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Praxisnachrichten

Psychotherapeuten dürfen erstmals Verordnungen ausstellen

08.06.2017 - Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten dürfen ab sofort Krankenhausbehandlungen und Krankenbeförderungen verordnen. Damit erhalten sie mehr Entscheidungsspielraum bei der Versorgung ihrer Patienten.

Bislang durften nur Ärzte Leistungen verordnen. Diese Befugnis wurde per Gesetz auf Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten ausgedehnt. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat die entsprechenden Richtlinien angepasst. Danach können Therapeuten nun bei bestimmten Indikationen Krankenhausbehandlungen sowie Krankenbeförderungen verordnen.

Reha und Soziotherapie erst später

Künftig sollen sie auch Leistungen der Rehabilitation und Soziotherapie verordnen dürfen. Der Grund für den späteren Zeitpunkt ist, dass das Ausstellen dieser Verordnungen gesondert honoriert wird. Daher werden KBV und GKV-Spitzenverband im Bewertungsausschuss zunächst über eine Vergütungsregelung für Psychotherapeuten verhandeln. Sie haben dazu sechs Monate Zeit, sobald die geänderten G-BA-Richtlinien in Kraft sind.

Die Verordnung erfolgt auf denselben Formularen, die auch Vertragsärzte verwenden (Muster 2 bei Krankenhausbehandlung und Muster 4 bei Krankenbeförderung). Formulare erhalten Psychotherapeuten über ihre regulären Bezugswege, in der Regel von ihrer Kassenärztlichen Vereinigung.

Klinikeinweisung bei bestimmten Indikationen

Psychotherapeuten dürfen Patienten in ein Krankenhaus einweisen, wenn diese aufgrund psychischer Erkrankungen und Störungen stationär behandelt werden müssen. Die Verordnung ist zulässig für Diagnosen, bei denen nach der Psychotherapie-Richtlinie eine Psychotherapie sowie eine neuropsychologische Therapie möglich sind.

Für die übrigen Indikationen aus dem Kapitel V „Psychische und Verhaltensstörungen“ des ICD-10-GM muss eine Abstimmung mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Patienten sollen sich die Kostenübernahme der stationären Behandlung von ihrer Krankenkassen vorab genehmigen lassen.

Fahrten zur stationären und ambulanten Behandlung

Psychotherapeuten, die einem Patienten eine Krankenhausbehandlung verordnet haben, können ihm auch die Fahrt dorthin verordnen. Voraussetzung ist, dass die Beförderung medizinisch notwendig ist und der Patient aus medizinischen Gründen nicht selbst fahren kann, beispielsweise mit seinem Pkw oder öffentlichen Verkehrsmitteln.

Fahrten zur ambulanten Behandlung sind nur in bestimmten Fällen verordnungsfähig. Möglich ist dies bei Patienten, die einen Schwerbehindertenausweis mit Merkzeichen „aG“, „BI“ oder „H“ vorlegen oder einen Pflegebescheid mit Pflegegrad 3, 4 oder 5 und dauerhaft in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Patienten müssen sich die Fahrten zur ambulanten Behandlung vorab von ihrer Krankenkasse genehmigen lassen, damit diese die Kosten übernimmt.

Verordnung von Krankenhausbehandlung

Psychotherapeuten können Krankenhausbehandlung verordnen, wenn ein Patient aufgrund psychischer Erkrankungen und Störungen stationär behandelt werden muss.

Indikationen und Abstimmungspflicht

Psychotherapeuten dürfen Krankenhausbehandlungen

  • bei Indikationen nach Paragraf 26 der Psychotherapie-Richtlinie, zum Beispiel depressive Episoden, Angststörungen oder nichtorganische Schlafstörungen, sowie
  • bei Indikationen der neuropsychologischen Therapie, zum Beispiel organisches amnestisches Syndrom oder organische emotional labile (asthenische) Störung verordnen.

In diesen Fällen ist keine gesonderte Abstimmung mit dem behandelnden Arzt notwendig.

Für alle übrigen Indikationen in Kapitel V „Psychische und Verhaltensstörungen“ der ICD-10-GM muss sich der Psychotherapeut mit dem behandelnden Arzt abstimmen. Dazu gehört zum Beispiel Demenz.

Generell gilt für alle Indikationen, dass Vertragsärzte und auch Vertragspsychotherapeuten vor einer Einweisung ins Krankenhaus alle ambulanten Behandlungsangebote in Erwägung ziehen müssen. Sie müssen sich somit über sämtliche Angebote informieren. Dies ist in der Krankenhauseinweisungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses festgelegt.

Verordnungsformular

Die Verordnung erfolgt auf dem vertragsärztlichen Muster 2 „Verordnung von Krankenhausbehandlung“ (nicht: PTV 2). Psychotherapeuten dokumentieren hierauf die Diagnose, die die stationäre Behandlung begründet, sowie gegebenenfalls weitere Diagnosen. Zudem sind in geeigneten Fällen die beiden nächsterreichbaren geeigneten Krankenhäuser anzugeben.

Seite 1 (2a) des Formulars erhält der Patient, um die Genehmigung seiner Krankenkasse einzuholen. Auf Seite 2 sind die Untersuchungsergebnisse und bisher erfolgte Behandlungsmaßnahmen für den Krankenhausarzt anzugeben, soweit ihm diese vorliegen.

Muster 2 „Verordnung von Krankenhausbehandlung“

Gültigkeit der Verordnung

Die Verordnung gilt, bis der Behandlungsfall vom Krankenhaus abgeschlossen ist. Es kann sein, dass ein längerer Zeitraum zwischen Verordnung und Beginn der stationären Behandlung liegt. In diesem Zeitraum ist der Patient bei seinem Psychotherapeuten in Behandlung und dieser kann prüfen, ob eine stationäre Behandlung weiterhin notwendig ist.

Verordnung von Krankenbeförderung

Eine Krankenbeförderung muss im Zusammenhang mit einer psychotherapeutischen Leistung zwingend notwendig sein, damit sie zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden darf.

Fahrten zur stationären Behandlung

Psychotherapeuten, die einem Patienten eine Krankenhausbehandlung verordnet haben, können diesem Patienten auch eine Fahrt zur stationären Behandlung dorthin verordnen, wenn der Patient aus medizinischen Gründen nicht selbst fahren kann, zum Beispiel mit seinem Pkw oder einem öffentlichen Verkehrsmittel.

Eine Genehmigung durch die Krankenkasse des Versicherten ist nicht erforderlich.

Fahrten zur ambulanten Behandlung

Psychotherapeuten können Fahrten zur ambulanten Behandlung für Patienten verordnen, die einen Schwerbehindertenausweis mit Merkzeichen „aG“, „BI“ oder „H“ vorlegen oder einen Pflegebescheid mit Pflegegrad 3, 4 oder 5 und dauerhaft in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Die Mobilitätsbeeinträchtigungen können somatische oder kognitive Ursachen haben.

Darüber hinaus genehmigen die Krankenkassen Fahrten zur ambulanten Behandlung, wenn Patienten von einer vergleichbaren Beeinträchtigung der Mobilität betroffen sind und einer ambulanten Behandlung über einen längeren Zeitraum bedürfen.

Patienten müssen sich die verordneten Fahrten zur ambulanten Behandlung von ihrer Krankenkasse genehmigen lassen, damit die Kosten übernommen werden.

Beförderungsmittel

Welches Beförderungsmittel verordnet wird, richtet sich unter anderem nach der medizinischen Notwendigkeit für den Patienten. Benötigt er unterwegs eine medizinisch-fachliche Betreuung oder eine besondere Fahrzeugausstattung, kann ein Krankentransportfahrzeug erforderlich sein. Fahrten ohne medizinisch-fachliche Betreuung können zum Beispiel mit einem Taxi erfolgen.

Genehmigung und Kostenerstattung

Fahrten zu einer stationären Behandlung muss sich der Patient von seiner Krankenkasse nicht genehmigen lassen. Fahrten zu einer ambulanten Behandlung dagegen schon.

Krankenkassen haben oftmals Verträge mit bestimmten Krankentransportdiensten oder auch Taxiunternehmen geschlossen, sodass der Versicherte hier Rücksprache mit seiner Krankenkasse halten sollte. Der Dienstleister rechnet die Fahrt dann direkt mit der Kasse ab.

Verordnungsformular

Die Verordnung erfolgt auf dem vertragsärztlichen Formular 4 „Verordnung einer Krankenbeförderung“ (nicht: PTV 4). Hierauf sind der Grund für die Fahrt, das Beförderungsmittel und der Weg anzugeben.

Muster 4 „Verordnung einer Krankenbeförderung“

Basics zur Verordnung

Formulare

Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten nutzen für die Verordnung die gleichen Formulare wie Vertragsärzte. Die Vordrucke sind über die bekannten Bezugswege erhältlich, in der Regel über die jeweilige Kassenärztliche Vereinigung.

Die Formulare können elektronisch am Praxisrechner ausgefüllt werden. Dazu müssen Muster 2 und Muster 4 in der Software hinterlegt sein. Bei Fragen zu ihrer Software wenden sich Psychotherapeuten an ihren PVS-Anbieter.

Wirtschaftlichkeitsgebot

Verordnungen unterliegen dem Wirtschaftlichkeitsgebot. Das heißt sie müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein und dürfen das notwendige Maß nicht überschreiten.

Genehmigung durch die Krankenkasse

Die Krankenkasse des Patienten soll die verordnete Krankenhausbehandlung erst genehmigen. Auch die verordneten Krankenfahrten zur ambulanten Behandlung muss sich der Versicherte erst genehmigen lassen.

Eigenanteil des Patienten

Wie in anderen Bereichen der Gesundheitsversorgung müssen sich Patienten bei Krankenhausbehandlung und Krankenbeförderung an den Gesamtkosten beteiligen. Bei Krankenhausbehandlung sind es 10 Euro pro Kalendertag für maximal 28 Tage im Kalenderjahr, bei Krankenbeförderung 10 Prozent der Fahrtkosten, mindestens 5 Euro, maximal 10 Euro – unabhängig von der Fahrzeugart.

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