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Praxisnachrichten

Ernährungstherapie bei Stoffwechselerkrankungen ab 2018 verordnungsfähig

16.03.2017 - Ab nächstem Jahr können spezialisierte Ärzte eine ambulante Ernährungstherapie für Patienten mit einer seltenen angeborenen Stoffwechselerkrankung oder Mukoviszidose als Heilmittel verordnen. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat heute die Heilmittel-Richtlinie angepasst.

Mit der Aufnahme der Ernährungstherapie in den Heilmittelkatalog dürfen insbesondere Diätassistenten, Oecotrophologen und Ernährungswissenschaftler die Behandlung künftig zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung durchführen, wenn sie dafür von den Krankenkassen zugelassen sind. Bislang erfolgt die Therapie vor allem in spezialisierten Zentren.

Ein Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) vom Januar 2015, die Leistung nicht in die Heilmittel-Richtlinie aufzunehmen, wurde vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) beanstandet – jetzt hat der G-BA nachgebessert.

Etwa 23.000 Patienten betroffen

Von der neuen Regelung profitieren Patienten, die an einer seltenen angeborenen Stoffwechselerkrankung wie Phenylketonurie, Harnstoffzyklusdefekte, Formen der Glykogenose oder an einer Mukoviszidose leiden. Dabei muss die Ernährungstherapie bei seltenen angeborenen Stoffwechselerkrankungen als alternativlose medizinische Maßnahme gelten, ohne die Tod oder schwere Behinderung drohen. In Deutschland betrifft dies nach Schätzungen des G-BA insgesamt etwa 23.000 Patienten. Ihnen dürfen spezialisierte Ärzte künftig eine Ernährungstherapie verordnen.

Die Ernährungstherapie ist Teil des ärztlichen Behandlungsplans und umfasst insbesondere die Beratung zur Auswahl und Zubereitung natürlicher Nahrungsmittel. In Absprache mit dem Vertragsarzt erstellt der Ernährungstherapeut krankheitsspezifische Diäten und Ernährungspläne. Ziele sind eine verbesserte Lebenserwartung, eine altersgemäße, körperliche und geistige Entwicklung und die Verhütung von Krankheitsfolgen beziehungsweise die Vermeidung von Komplikationen.

Diese Ärzte dürfen verordnen

Die Verordnung erfolgt grundsätzlich durch einen Vertragsarzt, der auf die Behandlung von seltenen angeborenen Stoffwechselerkrankungen spezialisiert ist. Das ist in der Regel derjenige Arzt, der die krankheitsspezifische Behandlung schwerpunktmäßig durchführt. Der G-BA listet keine konkreten Fachgruppen auf.

Nur in Ausnahmefällen kann eine Folgeverordnung auch von nicht-spezialisierten Vertragsärzten in Abstimmung mit dem „Spezialisten“ ausgestellt werden.

Das BMG hat jetzt zwei Monate Zeit, den Beschluss des G-BA zu prüfen. Bei einer Nichtbeanstandung können die Änderungen zum 1. Januar 2018 in Kraft treten.

Heilmittel Ernährungstherapie: Details

Welcher Patient bekommt Ernährungstherapie?

Ernährungstherapie ist nur für Patienten mit seltenen angeborenen Stoffwechselerkrankungen verordnungsfähig, wenn sie als alternativlose Behandlung gilt, da ansonsten Tod oder Behinderung drohen, und für Patienten mit Mukoviszidose.

Was ist Ernährungstherapie?

Die Ernährungstherapie ist Teil des ärztlichen Behandlungsplans und umfasst insbesondere die Beratung zur Auswahl und Zubereitung natürlicher Nahrungsmittel. Die Therapie ist an den Patienten ebenso wie an die relevanten Bezugspersonen adressiert.

In Rücksprache mit dem Vertragsarzt erstellt der Ernährungstherapeut krankheitsspezifische Diäten und Ernährungspläne. Ziele sind eine verbesserte Lebenserwartung, eine altersgemäße, körperliche und geistige Entwicklung und die Verhütung von Krankheitsfolgen beziehungsweise die Vermeidung von Komplikationen.

Wer kann verordnen?

Die Verordnung erfolgt grundsätzlich durch einen Vertragsarzt, der auf die Behandlung von seltenen angeborenen Stoffwechselerkrankungen oder Mukoviszidose spezialisiert ist. Das ist in der Regel derjenige Arzt, der die krankheitsspezifische Behandlung schwerpunktmäßig durchführt.

Nur in Ausnahmefällen kann eine Folgeverordnung auch von nicht-spezialisierten Vertragsärzten in Abstimmung mit dem „Spezialisten“ ausgestellt werden (z.B. wenn ein Patient allein wegen einer Folgeverordnung ein „Zentrum“ aufsuchen müsste).

Wie wird verordnet?

Die Ernährungstherapie wird in der Regel als Einzeltherapie verordnet, ist aber auch als Gruppentherapie möglich. Verordnet werden Behandlungseinheiten à 30 Minuten. Es können auch mehrere Einheiten pro Tag verordnet werden. Ähnlich wie bei der Verordnung der podologischen Therapie enthält der Heilmittelkatalog keine Gesamtverordnungsmenge.

Wer führt die Ernährungstherapie durch?

Der GKV-Spitzenverband lässt insbesondere Diätassistenten, Oecotrophologen und Ernährungswissenschaftler mit speziellen Kenntnissen und einer mindestens zweijährigen Berufserfahrung zu. Es gelten spezifische Qualifikationsanforderungen, die je Indikationsbereich in die Behandlung von seltenen angeborenen Stoffwechselerkrankungen oder Mukoviszidose unterschieden werden.

Wie arbeiten Ernährungstherapeut und Arzt zusammen?

Aufgrund der Komplexität der Erkrankungen bedarf es zur Gewährleistung der Patientensicherheit und Behandlungsqualität eines kontinuierlichen Informationsaustausches und einer engen Zusammenarbeit zwischen dem verordnenden Arzt und dem Therapeuten.

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