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Praxisnachrichten

Im Überblick: Neuerungen und Änderungen 2017

12.01.2017 - Mit dem neuen Jahr gehen auch einige Veränderungen für niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten einher. Wesentliche Neuerungen hat die KBV zusammengestellt.

Die Übersicht fasst alle Änderungen und Neuerungen zusammen, über die im vergangenen Jahr in den PraxisNachrichten berichtet wurde. Die Liste stellt insofern nur eine Auswahl dar.

Abrechnung und Honorar

Mehr Honorar für ärztliche Leistungen

Ärzte und Psychotherapeuten erhalten seit Jahresbeginn mehr Honorar. Der Orientierungswert wurde von 10,4361 auf 10,5300 Cent angehoben. Damit steigen die Preise für alle ärztlichen und psychotherapeutischen Leistungen um 0,9 Prozent. Dies bedeutet ein Honorarplus von bundesweit rund 315 Millionen Euro. Auf den Anstieg hatte sich die KBV mit dem GKV-Spitzenverband bei den bundesweiten Honorarverhandlungen geeinigt.

Mehr Geld müssen die gesetzlichen Krankenkassen außerdem für den steigenden Behandlungsbedarf aufgrund der Entwicklung von Morbidität und Alter der Versicherten bereitstellen. Auf Bundesebene wurde der Wert auf etwa 170 Millionen Euro beziffert. Über die genaue Höhe verhandeln Kassenärztliche Vereinigungen und Krankenkassen jeweils vor Ort.

Bei den Ausgaben für extrabudgetäre Leistungen wie Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen und ambulantes Operieren wird ausgehend vom Trend der vergangenen Jahre mit einem Honorarplus in Höhe von 330 Millionen Euro gerechnet.

PraxisNachrichten: Einigung über Honorarerhöhung in 2017 (22.09.2016)
Themenseite Honorar

Einsatz von nichtärztlichen Praxisassistenten wird besser vergütet

Die Förderung von qualifizierten nichtärztlichen Praxisassistenten zur Entlastung von Hausärzten wurde ausgeweitet. Seit 1. Januar erhalten Hausärzte mehr Geld, wenn sie einen Praxisassistenten anstellen. Außerdem können noch mehr Praxen von der Förderung profitieren.

Das sind die Neuerungen in Kürze:

  • Höherer Strukturzuschlag für mehr Fälle
    Der Strukturzuschlag für Kosten wie Ausbildung, höhere Gehälter und zusätzliche Praxisausstattung (GOP 03060) ist durch die neue Zuschlags-GOP 03061 (12 Punkte) auf 3,58 Euro gestiegen. Er wird jetzt zudem für bis zu 700 Fälle gezahlt. Damit erhalten Ärzte bis zu 2.506 Euro im Quartal und damit eine fast doppelt so hohe Förderung wie zuvor.
  • Bessere Vergütung der Besuchsleistungen
    Haus- und Pflegeheimbesuche von qualifizierten nichtärztlichen Praxisassistenten werden mit 19,59 Euro höher vergütet (GOP 03062 und neue Zuschlags-GOP 03064). Für den Mitbesuch gibt es jetzt 14,32 Euro (GOP 03063 und neue Zuschlags-GOP 03065). Neu ist dabei auch, dass der erste Besuch bei einem Patienten in Alten- oder Pflegeheimen über die GOP 03062 abgerechnet werden kann.
  • Fördergelder für mehr Hausarztpraxen
    Die zur Abrechnung erforderliche Mindestzahl von Behandlungsfällen beziehungsweise Mindestzahl von Patienten, die älter als 75 Jahre alt sind, wurde abgesenkt. Damit können mehr Hausarztpraxen von der finanziellen Förderung profitieren und einen nichtärztlichen Praxisassistenten beschäftigen.

    Zudem wurde die Übergangsregelung für nichtärztliche Praxisassistenten in Ausbildung um weitere zwei Jahre verlängert. Hierzu wurde die Delegations-Vereinbarung (Anlage 8 zum Bundesmantelvertrag-Ärzte) geändert.

PraxisNachrichten: Einsatz von nichtärztlichen Praxisassistenten wird besser vergütet (15.12.2016)
Themenseite nichtärztliche Praxisassistenten

Vergütungsregelung für eArztbriefe

Elektronische Arztbriefe werden seit 1. Januar finanziell gefördert. Die Krankenkassen zahlen, wie gesetzlich vorgeschrieben, für jeden elektronisch übermittelten Brief eine Pauschale von insgesamt 55 Cent. Voraussetzung ist, dass der Versand sicher erfolgt und der Brief eine qualifizierte elektronische Signatur (QES) mittels elektronischem Heilberufsausweis trägt.

Da sowohl Sender als auch Empfänger in die technische Infrastruktur investieren müssen, wird die Förderung aufgeteilt:

  • Versenden eines eArztbriefes je Empfänger-Praxis: GOP 86900, 28 Cent
  • Empfangen eine eArztbriefes: GOP 86901, 27 Cent

Die Vergütung erfolgt extrabudgetär. Beim Versand (GOP 86900) gibt es allerdings eine Obergrenze, die sich an der Fachgruppe und der Anzahl der jeweiligen Behandlungsfälle orientiert. Beispiel: Eine Hausarztpraxis mit 1.120 Fällen im Quartal darf die GOP in diesem Zeitraum maximal 1.120 Mal abrechnen. Dabei können für einen Patienten auch mehrere Briefe verschickt werden.

Der elektronische Versand von Arztbriefen ersetzt den Versand mit Post- und Kurierdiensten. Das heißt: Werden die oben aufgeführten Abrechnungspositionen berechnet, dürfen für denselben Brief nicht die Kostenpauschalen für Portokosten GOP 40120 bis 40126 abgerechnet werden.

Die Übermittlung hat nach den Vorgaben der eArztbrief-Richtlinie der KBV zu erfolgen. Das verwendete PVS-Modul muss von der KBV zertifiziert sein.

PraxisNachrichten: Elektronischer Arztbrief – KBV-Vertreterversammlung beschließt Details (22.09.2016)
Service für die Praxis: eArztbrief

Neue Regelungen zum Notfall- und Bereitschaftsdienst

Ärzte im Notfall- und Bereitschaftsdienst erhalten ab April für besonders schwere und aufwändige Fälle eine höhere Vergütung. Neu ist außerdem eine Abklärungspauschale für Patienten, die keine dringende Behandlung benötigen (Tag: GOP 01205, Nacht/Feiertage: GOP 01207).

Für Fälle mit erhöhtem Behandlungsaufwand gibt es künftig zwei Schweregradzuschläge: einen für Patienten mit schwerwiegenden Behandlungsdiagnosen (Tag: GOP 01223, Nacht/Feiertage: GOP 01224) und einen für Patienten mit eingeschränkter Kommunikationsfähigkeit (GOP 01226). Beide Zuschläge werden zu den Notfallpauschalen (GOP 01210 bzw. 01212) gezahlt.

Die neue Abklärungspauschale wiederum kann abgerechnet werden, wenn sich herausstellt, dass ein Patient keine Notfallbehandlung benötigt, sondern in der normalen Sprechstunde versorgt werden kann.

Hintergrund für die Neuerungen ist eine Vorgabe des Gesetzgebers, die Regelungen für ärztliche Notfallleistungen im Einheitlichen Bewertungsmaßstab nach dem Schweregrad der Fälle zu differenzieren. KBV, GKV-Spitzenverband und Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) waren mit der Umsetzung beauftragt worden. Die Einführung einer Abklärungspauschale hatte die DKG vorgeschlagen, um die Notfallambulanzen zur entlasten.

PraxisNachrichten: Neue Regelungen im EBM zum Notfall- und Bereitschaftsdienst (08.12.2016)

Neue telemedizinische Leistungen: Telekonsile und Videosprechstunde

Telekonsile zwischen Ärzten bei der Befundbeurteilung von Röntgen- und CT-Aufnahmen werden ab April vergütet. Ab Juli sollen außerdem Online-Videosprechstunden berechnungsfähig sein. Hintergrund ist das E-Health-Gesetz, mit dem die Digitalisierung im Gesundheitswesen vorangetrieben werden soll.

Die technischen Anforderungen für beide Verfahren haben KBV und GKV-Spitzenverband bereits vereinbart (Anlage 31a / 31b zum Bundesmantelvertrag-Ärzte). Für die Telekonsile wurde zudem eine Vergütungsregelung getroffen, für die Videosprechstunden soll dies bis Ende März erfolgen.

Vergütung Telekonsile in Kürze:

  • Einholen einer telekonsiliarischen Befundbeurteilung:
    • GOP 34800, 9,58 Euro (Bewertung: 91 Punkte)
  • Telekonsiliarische Befundung der Aufnahmen:
    • GOP 34810 (ausgewählte Röntgenaufnahmen), Vergütung 11,58 Euro (110 Punkte)
    • GOP 34820 (CT-Aufnahmen nach den GOP 34310, 34311, 34320, 34350, 34351); Vergütung 29,06 Euro (276 Punkte)
    • GOP 34821 (CT-Aufnahmen nach den GOP 34312, 34321, 34322, 34330, 34340 bis 34344); Vergütung 40,96 Euro (389 Punkte)

PraxisNachrichten: Telekonsile - Vereinbarung zur Vergütung geschlossen (15.12.2016)
PraxisNachrichten: Videosprechstunde - technische Anforderungen vereinbart (17.11.2016)
Übersicht zum E-Health-Gesetz: Was kommt

Vereinbarung zu technischen Anforderungen an telemedizinische Leistungen

KBV und GKV-Spitzenverband haben grundsätzliche Anforderungen an die Durchführung telemedizinischer Leistungen als neue Anlage 31 zum Bundesmantelvertrag-Ärzte vereinbart. In den Anhängen zu dieser Vereinbarung werden die spezifischen Voraussetzungen zur jeweiligen Anwendung konkretisiert.

Als erster Anwendungsbereich sind seit 1. Januar 2017 die technischen und organisatorischen Bedingungen für die telemedizinische Funktionsanalyse eines implantierten Kardioverters beziehungsweise Defibrillators oder eines implantierten Systems zur kardialen Resynchronisationstherapie (CRT-System) geregelt. Damit endete die Übergangsfrist, wonach Ärzte die Gebührenordnungspositionen 13554 und 04417 auch ohne Nachweis der entsprechenden technischen Anforderungen abrechnen können, zum 31. Dezember 2016.

Die Übergangsregelung zur Qualitätssicherung hingegen haben KBV und GKV-Spitzenverband bis zum 30. Juni 2017 verlängert, da die Beratungen noch andauern. Bis dahin gilt als Abrechnungsvoraussetzung für die beiden telemedizinischen Leistungen zur Überwachung von Patienten mit einem Defibrillator oder CRT-System weiterhin eine Genehmigung der KV nach der Qualitätssicherungsvereinbarung zur Herzschrittmacherkontrolle.

Höhere Zuschläge für Infektionsdialysen

Für Infektionsdialysen gibt es seit Jahresbeginn mehr Geld. Eine nochmalige Erhöhung der Zuschläge erfolgt zum 1. Januar 2018. Mit der stufenweisen Anhebung wird unter anderem der gestiegenen Kosten für die aufwändigen Hygienemaßnahmen Rechnung getragen.

Der Infektionszuschlag zu den Wochenpauschalen (GOP 40835) beträgt nach der neuen Vergütungsregelung seit 1. Januar 60 Euro (alt: 30 Euro). Zum 1. Januar 2018 steigt er auf 90 Euro. Der Zuschlag zu den Einzeldialysen (GOP 40836) wurde von 10 auf 20 Euro erhöht, ab dem Jahr 2018 beträgt er 30 Euro.

PraxisNachrichten: Höhere Zuschläge für Infektionsdialysen (22.12.2016)

EBM-Anpassungen im Bereich Humangenetik

Der Bewertungsausschuss hat im EBM einige Details zur Humangenetik angepasst:

  • Klarstellung: Der Leistungsinhalt der „kleinen“ Mutationssuchen (GOP 11513, 19424 und 19453) ist in den „großen“ Mutationssuchen (GOP 11514, 19425 und 19454) enthalten. Die kleine Mutationssuche kann daher nicht neben der großen Mutationssuche abgerechnet werden.
  • GOP 19450: Die molekularzytogenetische Charakterisierung chromosomaler Aberrationen wurde zum 1. Januar neu in den EBM-Abschnitt 19.4.4 „In-vitro-Diagnostik tumorgenetischer Veränderungen zur Indikationsstellung einer pharmakologischen Therapie“ aufgenommen.
  • GOP 32931 (HLA-B27): Der Nachweis muss ab 1. Juli 2017 mittels molekulargenetischer Verfahren erfolgen; bis dahin können Ärzte sie auch für den immunologischen Nachweis berechnen.
  • GOP 32937 (HLA-Typisierung): Die Bewertung wird zum 1. April 2017 von 150 Euro auf 115 Euro abgesenkt; damit wird sie an die inhaltlich entsprechende GOP 32902 angeglichen.

Darüber hinaus wurde die Frist für eine Qualitätssicherungsvereinbarung für die humangenetischen Beurteilungsleistungen (GOP 11235 und 11236) verlängert, da die Beratungen noch nicht abgeschlossen sind. Ärzte können die Gebührenordnungspositionen somit noch bis zum 1. Januar 2018 ohne eine Genehmigung abrechnen.

PraxisNachrichten: Humangenetik – EBM-Änderungen beschlossen (22.12.2016)

Sozialpädiatrischer Zuschlag kann dreimal abgerechnet werden

Die sozialpädiatrische Betreuung von Kindern und Jugendlichen wird seit Jahresbeginn besser vergütet. Der Zuschlag für die Beratung zu weiterführenden Maßnahmen kann jetzt dreimal im Krankheitsfall abgerechnet werden, also dreimal innerhalb von vier Quartalen. In der Vergangenheit war dies nur zweimal möglich.

Kinder- und Jugendärzte mit entsprechender Qualifikation erhalten den Zuschlag (GOP 04356) für die weiterführende sozialpädiatrisch orientierte Versorgung. Er wird als extrabudgetärer Zuschlag zur Gebührenordnungsposition (GOP) 04355 gezahlt und ist mit 195 Punkten (20,53 Euro) bewertet. Hintergrund der Anpassung ist, dass das Vergütungsvolumen von etwa 14 Millionen Euro pro Jahr bislang nicht ausgeschöpft wurde.

PraxisNachrichten: Sozialpädiatrischer Zuschlag kann dreimal abgerechnet werden (22.12.2016)

ICD-10-GM: Version 2017

Seit Jahresbeginn gilt eine neue Version der ICD-10-GM (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision - German Modifikation). Die vom Deutschen Institut für medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) herausgegebene Version enthält einige neue ICD-Kodes.

Zudem wurden redaktionelle Anpassungen, Klarstellungen und Streichungen vorgenommen. Grundlage waren Änderungen durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie Vorschläge von Fachgesellschaften, Berufsverbänden, Krankenhäusern und Krankenkassen für die ICD-10-GM.

Die wesentlichen Änderungen stellt die KBV in einer Präsentation vor.

PraxisNachrichten: ICD-10-GM - Version für 2017 veröffentlicht (12.01.2017)

Aktuelle EBM-Version online nutzen

Der Einheitliche Bewertungsmaßstab für das erste Quartal 2017 kann auf der Website der KBV als praktische Online-Version mit Suchfunktion abgerufen werden. Nutzer können sich die aktuelle Version außerdem als PDF-Dokument herunterladen – entweder als Gesamtfassung oder für einzelne Arztgruppen.

Seit Oktober 2016 steht im Sicheren Netz der Kassenärztlichen Vereinigungen auch ein neuer digitaler EBM mit mehreren Zusatzfunktionen bereit (z.B. Fachgruppenfilter, Quartalsvergleich). Auch sind darin erstmals EBM und Anhang 2-Browser mit den Operationen- und Prozedurenschlüsseln (OPS) miteinander verbunden.

Der EBM kann darüber hinaus mobil über die App „KBV2GO!“ genutzt werden.

Einheitlicher Bewertungsmaßstab
Informationen und Download-Link zur App „KBV2GO!“

EBM im Sicheren Netz (nur für angemeldete Nutzer)

Anhang 2 wird zum 1. April 2017 angepasst

Die Anpassung des Anhangs 2 zum EBM an die Version 2017 des Operationen- und Prozedurenschlüssels (OPS) vom Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information erfolgt zum 1. April. Bis dahin gilt der aktuelle Anhang 2 weiter.

Die OPS-Version 2017 ist zum 1. Januar 2017 in Kraft getreten. Es wurden Textkorrekturen, Ergänzungen und Anpassungen vorgenommen sowie einige bestehende OPS-Kodes gestrichen und neue aufgenommen. Relevante Änderungen, die sich dadurch im Anhang 2 ergeben, hat die KBV in einer Präsentation zusammengestellt.

Anhang 2 zum EBM

Ambulante spezialfachärztliche Versorgung

Rheuma und Mukoviszidose sind die nächsten Krankheitsbilder

Die ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV) wird in diesem Jahr auf weitere Krankheitsbilder ausgeweitet. Rheumatologische Erkrankungen und Mukoviszidose sind die Indikationen, die als nächste in der ASV behandelt werden können. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat die Details dazu Ende 2016 beschlossen.

Es wurde unter anderem festgelegt, aus welchen Fachrichtungen sich das behandelnde ASV-Team zusammensetzt und welche Ärzte bei Bedarf hinzugezogen werden können.

Zeitplan:

  • Rheuma: Im Frühjahr 2017 soll im Plenum des G-BA der sogenannte Appendix, in dem der Behandlungsumfang spezifiziert wird, beschlossen werden. Der eigentliche Start der neuen ASV-Indikation wird voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte erfolgen.
  • Mukoviszidose: Für die genetisch bedingte Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose hat der G-BA alle Details geregelt. Auch der Appendix wurde bereits beschlossen. Die Anlage kann voraussichtlich im Frühjahr 2017 in Kraft treten, falls das Bundesgesundheitsministerium sie nicht beanstandet. Ab dann können Ärzteteams ihre Teilnahme anzeigen.

PraxisNachrichten: Rheuma und Mukoviszidose - neue ASV-Krankheitsbilder beschlossen (22.12.2016)
Themenseite ASV

Vergütung von Rufbereitschaft und Qualitätskonferenzen geregelt

Die Vorhaltung einer 24-Stunden-Rufbereitschaft sowie Qualitätskonferenzen in der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) können ab 1. April abgerechnet werden. Dafür werden zwei neue Gebührenordnungspositionen in den EBM aufgenommen:

  • GOP 51010: Vorhaltung einer 24-Stunden-Notfallversorgung mindestens in Form einer Rufbereitschaft, einmal im Kalendervierteljahr je Patient, 230 Punkte
  • GOP 51011: Qualitätskonferenzen (Durchführung / Teilnahme), einmal im Kalendervierteljahr je Patient, 15 Punkte

Die Besonderheit dieser neuen GOP besteht darin, dass ein koordinierender Arzt die Leistungen für das gesamte ASV-Team abrechnet. Es rechnet also nicht der einzelne Arzt automatisch die Leistung ab, der die Rufbereitschaft durchgeführt beziehungsweise an der Qualitätskonferenz teilgenommen hat.

PraxisNachrichten: ASV – Vergütung von Rufbereitschaft und Qualitätskonferenzen geregelt (15.12.2016)
Themenseite ASV

Abbildung der ASV-Leistungen im EBM angepasst

Der EBM-Bereich VII für Leistungen der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) wird zum 1. April umstrukturiert: Das Kapitel 50 enthält dann nur noch indikationsspezifische Leistungen. Indikationsübergreifende Leistungen, die also bei mehreren ASV-Indikationen durchgeführt und abgerechnet werden können, sind in einem neuen Kapitel 51 zusammengefasst.

Ebenfalls neu ist der Anhang 6 zum EBM. In dieser Übersicht werden die Gebührenordnungspositionen der Kapitel 50 und 51 den Anlagen der ASV-Richtlinie und damit den einzelnen Indikationen sowie den entsprechenden Fachgruppen zugeordnet, die die jeweiligen Leistungen abrechnen können. Als zusätzlicher Service für ASV-Teams wurde die Tabelle um die Spalte „Indikationen und sonstige Anforderungen“ mit weiterführenden Hinweisen zu der jeweiligen Leistung ergänzt.

Beschlüsse zur ASV
Themenseite ASV

Entlassmanagement

Neue Regelungen bei Krankenhausentlassung

Krankenhausärzte müssen ab Juli für jeden Patienten eine Entlassplanung durchführen und bei Bedarf erste Maßnahmen zur Weiterbehandlung einleiten. Dazu gehört auch die Verordnung von Medikamenten.

Ziel ist es, eine lückenlose Anschlussversorgung zu organisieren. Dazu soll das Krankenhaus feststellen, ob und welche medizinischen oder pflegerischen Maßnahmen der Patient im Anschluss an einen stationären Aufenthalt benötigt. Die Maßnahmen sollen eingeleitet werden, wenn der Patient noch in der Klinik ist. Der weiterbehandelnde Vertragsarzt muss darüber rechtzeitig informiert werden. Im Rahmen des Entlassmanagements dürfen Krankenhäuser dann auch Arznei-, Verband- , Heil- und Hilfsmittel, häusliche Krankenpflege sowie Soziotherapie verordnen und die Arbeitsunfähigkeit feststellen – allerdings nur für einen begrenzten Zeitraum.

Die Verpflichtung der Krankenhäuser zum Entlassmanagement mit der Möglichkeit, Verordnungen auszustellen, geht zurück auf eine Vorgabe des Gesetzgebers im Versorgungsstärkungsgesetz.

Unterdessen hat die Deutsche Krankenhausgesellschaft Klage gegen die Entscheidung zum Entlassmanagement des erweiterten Bundesschiedsamtes eingereicht. In dem Schiedsspruch ist festgelegt worden, wie die Krankenhäuser künftig die Entlassung eines Patienten vorbereiten sollen. Die Klage hat zunächst keine aufschiebende Wirkung, so dass die Einführung des Entlassmanagements ab Juli bestehen bleibt.

PraxisNachrichten: Krankenhäuser müssen ab Mitte 2017 Entlasspläne erstellen (20.10.2016)

Formulare

Neue Vordrucke für Heilmittelverordnungen

Für die Verordnung von Heilmitteln gibt es seit 1. Januar neue Vordrucke. Auf den Formularen 13 (Physiotherapie und Podologie), 14 (Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie) und 18 (Ergotherapie) gibt es jetzt ein Feld für einen zweiten ICD-10-Kode. Dieser wird für die Kennzeichnung bestimmter besonderer Verordnungsbedarfe (ehem. Praxisbesonderheiten) benötigt. Die alten Formulare dürfen nicht weiter verwendet werden.

Bei einigen Diagnosen, für die ein besonderer Verordnungsbedarf besteht, ist die Angabe eines zweiten ICD-10-Kodes erforderlich, um sie im Vorfeld einer Wirtschaftlichkeitsprüfung als besonderen Verordnungsbedarf identifizieren zu können. Damit werden die verordnenden Ärzte im Falle einer Wirtschaftlichkeitsprüfung noch besser entlastet. Für den Arzt besteht keine Verpflichtung, dieses zweite ICD-10-Feld zu befüllen.

PraxisNachrichten: Neue Vordrucke für Heilmittelverordnungen jetzt bestellen (10.11.2016)

Kein Antrag mehr für Blankoformularbedruckung

Praxen, die die Blankoformularbedruckung nutzen wollen, müssen dies nicht mehr bei ihrer Kassenärztlichen Vereinigung beantragen. Entscheidend ist, dass sie eine Software verwenden, die von der KBV für dieses Verfahren zertifiziert wurde.

Bei der Blankoformularbedruckung können Praxen spezielles Sicherheitspapier mit den Inhalten der Formulare bedrucken. Dadurch müssen sie nicht von jedem Formular einen Vorrat anlegen, sondern nur eine ausreichende Menge an Sicherheitspapier vorhalten.

Die Zulassungslisten für zertifizierte Software finden Ärzte hier.

PraxisNachrichten: Weniger Bürokratie - Kein Antrag mehr für Blankoformularbedruckung (12.01.2017)

Nutzung digitaler Vordrucke wird möglich

Aufträge, Überweisungen oder Bescheinigungen elektronisch erstellen, versenden und empfangen: In diesem Jahr wird erstmals die Nutzung digitaler Vordrucke in Arztpraxen möglich.

Zu den ersten digitalen Vordrucken gehören die Laborüberweisung auf Muster 10 und die Anforderung von Laboruntersuchungen bei Laborgemeinschaften auf Muster 10A; beide sollen ab Juli bereitstehen. Für Vertragsärzte ist die Anwendung freiwillig. Sie können weiterhin auch konventionelle Vordrucke sowie die Blankoformularbedruckung nutzen.

Bereits zum 1. April kommt der digitale Überweisungsschein (Muster 6), jedoch ausschließlich um ein radiologisches Telekonsil zu beauftragen. Das Telekonsil wird dann als neue Leistung eingeführt, die Beauftragung erfolgt ausschließlich in digitaler Form. Grund hierfür ist, dass auch die Röntgenbilder elektronisch übermittelt werden.

Näheres zur Nutzung der drei digitalen Vordrucke haben KBV und GKV-Spitzenverband vereinbart. Perspektivisch können weitere Vordrucke hinzukommen.

Hinweis: Über weitere Details zu den digitalen Vordrucken berichten die PraxisNachrichten in einer der nächsten Ausgaben.

PraxisNachrichten: Nutzung digitaler Vordrucke wird möglich (12.01.2017)

Früherkennung

Erweitertes Früherkennungsprogramm für Kinder gestartet

Das Früherkennungsprogramm für Kinder wurde erweitert. Kinder- und Jugendärzte sollen bei den Untersuchungen U2 bis U9 jetzt noch intensiver auf psychische und soziale Aspekte achten. Es geht darum, Verhaltensauffälligkeiten und Risikofaktoren für psychische Erkrankungen früh zu erkennen und den Eltern entsprechende Hilfen anzubieten. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat dazu die Kinder-Richtlinie neu gefasst.

Neu sind unter anderen auch primärpräventive Beratungen, bei denen die Ärzte die Eltern zu verschiedenen entwicklungsbezogenen Themen wie Ernährung, Bewegung und Medienkonsum informieren, noch bevor Probleme aufgetreten sind. Für Neugeborene wurde zudem ein Screening auf Mukoviszidose eingeführt. Angepasst wurde auch das Gelbe Heft.

Die Teilnahme an den Früherkennungsuntersuchungen kann seit Jahresbeginn auf einer herausnehmbaren Teilnahmekarte dokumentiert werden. Eltern müssen damit bei Nachfragen beispielsweise von Behörden nicht mehr das gesamte Heft vorlegen.

Aufgrund der zusätzlichen Leistungen haben KBV und GKV-Spitzenverband die Vergütung neu geregelt. So erhalten Ärzte für jede der Untersuchungen U2 bis U9 (inklusive U7a) seit 1. Januar etwa 42 Euro, damit fast zehn Euro mehr als zuvor. Zudem wurden in den EBM Gebührenordnungspositionen für das Screening auf Mukoviszidose aufgenommen beziehungsweise geändert.

Zukünftig ist auch das Pulsoxymetrie-Screening auf kritische angeborene Herzfehler bei Neugeborenen Teil des Kinder-Früherkennungsprogramms. Der entsprechende Beschluss des G-BA wird derzeit noch vom Bundesministerium für Gesundheit geprüft und tritt nach der Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft. Die Vergütung ist noch zu verhandeln.

PraxisNachrichten: Erweitertes Kinder-Früherkennungsprogramm kann ab Januar starten (15.12.2016)
PraxisNachrichten: Neue Kinder-Richtlinie tritt zum 1. September in Kraft (25.08.2016)

Anspruch auf neuen Stuhltest iFOBT

Das neue Testverfahren zur Früherkennung von Darmkrebs wird ab 1. April eine Kassenleistung. Die Untersuchung auf nicht sichtbares Blut im Stuhl erfolgt dann mit einem quantitativen immunologischen Test (iFOBT) und löst den bislang verwendeten Guajak-basierten Test ab.

Derzeit beraten KBV und GKV-Spitzenverband über die notwendigen Anpassungen des EBM und werden voraussichtlich rechtzeitig zum 1. April eine Vereinbarung treffen.

Die Krebsfrüherkennungs-Richtlinie ist entsprechend geändert worden. Anspruch auf die Untersuchung haben wie bisher Versicherte ab einem Alter von 50 Jahren.

Stuhltest iFOBT ab 1. April: Anforderungen und Vergütung stehen fest (09.03.2017)
PraxisNachrichten: Leistungsanspruch auf Stuhltest iFOBT spätestens ab 1. April 2017 (30.06.2016)
PraxisNachrichten: Neuer Test soll Früherkennung von Darmkrebs verbessern (12.05.2016)

Früherkennung von Bauchaortenaneurysmen wird Kassenleistung

Zur Früherkennung von Bauchaortenaneurysmen haben gesetzlich krankenversicherte Männer ab 65 Jahren bald Anspruch auf ein Ultraschallscreening. Der Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses tritt voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2017 in Kraft, wenn die begleitende Versicherteninformation vorliegt.

Diese Versicherteninformation soll die ärztliche Beratung zum Screening unterstützen. Das Screening soll bevorzugt im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung „Check-up 35“ einmalig erfolgen. Alle Ärzte, die eine Genehmigung zur Ultraschalluntersuchung des Bauches (Anwendungsbereich 7.1 der Ultraschallvereinbarung) haben, dürfen die Leistung durchführen. Eine Evaluation der neuen Vorsorge ist drei Jahre nach Inkrafttreten vorgesehen.

PraxisNachrichten: Früherkennung von Bauchaortenaneurysmen wird Kassenleistung (27.10.2016)

Medizinischer Dienst

Übermittlung von Befunden an MDK neu geregelt

Vertragsärzte senden Unterlagen für gutachterliche Stellungnahmen seit Jahresbeginn direkt an den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK). Für die Übermittlung der Befunde erhalten sie von der Krankenkasse des Versicherten einen bereits vollständig ausgefüllten Weiterleitungsbogen (Muster 86). Dieser enthält unter anderen die Anschrift des MDK, eine Vorgangsnummer und die Daten des Patienten. Er soll die korrekte Zuordnung der Befunde sicherstellen.

Vertragsärzte fügen dem Weiterleitungsbogen lediglich die angeforderten Unterlagen in Kopie bei und schicken diese direkt an den MDK – nicht mehr wie bisher in einem separaten Umschlag an die Krankenkasse. Für den Versand stellen die Krankenkassen den Ärzten weiterhin einen Freiumschlag zur Verfügung – ab 1. April 2017 verbindlich im Format C5. Das Problem, dass die Umschläge mitunter zu klein sind, ist damit behoben.

Datenschützer hatten das alte Verfahren als zu unsicher kritisiert, was schließlich zu der Änderung geführt hat.

PraxisNachrichten: Übermittlung von Befunden an MDK ab 2017 neu geregelt (22.12.2016)

Psychotherapie

Reform der Psychotherapie-Richtlinie

Das ambulante psychotherapeutische Behandlungsangebot wird ab 1. April erweitert und flexibler gestaltet. Ziel ist es, vorhandene Angebote zu bündeln und Menschen mit psychischen Störungen einen zeitnahen Zugang zum Psychotherapeuten zu ermöglichen. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat dazu die Psychotherapie-Richtlinie neu gefasst.

Zu den Neuerungen gehört die Psychotherapeutische Sprechstunde, bei der der Therapeut abklärt, ob und wie eine Weiterbehandlung erfolgen soll. Neu ist ferner die Akutbehandlung. Sie soll eine schnelle Intervention ohne Antrags- und Genehmigungsverfahren ermöglichen. Darüber hinaus werden bei der Kurz- und Langzeittherapie die Sitzungskontingente sowie das Bewilligungsverfahren angepasst. Gruppentherapien sind künftig auch ab drei Teilnehmern erlaubt.

Aufgrund der neuen Richtlinie müssen jetzt noch die Psychotherapie-Vereinbarung angepasst sowie die Vergütung der neuen Leistungen festgelegt werden.

PraxisNachrichten: Psychotherapeutische Sprechstunden sind künftig Pflicht (15.12.2016)
Themenseite zu den Neuerungen in der Psychotherapie

Vermittlung von Terminen beim Psychotherapeuten

Mit Inkrafttreten der neuen Psychotherapie-Richtlinie am 1. April müssen die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen Patienten auch Termine für ein Erstgespräch im Rahmen der Psychotherapeutischen Sprechstunden vermitteln. Insgesamt soll so der Zugang zur psychotherapeutischen Versorgung schneller und einfacher erfolgen.

Als der Gesetzgeber mit dem Versorgungsstärkungsgesetz die Terminservicestellen für Facharzttermine eingeführt hat, hat er gleichzeitig einen Passus zur Vermittlung von Terminen bei Psychotherapeuten aufgenommen (Paragraf 75 Absatz 1a SGB V). Danach sollen die Stellen Termine für ein Erstgespräch und eine sich aus der Abklärung ergebenden zeitnah erforderlichen Behandlung bei einem Psychotherapeuten vermitteln, sobald die neue Richtlinie in Kraft ist.

Themenseite Psychotherapie
Themenseite Terminservicestellen

Psychologische Psychotherapeuten dürfen verordnen

Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten dürfen künftig Krankenhausbehandlungen, Leistungen zur psychotherapeutischen Rehabilitation, Krankentransporte und Soziotherapie verordnen.

Diese Vorgabe hat der Gesetzgeber im Sommer 2015 mit dem Versorgungsstärkungsgesetz gemacht (Paragraf 73 Absatz 2 SGB V). Dazu passt der Gemeinsame Bundesausschuss derzeit insgesamt vier Richtlinien an. Sie sollen spätestens im Sommer in Kraft treten.

Themenseite Psychotherapie

Qualitätssicherung

sQS: Verfahren zur Vermeidung nosokominaler Infektionen startet

Mit einem neuen Verfahren zur sektorenübergreifenden Qualitätssicherung (sQS) sollen Wundinfektionen nach einer Operation vermieden werden. Nach „Perkutane Koronarintervention (PCI) und Koronarangiographie“ liegt mit „Vermeidung nosokomialer Infektionen: Postoperative Wundinfektionen“ bereits das zweite sQS-Verfahren vor.

Seit Jahresbeginn werden im Krankenhaus postoperative Wundinfektionen erfasst, die zu einer stationären Aufnahme geführt haben. Diese Daten werden mit Sozialdaten, die bei den Krankenkassen vorliegen, verknüpft. Damit ist es möglich, einen Bezug zwischen der stationär behandlungsbedürftigen postoperativen Wundinfektion und dem initialen Eingriff (ambulant oder stationär) herzustellen. Auch ohne dass im vertragsärztlichen Bereich eine QS-Dokumentation stattfindet, können damit also Rückschlüsse auf die Behandlung gezogen werden.

Als weitere Maßnahme zur Qualitätssicherung ist ab 2018 eine jährliche Einrichtungsbefragung zum Hygiene- und Infektionsmanagement im stationären und im ambulanten Bereich vorgesehen. Die Dokumentationspflicht beginnt erstmalig im ersten Quartal 2018 und bezieht sich auf das einrichtungsbezogene Hygiene- und Infektionsmanagement des Jahres 2017. Vertragsärzte beziehungsweise Betriebsstätten, für die ab 2018 die Dokumentationspflicht startet, werden von ihrer Kassenärztlichen Vereinigung zeitnah angeschrieben.

Hinweis: Die PraxisNachrichten werden detailliert in einer der nächsten Ausgaben über die Neuerungen berichten.

sQS: Fristverlängerung beim Verfahren PCI

Für das Verfahren zur sektorenübergreifenden Qualitätssicherung (sQS) „Perkutane Koronarintervention (PCI) und Koronarangiographie“ hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) die Sanktionsfreiheit bei fehlenden Datensätzen bei der Dokumentation um ein Jahr verlängert. Damit werden in den Erfassungsjahren 2016 und 2017 keine Vergütungsabschläge erhoben, wenn Datensätze fehlen.

Seit dem 1. Oktober 2016 steht die Vergütung des Mehraufwandes fest, der dem Arzt durch das sQS-Verfahren entsteht. Hierbei wurde der obligate Leistungsinhalt der Gebührenordnungsposition 34291 (Herzkatheteruntersuchung mit Koronarangiographie) um die Maßnahmen der Qualitätssicherung sowie um ein Aufklärungsgespräch erweitert und die Bewertung um 92 Punkte angehoben.

Da die Sanktionsfreiheit für fehlende Datensätze innerhalb der G-BA-Richtlinie verlängert wurde, ist parallel auch für die GOP 34291 eine entsprechende Übergangsfrist in den EBM aufgenommen worden. Diese GOP ist bis zum 30. Juni 2017 auch bei fehlender Qualitätssicherung und fehlendem Aufklärungsgespräch zum alten Punktwert berechnungsfähig. Die Kassenärztlichen Vereinigungen nehmen in diesem Fall einen Abschlag von 92 Punkten (bezogen auf die höher bewertete GOP) vor.

Ab 1. Juli 2017 ist die sektorenübergreifende Qualitätssicherung eine Voraussetzung für die Berechnung der GOP 34291.

PraxisNachrichten: Neue EBM-Regelung: Kardiologen erhalten Dokumentation vergütet (18.08.2016)

Beschluss des G-BA

Freiburger Einsilbertest zur Hörüberprüfung künftig auch mit Störgeräuschen

Der Erfolg einer Hörgeräteversorgung wird künftig auch durch den Freiburger Einsilbertest mit Störgeräuschen überprüft. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beschlossen und die Hilfsmittel-Richtlinie entsprechend geändert.

Der Freiburger Einsilbertest stellt im deutschen Sprachraum die am häufigsten verwendete Hörprüfung mit Sprache dar. Bisher war er nur „in Ruhe“ vorgesehen, also ohne Störgeräusche. Der Test ist aus Expertensicht aber auch mit Störgeräuschen genauso geeignet, den Erfolg einer Hörgeräteversorgung zu überprüfen, wie andere Testverfahren, die bereits mit Störgeräuschen durchgeführt werden.

Der Beschluss des G-BA wird zunächst durch das Bundesgesundheitsministerium geprüft. Wird er nicht beanstandet, kann er nach Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft treten.

PraxisNachrichten: Freiburger Einsilbertest zur Hörüberprüfung künftig auch mit Störgeräuschen (01.12.2016)

Verordnungen

Erleichterungen bei Heilmittelverordnungen

Bei der Verordnung von Heilmitteln gibt es seit Jahresbeginn einige Neuerungen. Sie betreffen den langfristigen Heilmittelbedarf sowie den besonderen Versorgungsbedarf (ehemals Praxisbesonderheiten). Zudem wurde die Diagnoseliste erweitert, was Vertragsärzte im Falle von Wirtschaftlichkeitsprüfungen entlastet.

Das sind die Neuerungen in Kürze:

  • Eine Genehmigung des langfristigen Heilmittelbedarfs durch die Krankenkasse des Versicherten ist generell nicht mehr erforderlich, wenn die Erkrankung auf der Diagnoseliste steht.
  • Für die Beantragung und Genehmigung einer individuellen langfristigen Heilmittelversorgung bei nicht gelisteten Erkrankungen gibt es zukünftig klare Regeln.
  • Was bisher als „Praxisbesonderheit“ bezeichnet wurde, heißt jetzt „besonderer Verordnungsbedarf“.
  • Zur Kennzeichnung bestimmter besonderer Verordnungsbedarfe gibt es auf den Verordnungsformularen 13, 14 und 18 ein zweites ICD-10-Feld.
  • Die Diagnoseliste für den langfristigen Heilmittelbedarf und für den besonderen Verordnungsbedarf wurde um weitere Erkrankungen ergänzt.

PraxisNachrichten: Neue Vordrucke für Heilmittelverordnungen jetzt bestellen (10.11.2016)
Themenseite Heilmittel

Heilmittelverordnung mit zertifizierter Software

Ob Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie: Wer zur Verordnung von Heilmitteln sein Praxisverwaltungssystem nutzt, muss spätestens ab April eine zertifizierte Software verwenden. Damit soll sichergestellt werden, dass alle verwendeten Softwareprodukte sämtliche Informationen enthalten, die Ärzte für eine korrekte Verordnung benötigen.

Seit 1. Januar ist gesetzlich vorgeschrieben, dass Vertragsärzte für die Verordnung von Heilmitteln nur noch zertifizierte Software einsetzen. Da zum Jahresende noch nicht alle Produkte zertifiziert waren, haben KBV und GKV-Spitzenverband eine Übergangsregelung vereinbart. Danach dürfen Vertragsärzte im ersten Quartal 2017 – längstens bis zum 31. März – auch eine nicht zertifizierte Praxisverwaltungssoftware für die Verordnung von Heilmitteln nutzen. Die Vorgabe zur Einhaltung der Heilmittel-Richtlinie und der Vordruckvereinbarungen bleibt davon unberührt.

Ob ein Softwareprodukt für die Heilmittelverordnung zertifiziert ist, können Ärzte über die Zulassungslisten für Praxisverwaltungssysteme erfahren, die die KBV führt.

PraxisNachrichten: Ärzte dürfen übergangsweise auch nicht zertifizierte Software nutzen (22.12.2016)
PraxisNachrichten: Heilmittelverordnung ab Januar mit zertifizierter Software (17.11.2016)

Bundeseinheitlicher Medikationsplan ab April verbindlich

Der bundeseinheitliche Medikationsplan ist ab April für alle Vertragsärzte verbindlich. Die einheitliche Gestaltung des Plans soll Ärzten und Patienten die Handhabung erleichtern. Anspruch auf den Plan haben seit 1. Oktober 2016 Patienten, die mindestens drei auf Kassenrezept verordnete, systemisch wirkende Medikamente gleichzeitig einnehmen oder anwenden. Die Anwendung der Medikamente muss dauerhaft – über einen Zeitraum von mindestens 28 Tagen – vorgesehen sein.

Die Softwarehäuser wurden aufgefordert, die Verordnungssoftware um den bundeseinheitlichen Medikationsplan zu ergänzen. Bis zum 31. März können Ärzte übergangsweise auch noch andere Pläne nutzen, falls ihre Verordnungssoftware noch keine Funktionen zur Erstellung des bundeseinheitlichen Medikationsplans erhält.

Die Einführung eines bundeseinheitlichen Medikationsplans hatte der Bundestag mit dem E-Health-Gesetz beschlossen. Ziel ist es, Patienten bei der richtigen Einnahme ihrer Medikamente zu unterstützen. Die Vergütung für Ärzte erfolgt extrabudgetär und somit zu festen Preisen.

PraxisNachrichten: Medikationsplan – Patientenflyer soll Ärzte unterstützen (27.10.2016)

Krankenfahrten bei Pflegegrad 3, 4 oder 5

Die zu Jahresbeginn erfolgte Umstellung von Pflegestufen auf Pflegegrade hat auch Auswirkungen auf die Verordnung von Krankenfahrten. Seit 1. Januar muss der Pflegebescheid den Pflegegrad 3, 4 oder 5 ausweisen (bis 31.12.: Pflegestufe 2 oder 3), damit eine Fahrt zur ambulanten Behandlung verordnet und genehmigt werden kann. Zudem muss eine dauerhafte Einschränkung der Mobilität vorliegen.

Bis eine Anpassung des Formulars 4 „Verordnung einer Krankenfahrt“ erfolgt ist, kreuzen Ärzte vorerst weiterhin das Feld „Pflegestufe 2 bzw. 3 vorgelegt“ an, wenn sie Krankenfahrten für Patienten mit Pflegegrad 3, 4 oder 5 verordnen und eine dauerhafte Mobilitätseinschränkung vorliegt.

Hinweis: Die Fahrten müssen weiterhin von der Krankenkasse des Patienten genehmigt werden.

PraxisNachrichten: Verordnung von Krankenfahrten für Patienten mit Pflegegrad (22.12.2016)

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