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Künftig dürfen auch Psychotherapeuten verordnen

16.03.2017 - Auch Vertragspsychotherapeuten dürfen demnächst Leistungen zur Soziotherapie, Rehabilitation und Krankenhausbehandlung sowie Krankentransporte verordnen. Das hat heute der Gemeinsame Bundesausschuss beschlossen.

Dabei gelten für Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten grundsätzlich dieselben Vorgaben wie für Vertragsärzte. Sie verwenden beispielsweise die gleichen Verordnungsformulare. Daneben gibt es einige Unterschiede. Sie betreffen vor allem das Indikationsspektrum.

Gesetzliche Vorgabe umgesetzt

Mit seinen Beschlüssen hat der Gemeinsame Bundesauschuss (G-BA) eine Vorgabe des GKV-Versorgungsstärkungsgesetzes umgesetzt. Diese sieht vor, dass Psychotherapeuten Leistungen der Soziotherapie, psychotherapeutischen Rehabilitation, Krankenhausbehandlung sowie Krankentransporte verordnen können. Der G-BA war beauftragt worden, die näheren Verordnungsvoraussetzungen zu konkretisieren und die entsprechenden Richtlinien anzupassen.

Verordnung von psychotherapeutischer Rehabilitation

Vertragspsychotherapeuten dürfen demnach künftig Leistungen zur psychotherapeutischen Rehabilitation verordnen. Darunter sind Leistungen der psychosomatischen Rehabilitation als auch der psychiatrischen Rehabilitation (Rehabilitationsleistungen für psychisch Kranke/RPK) zu verstehen.

Die Verordnung ist zulässig für Diagnosen, bei denen gemäß der Psychotherapie-Richtlinie eine Psychotherapie sowie eine neuropsychologische Therapie möglich sind. Für die übrigen Indikationen aus dem Kapitel V „Psychische und Verhaltensstörungen“ des ICD-10-GM muss eine Abstimmung mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Ferner müssen die Psychotherapeuten ärztliche Informationen heranziehen, um eine Verordnung ausstellen zu können. Sie müssen beispielsweise abklären, ob weitere rehabilitationsrelevante Diagnosen vorliegen, ob es Risikofaktoren gibt und welche ärztlichen Maßnahmen bislang erfolgt sind.

Verordnung von Soziotherapie

Für die Verordnung von Soziotherapie gelten die gleichen Vorgaben wie für die verordnungsberechtigten Fachärzte. Dies bezieht sich auch auf den Indikationsbereich, der generell auf schwerwiegende psychische Erkrankungen beschränkt ist.

Mithilfe der Soziotherapie werden Patienten unterstützt, selbstständig ambulante Therapieangebote in Anspruch zu nehmen, um so Krankenhauseinweisungen zu vermeiden. Der G-BA stellte hierzu klar, dass zu den Therapieangeboten nicht nur ärztliche, sondern auch psychotherapeutische Leistungen gehören.

Krankenhauseinweisungen nur bei psychischen Erkrankungen

Psychotherapeuten dürfen künftig Krankenauseinweisungen veranlassen. Hierbei gelten für die Indikationsbereiche und den Abstimmungsbedarf mit dem Arzt die gleichen Regelungen wie bei der Rehabilitation.

Die Verordnung ist zulässig für Diagnosen, bei denen gemäß der Psychotherapie-Richtlinie eine Psychotherapie sowie eine neuropsychologische Therapie möglich sind. Für die übrigen Indikationen aus dem Kapitel V „Psychische und Verhaltensstörungen“ der ICD-10-GM muss eine Abstimmung mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Auch Psychotherapeuten müssen den Grundsatz „ambulant vor stationär“ beachten. Der G-BA hat die Vertragspsychotherapeuten verpflichtet, sämtliche in der Krankenhauseinweisungs-Richtlinie aufgeführten ambulanten Behandlungsmöglichkeiten vor einer Krankenhauseinweisung zu prüfen. Die KBV hatte dies aus mehreren Gründen abgelehnt. So hätte der überwiegende Teil der genannten Behandlungsalternativen keine Relevanz für Vertragspsychotherapeuten.

Verordnung von Krankentransporten

Vertragspsychotherapeuten erhalten außerdem ein grundlegendes Recht zur Verordnung von Krankenfahrten, Krankentransporten und Rettungsfahrten. Die verordneten Fahrten müssen im Zusammenhang mit einer psychotherapeutischen Leistung der Krankenkasse zwingend notwendig sein.

Beschluss noch nicht in Kraft

Die Beschlüsse werden dem Bundesministerium für Gesundheit zur Prüfung übermittelt. Die Änderungen treten erst nach ihrer Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft. Erst dann dürfen Vertragspsychotherapeuten in ihrer Praxis Verordnungen für die genannten Leistungen ausstellen.

Zudem muss der Bewertungsausschuss eine Vergütungsregelung beschließen, denn die Verordnung von Leistungen der Reha und Soziotherapie werden honoriert.

Verordnungen durch Psychotherapeuten: Details

Leistungen der Rehabilitation

Vertragspsychotherapeuten dürfen nicht jede Reha-Leistung verordnen, sondern speziell Leistungen zur psychotherapeutischen Rehabilitation. Darunter sind Leistungen der psychosomatischen Reha als auch der psychiatrischen Reha (Rehabilitationsleistungen für psychisch Kranke/RPK) zu verstehen.

Eingeschränktes Indikationsspektrum

Auch das Indikationsspektrum ist eingeschränkt: Psychotherapeuten dürfen eine psychotherapeutische Reha nur Patienten verordnen, die an einer psychischen Erkrankung oder einer Verhaltensstörung leiden.

Abstimmung mit Ärzten

Bei Indikationen nach § 26 der Psychotherapie-Richtlinie (z.B. depressive Episoden, Angststörungen oder nichtorganische Schlafstörungen) als auch bei Indikationen der neuropsychologischen Therapie (z.B. organisches amnestisches Syndrom oder organische emotional labile (asthenische) Störung) ist keine gesonderte Abstimmung nötig.

Für alle übrigen Indikationen in Kapitel V „Psychische und Verhaltensstörungen“ der ICD-10-GM muss eine Abstimmung mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Unabhängig davon muss der Vertragspsychotherapeut bei allen Indikationen prüfen, ob somatische Ursachen bestehen, die vor der Reha-Verordnung ärztlich abzuklären sind.

Ärztliche Angaben heranziehen

Vertragspsychotherapeuten müssen vertragsärztliche Angaben heranziehen, bevor sie eine Reha verordnen. Sie müssen beispielsweise abklären, ob beim Arzt weitere rehabilitationsrelevante Diagnosen vorliegen, ob es Risikofaktoren gibt und welche Arzneimittel der Arzt verschrieben hat.

Diese Angaben sind erforderlich für die Entscheidung der Krankenkasse zur Genehmigung der Leistung zur medizinischen Reha und helfen, Rückfragen zu vermeiden. Sofern die Informationen noch nicht vorliegen, müssen Vertragspsychotherapeuten die entsprechenden Befunde einholen und sie auf dem Verordnungsformular (Muster 61) angeben.

Soziotherapie

Für die Verordnung von Soziotherapie gelten die gleichen Vorgaben wie für die verordnungsberechtigten Fachärzte. Dies bezieht sich auch auf den Indikationsbereich, denn Soziotherapie kann auch von Ärzten nur für ein eingeschränktes Indiktionsspektrum verordnet werden.

Indikationen

Die Regelversorgung mit Soziotherapie richtet sich an Patienten mit schwerwiegenden psychischen Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis und der Gruppe der affektiven Störungen mit psychotischen Symptomen, die in ihren Fähigkeiten und Funktionen maßgeblich beeinträchtigt sind. In begründeten Einzelfällen kann sie für alle Erkrankungen des ICD-10-Kapitels für Psychische und Verhaltensstörungen (F00 bis F99) verordnet werden, wenn die Fähigkeitsstörung stark eingeschränkt ist und weitere Co-Morbiditäten vorliegen.

Patienten werden mithilfe der Soziotherapie unterstützt, selbstständig ambulante Therapieangebote in Anspruch zu nehmen, um so Krankenhauseinweisungen zu vermeiden. Der G-BA stellte hierzu klar, dass zu den Therapieangeboten nicht nur ärztliche, sondern auch psychotherapeutische Leistungen gehören.

Krankenhauseinweisungen

Psychotherapeuten dürfen künftig auch Krankenauseinweisungen veranlassen, allerdings nur wegen psychischen Erkrankungen oder Verhaltensstörungen. Wie bei Reha-Leistungen gilt auch hier, dass die Verordnung nur in bestimmten Fällen ohne gesonderte Abstimmung mit dem Arzt erfolgen darf. Unabhängig davon muss der Psychotherapeut bei allen Indikationen prüfen, ob zunächst somatische Ursachen ärztlich abzuklären sind.

Auch Psychotherapeuten müssen den Grundsatz „ambulant vor stationär“ beachten. Der G-BA hat die Vertragspsychotherapeuten verpflichtet, sämtliche in der Krankenhauseinweisungs-Richtlinie aufgezählten ambulanten Behandlungsmöglichkeiten vor einer Krankenhauseinweisung zu prüfen.

Aus Sicht der KBV können Vertragspsychotherapeuten ebenso wie Vertragsärzte die Angebote nicht vollumfänglich kennen. Eine Prüfung der Liste ist mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden. Darüber hinaus hat der überwiegende Teil der in der Richtlinie genannten Behandlungsalternativen keine Relevanz für Vertragspsychotherapeuten. Die KBV hatte sich daher gegen eine Prüfung der aufgezählten ambulanten Behandlungsmöglichkeiten ausgesprochen, konnte sich jedoch mit dieser Auffassung erneut nicht durchsetzen.

Krankentransporte

Vertragspsychotherapeuten erhalten außerdem ein grundlegendes Recht zur Verordnung von Krankenfahrten, Krankentransporten und Rettungsfahrten. Die verordneten Fahrten müssen im Zusammenhang mit einer psychotherapeutischen Leistung der Krankenkasse zwingend notwendig sein.

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