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Praxisnachrichten

Rheuma und Mukoviszidose: neue ASV-Krankheitsbilder beschlossen

22.12.2016 - Die ambulante spezialfachärztliche Versorgung wird auf weitere Krankheitsbilder ausgeweitet. Ab nächstem Jahr können in dem sektorenübergreifenden Versorgungsbereich auch Patienten mit rheumatologischen Erkrankungen und mit Mukoviszidose behandelt werden.

Möglich wird dies, nachdem der Gemeinsame Bundesausschuss Mitte Dezember die Details zu beiden Krankheitsbildern beschlossen hat. Derzeit können fünf Krankheitsbilder, darunter gastrointestinale und gynäkologische Tumore, in der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) behandelt werden.
In den Anlagen zur ASV-Richtlinie wurde unter anderem festgelegt, aus welchen Fachrichtungen sich das behandelnde ASV-Team zusammensetzt und welche Ärzte bei Bedarf hinzugezogen werden können.

Rheuma: ASV-Team für Behandlung steht

Für die rheumatologischen Erkrankungen legte der G-BA fest, dass die Teamleitung Fachärzte für Innere Medizin und Rheumatologie übernehmen.

Mitglieder des Kernteams sind außerdem Fachärzte für Haut- und Geschlechtserkrankungen, für Innere Medizin und Nephrologie, für Innere Medizin und Pneumologie und für Orthopädie und Unfallchirurgie mit Zusatzweiterbildung orthopädische Rheumatologie.

Die Gruppe der hinzuzuziehenden Fachärzte reicht von Gynäkologen über Fachärzte für Innere Medizin und Gastroenterologie bis zu Radiologen.

Werden Kinder und Jugendliche behandelt, besteht die Teamleitung aus einem Kinder- und Jugendmediziner mit der Zusatzweiterbildung Kinder-Rheumatologie. Zum Kernteam gehören Augenärzte sowie Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie mit Zusatzweiterbildung orthopädische Rheumatologie.

Mindestens 240 Patienten pro Jahr

Darüber hinaus müssen die Ärzte für eine ASV-Berechtigung eine Mindestmenge von 240 Patienten pro Jahr behandeln. Dies gilt nur für die Versorgung von Erwachsenen mit Rheuma, nicht von Kindern und Jugendlichen.

Zu den sächlichen und organisatorischen Anforderungen zählen eine 24-Stunden-Notfallversorgung und die Zusammenarbeit mit fest definierten Gesundheitsfachdisziplinen wie Physiotherapie.

Behandlungsumfang für Rheuma noch nicht komplett

Der G-BA hat den Behandlungsumfang für die rheumatologischen Erkrankungen in den Anlagen für Erwachsene und Kinder definiert. Noch nicht beschlossen wurde der sogenannte Appendix, in dem der Behandlungsumfang anhand des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs spezifiziert wird.

Dieser Schritt soll im Plenum des Gemeinsamen Bundesausschusses im Frühjahr 2017 erfolgen, sodass die Anlage voraussichtlich erst in der zweiten Jahreshälfte in Kraft treten wird. Wenn das erfolgt ist, können interessierte Ärzte ihre Teilnahme beim erweiterten Landesausschuss anzeigen.

Alle Details zu Rheuma sind in der Anlage 1.1b zur ASV-Richtlinie geregelt. Sie gliedert sich in Teil 1 für die Versorgung von Erwachsenen und in Teil 2 für Kinder und Jugendliche. Es wird ebenso zwei Appendizes geben.

Mukoviszidose: Start voraussichtlich im Frühjahr 2017

Für die genetisch bedingte Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose hat der G-BA die Details in Anlage 2b zur ASV-Richtlinie geregelt. Sie kann voraussichtlich im Frühjahr 2017 in Kraft treten, falls das Bundesgesundheitsministerium sie nicht beanstandet.

Die Teamleitung übernehmen Fachärzte für Innere Medizin und Pneumologie. Mitglieder des Kernteams sind darüber hinaus Fachärzte für Innere Medizin und Gastroenterologie. Die Gruppe der hinzuzuziehenden Fachärzte reicht von Gynäkologen über Fachärzte für Innere Medizin und Kardiologie bis zu Urologen.

Sofern Kinder und Jugendliche behandelt werden, sind auch Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin, bevorzugt mit Zusatzweiterbildung Kinder-Pneumologie, für die Teamleitung vorzusehen. Mitglieder des Kernteams können dann auch Kinder- und Jugendmediziner mit Zusatzweiterbildung Kinder-Gastroenterologie sein.

Mindestens 50 Mukoviszidose-Patienten

Die Mindestmenge für eine ASV-Berechtigung umfasst 50 Mukoviszidose-Patienten, die das ASV-Team pro Jahr behandeln muss. Eine Sonderregelung für strukturschwache Regionen wird geprüft.

Nächste ASV-Indikationen

Die nächsten Erkrankungen, die für die ASV vorbereitet werden, sind urologische Tumoren und seltene Lebererkrankungen. Der G-BA will dazu im kommenden Jahr die Beratungen aufnehmen.

KBV bereitet Praxisinformationen vor

Zu den beiden neuen ASV-Indikationen rheumatologische Erkrankungen und Mukoviszidose wird die KBV rechtzeitig vor Inkrafttreten der Anlagen Praxisinformationen mit den wichtigsten Regelungen für Ärzte vorbereiten. Auch das Informationsangebot im Internet wird entsprechend ausgebaut.

ASV: Interdisziplinär in Praxen und Kliniken

Die ambulante spezialfachärztliche Versorgung ist ein Versorgungsbereich für Patienten, die an einer seltenen oder schweren Erkrankung mit besonderem Krankheitsverlauf leiden. Interdisziplinäre Teams aus Praxis- und Klinikärzten übernehmen die ambulante hochspezialisierte Behandlung.

Wie der Versorgungsbereich funktioniert, regelt die ASV-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses. In den Anlagen werden die allgemeinen Regeln für jede ASV-Indikation konkretisiert.

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