(als Zuschlag zur
hausärztlichen
Strukturpauschale)

03060 22 Punkte
03061 12 Punkte
insgesamt: 34 Punkte
Besuch des Assistenten
einschließlich Wegekosten
03062 166 Punkte
03064 (Zuschlag) 20 Punkte
insgesamt: 186 Punkte
Mitbesuch des Assistenten
einschließlich Wegekosten
03063 122 Punkte
03065 (Zuschlag) 14 Punkte
insgesamt: 136 Punkte

 

Erläuterungen zur Vergütung

Besuch und Mitbesuch

  • Jeder Besuch und Mitbesuch wird zu einem festen Preis extrabudgetär vergütet. Es gibt keine Mengenbegrenzung.
  • Neben den GOP 03062 und 03063 können auch Leistungen des Abschnitts 32.2 sowie die GOP 31600 abgerechnet werden. Die GOP 03062 und 03063 ersetzten die alten Kostenpauschalen 40870 und 40872, die bisher nur für Hausbesuche von nichtärztlichen Praxisassistenten in unterversorgten Regionen abgerechnet werden konnten.

Strukturzuschlag

  • Mit dem Strukturzuschlag (GOP 03060 und 03061) sollen vor allem Ausgaben für Weiterbildung, höhere Personalkosten und zusätzliche Praxisausstattung wie Mobiltelefon für Hausbesuche finanziert werden. Er wird von der Kassenärztlichen Vereinigung zugesetzt und je Behandlungsfall gezahlt, maximal für 700 Fälle (bis zu einem Höchstwert von 23.800 Punkten bzw. 2.506 Euro) im Quartal. Es gilt:
    • Fälle im organisierten Bereitschaftsdienst, Überweisungsfälle ohne Patienten-Kontakt und stationäre (belegärztliche) Fälle erhalten keinen Zuschlag.
    • Die Anzahl der Zuschläge verringert sich um die Zahl der Behandlungsfälle aus Selektivverträgen ohne Beteiligung der KV (HzV-Verträge nach Paragraf 73b SGB V) und/oder aus Verträgen zur knappschaftsärztlichen Versorgung. Der Grund ist, dass in diesen Verträgen häufig bereits eine Vergütung des Praxisassistenten vorgesehen ist.

Übergangsregelung: Vergütung ab Beginn der Ausbildung

Da in vielen Hausarztpraxen Mitarbeiter für diese neuen Aufgaben erst noch ausgebildet werden müssen, haben KBV und Krankenkassen eine Übergangsregelung im Bundesmantelvertrag-Ärzte (BMV-Ä) festgelegt. Die GOP sind demnach bereits ab Beginn der Ausbildung des Mitarbeiters zum nichtärztlichen Praxisassistenten berechnungsfähig, sofern zu erwarten ist, dass die Ausbildung bis zum 31. Dezember 2018 abgeschlossen ist beziehungsweise bis dahin eventuell noch fehlende Module absolviert sein werden.

Voraussetzungen: Anzahl der Behandlungsfälle

Ab 1. Januar können mehr Hausarztpraxen von der Förderung eines nichtärztlichen Praxisassistenten profitieren. Dazu wird die als Abrechnungsvoraussetzung durchschnittlich zu erfüllende Mindestzahl von Behandlungsfällen beziehungsweise Mindestzahl von Patienten, die älter als 75 Jahre alt sind, abgesenkt.

Das heißt: Hausarztpraxen können eine Abrechnungsgenehmigung erhalten, wenn sie

  • in den letzten vier Quartalen durchschnittlich mindestens 700 Fälle je Hausarzt (mit voller Zulassung) und Quartal behandelt haben (bei mehreren Hausärzten in der Praxis erhöht sich die Fallzahl um 521 je weiterem Hausarzt mit vollem Tätigkeitsumfang)
    oder
  • in den letzten vier Quartalen im Durchschnitt mindestens 120 Fälle je Hausarzt und Quartal bei Patienten, die älter als 75 Jahre sind, behandelt haben (bei mehreren Hausärzten in der Praxis erhöht sich die Fallzahl um 80 Fälle je weiterem Hausarzt mit vollem Tätigkeitsumfang)

Hinweise zur Fallzählung

Wie bisher gilt: Sofern ein Hausarzt nicht in Vollzeit tätig ist, wird die Fallzahl anteilig ermittelt. Nicht berücksichtigt werden Fälle im organisierten Bereitschaftsdienst, Überweisungsfälle ohne Patienten-Kontakt und stationäre (belegärztliche) Fälle. Behandlungsfälle aus Selektivverträgen (HzV-Verträge nach Paragraf 73b SGB V) und/oder aus Verträgen zur knappschaftsärztlichen Versorgung werden ebenfalls mitgezählt.

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