Logo-KBV

KBV Hauptnavigationen:

Sie befinden sich:

 

Praxisnachrichten

Arztinformationssystem darf Patientenversorgung nicht einschränken

09.02.2017 - Die geplanten Informationen zur Nutzenbewertung neuer Arzneimittel im Praxisverwaltungssystem dürfen die Verordnungsmöglichkeiten des Arztes weder einschränken noch zusätzliche Kosten verursachen. Daran appelliert die KBV in einem Brief an Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe.

Aus Sicht der KBV müssen die Informationen wirkstoffbezogen und kompakt dargestellt werden. Für den Arzt muss schnell erkennbar sein, ob das bewertete Arzneimittel einen Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie hat. „Die Darstellung von Wirtschaftlichkeitshinweisen lehnen wir ab, da diese faktisch Verordnungsausschlüssen gleichkämen“, schreibt KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen.

Keine Verschärfung des Regressrisikos durch Kodierung von Subgruppen

Für in keiner Weise der medizinisch-therapeutischen Realität entsprechend und zudem bürokratisch hält Gassen den Vorschlag des GKV-Spitzenverbands, dass Ärzte auf dem Rezept dokumentieren sollen, welcher Subgruppe und damit Zusatznutzenkategorie ein Patient zuzuordnen ist. Beschlüsse des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) mit mehr als fünf oder sogar zehn und mehr Subgruppen sind keine Seltenheit. Eine vorgeschriebene Kodierung konterkariere daher das Ziel, innovative Wirkstoffe möglichst schnell sowie sach- und leitliniengerecht in der Versorgung zu etablieren.

Außerdem würde dadurch das Regressrisiko steigen. Bereits heute stellten einige Krankenkassen Regressanträge, wenn Ärzte neue Arzneimittel für Patienten verordnen, die einer Subgruppe angehören, für die der G-BA keinen Zusatznutzen festgestellt hat, betont Gassen. Die Informationen aus der frühen Nutzenbewertung könnten daher allein dem Zweck einer zusätzlichen Information für Ärzte dienen.

Mehr Informationen, aber nicht mehr Kosten

Der KBV-Chef hat Sorge, dass für Ärzte durch die Umsetzung des Arztinformationssystems im Praxisverwaltungssystem (PVS) finanzielle Mehrbelastungen entstehen. Schon die Einführung des bundeseinheitlichen Medikationsplans – auch eine gesetzliche Vorgabe – hat zu deutlich höheren Kosten für Ärzte geführt. Deshalb schlägt die KBV eine Kostenübernahme durch die GKV vor; analog der Regelung im Rahmen der Telematikinfrastruktur.

In diesem Zusammenhang fordert Gassen einen gesetzlichen Rahmen zur Schaffung von Schnittstellen, um Ärzten den Wechsel zwischen Arzneimitteldatenbanken unterschiedlicher Anbieter zu erleichtern. „Ein Arzt, der eine andere Arzneimitteldatenbank nutzen möchte, kann dies derzeit nur durch einen teuren und aufwändigen Wechsel der gesamten Praxissoftware erreichen, der außerdem oftmals mit Datenverlusten einhergeht.“

Eine weitere Möglichkeit wäre, der KBV zu erlauben, PVS selbst zu entwickeln. „Damit könnte nicht nachvollziehbaren Kostenforderungen durch Softwareanbieter sachgerecht begegnet werden“, argumentiert Gassen.

Rechtsverordnung soll Details regeln

Das Arztinformationssystem geht auf das Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetz zurück, das darauf abzielt, Ärzte direkt im PVS über die Ergebnisse der Nutzenbewertung neuer Arzneimittel zu informieren. Wie das genau geschehen soll, wird in einer noch ausstehenden Rechtsverordnung geregelt.

KBV informiert Ärzte schon seit langem

Seit Beginn der frühen Nutzenbewertung am 1. Januar 2011 stellt die KBV die Ergebnisse auf ihrer Webseite dar. Auf einen Blick ist erkennbar, ob das bewertete Arzneimittel besser ist als der Therapiestandard und welche Patientengruppen gegebenenfalls besonders von ihm profitieren.

Frühe Nutzenbewertung – Wirkstoffverzeichnis

Mehr zum Thema

zu den PraxisNachrichten