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Praxisnachrichten

KBV fordert längere Einführungsphase für TI-Anbindung

22.06.2017 - Angesichts des verkürzten Zeitplanes für die Anbindung der Praxen an die Telematikinfrastruktur fordert die KBV eine Verlängerung der Einführungsphase. Viele Ärzte und Psychotherapeuten fühlten sich unter Druck gesetzt, ihre Praxen möglichst schnell mit der nötigen Technik auszustatten, sagte Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des KBV-Vorstands, in einem KV-on-Interview.

Ursprünglich seien es zwei Jahre gewesen, die für die Ausstattung der Praxen für die Telematikinfrastruktur (TI) zur Verfügung standen, „jetzt faktisch nur noch ein Dreivierteljahr“, fügte Kriedel hinzu. „Wir erwarten vom Gesetzgeber, dass er die Frist, die zu Sanktionen bei Ärzten, Psychotherapeuten und Zahnärzten führen, verlängert.“

Kriedel: Jetzt muss die Industrie liefern

Die Selbstverwaltung habe „ihre Hausaufgaben gemacht“, betonte Kriedel, der im KBV-Vorstand für die Digitalisierung zuständig ist. Jetzt sei die Industrie am Zuge, „die Produkte marktgerecht, zeitgerecht und auch kostengünstig zu produzieren“. Er wies darauf hin, dass bis Mitte nächsten Jahres bis zu 150.000 Arzt- und Zahnarztpraxen ausgestattet werden müssen. Dies sei ein großes logistisches Problem.

Preis sollte Finanzierungspauschale nicht übersteigen

Den niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten empfiehlt Kriedel, Ruhe zu bewahren und zu überlegen, wie ihre Praxis ausgestattet sein soll. Die Kassenärztlichen Vereinigungen und die KBV würden beratend zur Seite stehen.

Beim Abschluss von Verträgen sollten Ärzte und Psychotherapeuten darauf achten, dass ihnen der Hersteller des Konnektors garantiert, dass sie nur den Preis bezahlen müssten, der durch die Höhe der Finanzierungspauschale zum Zeitpunkt der Installation abgedeckt sei. Zudem müsse vertraglich gewährleistet sein, dass das Gerät nachträglich kostenneutral mit der Funktionalität der qualifizierten elektronischen Signatur ausgerüstet werden könne. Auch die Zusage, dass bei Ausfall des Konnektors kurzfristig Ersatz geboten werde, sei sinnvoll.

Ursprünglich waren für den TI-Anschluss der Praxen zwei Jahre ab Beginn des Rollouts am 1. Juli 2016 vorgesehen. Da die Industrie die Technik nicht rechtzeitig liefern konnte, wurde der Startermin durch den Gesetzgeber vom 1. Juli 2016 auf den 1. Juli 2017 verschoben und damit der Zeitraum für die Anbindung an die TI von zwei Jahren auf ein Jahr reduziert.

Erste zugelassene Produkte für Herbst erwartet

Die Industrie muss ihre Produkte wie Konnektoren und Kartenterminals zur Zulassung bei der gematik – Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte – einreichen. Die ersten zugelassenen Produkte werden voraussichtlich erst in diesem Herbst auf dem Markt sein, sodass der Zeitdruck immer größer wird.

Denn bis zum 1. Juli 2018 sollen alle Praxen an die TI angeschlossen sein und das Versichertenstammdatenmanagement – die erste Online-Anwendung – durchführen können. Anderenfalls drohen gesetzlich vorgeschriebene Honorarkürzungen. Deshalb hatten sich auch die Gesellschafter der gematik in ihrem Beschluss zum Online-Rollout für eine Verlängerung der Frist ausgesprochen.

Vereinbarung zur Finanzierung unterzeichnet

Inzwischen haben KBV und GKV-Spitzenverband die Vereinbarung zur Finanzierung der TI unterzeichnet. Darin ist geregelt, wie viel Geld die Krankenkassen für die technische Ausstattung der Praxen und den laufenden Betrieb bezahlen. Nach dem Gesetz sind sie verpflichtet, die Kosten in voller Höhe zu übernehmen.

Finanzierung mit Start des Online-Betriebs

Ärzte und Psychotherapeuten sollten bei der Anschaffung des Konnektors berücksichtigen, dass sich die Höhe der Finanzierungspauschale nicht nach dem Zeitpunkt der Bestellung richtet, sondern nach der Inbetriebnahme.

Genauer gesagt: Sämtliche Pauschalen und Zuschläge, die die Krankenkassen für den Anschluss und den Betrieb der TI zahlen, erhalten sie erst ab dem ersten Versichertenstammdatenmanagement – also, wenn sie die erste elektronische Gesundheitskarte mit ihrem neuen Kartenterminal eingelesen haben und dabei die Versichertendaten des Patienten auf der Chipkarte automatisch online geprüft wurden. Diese Regelung gilt auch für den Zuschuss zum elektronischen Heilberufsausweis.

Informationen für Ärzte und Psychotherapeuten

In Kürze wird die KBV als Unterstützung für Ärzte und Psychotherapeuten eine Praxisinformation zum Thema Telematikinfrastruktur zur Verfügung stellen. Darin wird detailliert über die notwendigen Komponenten, die jeweiligen Ansprüche und die entsprechende Finanzierung informiert. Alle Inhalte werden auch auf der KBV-Themenseite zur TI im Internet bereitgestellt.

Diese technische Ausstattung benötigen Praxen für die Nutzung der Telematikinfrastruktur

Um die Telematikinfrastruktur (TI) nutzen zu können, benötigen Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten verschiedene Komponenten und Dienste. Alle müssen von der gematik für den Einsatz in der TI zugelassen sein.

Ärzte und Psychotherapeuten wenden sich vor der Bestellung von Komponenten am besten zunächst an ihren PVS-Hersteller beziehungsweise ihren Systembetreuer, da für den Anschluss an die TI auch das PVS angepasst werden muss.

Die gematik veröffentlicht auf ihrer Internetseite eine
Liste der zugelassenen Komponenten der TI.
Praxen finden darin die für sie relevanten Informationen, wenn sie im Menü "Zielgruppe" den Punkt "Arztpraxis" wählen.

Auch auf der Seite der gematik hinterlegt ist eine
Übersicht über die PVS,
die bereits eine Bestätigung der gematik über die notwendigen Anpassungen zur TI-Anbindung erhalten haben.

Konnektor

Funktion: Der Zugang zur TI erfolgt über einen Konnektor. Er ähnelt einem DSL-Router, arbeitet allerdings auf einem deutlich höheren Sicherheitsniveau. Er stellt ein sogenanntes virtuelles privates Netzwerk (VPN) zur TI her, das eine Kommunikation unter Einsatz moderner Verschlüsselungstechnologien völlig abgeschirmt vom Internet ermöglicht. Der Konnektor ist mit den stationären Kartenterminals der Praxis sowie dem PVS per Netzwerk verbunden. Er enthält auch das notwendige Modul für das Versichertenstammdatenmanagement.

Finanzierung: Die Kosten sind in der Erstausstattungspauschale enthalten. Pro Praxis wird ein Konnektor finanziert, mit dem die komplette Praxis an die TI angebunden wird. Auch Praxisgemeinschaften können einen Konnektor gemeinsam verwenden. Ausgelagerte Praxisräume erhalten statt eines Konnektors ein mobiles Kartenlesegerät.

Erhältlich ab: Es sind inzwischen zwei Konnektoren verfügbar. Mit diesen Geräten ist es allerdings noch nicht möglich, die qualifizierte elektronische Signatur (QES) durchzuführen, die unter anderem für den eArztbrief benötigt wird. Hier ist später ein Update nötig, das die Hersteller kostenneutral durchführen sollen. Konnektoren weiterer Hersteller werden in der zweiten Jahreshälfte 2018 erwartet.

 

E-Health-Kartenterminals

Funktion: Die neuen E-Health-Kartenterminals sind notwendig, um Online-Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte nutzen zu können; zunächst das VSDM. Über die Geräte erfolgt auch die Anmeldung der Praxis an der TI: Dazu wird der neue Praxisausweis (SMC-B) – eine Chipkarte, die die Praxis für die Teilnahme an der TI authentifiziert – in das Kartenterminal eingesteckt. Der elektronische Heilberufeausweis kann ebenfalls über die Terminals eingelesen werden. Die Geräte müssen von der gematik zugelassen sein. Die seit 2011 im Rahmen des Basis-Rollouts angeschafften Kartenterminals können – nach heutigem Stand – nicht per Softwareupdate auf ein eHealth-Kartenterminal aufgerüstet werden und müssen daher ersetzt werden.

Finanzierung: Die Kosten sind in der Erstausstattungspauschale enthalten. Pro Kartenterminal stehen 435 Euro zur Verfügung. Dabei können Praxen abhängig vom Zulassungsumfang aller dort tätigen Ärzte/Therapeuten bis zu drei Geräte erhalten: mit einem Äquivalent von bis zu drei Vollzeitstellen (Ärzten/Psychotherapeuten) ein Gerät, mit vier bis sechs Vollzeitstellen zwei Geräte und mit mehr als sechs Vollzeitstellen drei Geräte.

Erhältlich ab: Es sind zwei verschiedene Gerätemodelle verfügbar.

 

Mobile Kartenterminals

Funktion: Ärzte, die Haus- und Pflegeheimbesuche durchführen, die meisten Anästhesisten sowie Praxen mit ausgelagerten Praxisstätten erhalten auch ein mobiles Kartenterminal. Diese Geräte arbeiten im Offline-Betrieb: Eine Aktualisierung der Versichertenstammdaten ist damit nicht möglich, dies erfolgt ausschließlich am Hauptstandort der Praxis (vgl. Anlage 4a Bundesmantelvertrag-Ärzte). Für den Betrieb eines mobilen Kartenterminals wird ein weiterer Praxisausweis oder ein eHBA zur Identifikation benötigt.

Finanzierung: Die Geräte werden mit 350 Euro finanziert, zuzüglich der Kostenerstattung für den Praxisausweis. Anspruch haben neben Anästhesisten, die Patienten in der Praxis eines anderen Arztes betreuen, alle Vertragsärzte mit mindestens hälftiger Zulassung, die 

  • im vergangenen oder aktuellen Quartal mindestens drei Hausbesuche nachweisen können oder
  • einen Kooperationsvertrag zur Pflegeheimversorgung (nach Paragraf 119b SGB V) abgeschlossen haben.

Auch ausgelagerte Praxisräume – sie werden nicht mit Konnektor und stationären Kartenterminals ausgestattet – erhalten die Pauschale.

Erhältlich ab: Verschiedene mobile Kartenlesegeräte sind seit Mitte 2018 verfügbar. Mobile Kartenterminals können zeitlich unabhängig von den anderen Komponenten bestellt, angebunden und abgerechnet werden.

 

Praxisausweis (SMC-B)

Funktion: Den Praxisausweis benötigen Praxen zur Registrierung als medizinische Einrichtung, damit der Konnektor eine Verbindung zur TI aufbauen kann. Es handelt sich dabei um eine sogenannte Security Module Card Typ B-Karte (SMC-B). Die Karte wird bei der Installation der TI-Technik in eins der Kartenterminals gesteckt und über eine PIN freigeschaltet. Eine erneute Eingabe der PIN ist erforderlich, wenn das Gerät neu eingeschaltet wird. Nur so kann der Konnektor eine Online-Verbindung zur TI herstellen.

Finanzierung: Für den Praxisausweis werden 23,25 Euro je Quartal erstattet (einmal pro Praxis). Damit sind die Kosten komplett abgedeckt. Für ein mobiles Kartenterminal wird ein weiterer Praxisausweis finanziert. Die Praxisausweise sind fünf Jahre gültig.

Bezug / Ansprechpartner: Damit sichergestellt ist, dass nur berechtigte Nutzer Zugang zur TI erhalten, gelten für die Ausgabe der Praxisausweise besondere Sicherheitsanforderungen: Vertragsärzte und -psychotherapeuten beantragen ihren Praxisausweis bei einem von der gematik zugelassenen Kartenhersteller. Dieser Anbieter holt bei der zuständigen KV die Bestätigung darüber ein, dass der Antragssteller tatsächlich Vertragsarzt oder -psychotherapeut ist und damit Anspruch auf einen Praxisausweis hat. Die Praxis erhält danach den Praxisausweis per Post sowie in einer separaten Sendung die PIN für die Karte zugeschickt. Die PIN muss an einem sicheren Ort aufbewahrt werden. Sie wird sowohl für die Installation als auch für den laufenden Betrieb der TI benötigt. Praxen sollten mit etwa zwei Wochen Wartezeit von der Antragsstellung bis zum Empfang von Karte und PIN rechnen. Nach Erhalt der Karte muss diese noch über einen Online-Link freigeschaltet werden.

Erhältlich ab: Es sind inzwischen mehrere Kartenhersteller, auch Trust-Service-Provider genannt, zugelassen. Eine Liste der Anbieter, die für den vertragsärztlichen Bereich zugelassen sind, findet sich im Downloadbereich auf dieser Seite.

 

Anpassung PVS

Funktion: Auch das Praxisverwaltungssystem (PVS) muss angepasst werden, um eine Verbindung zur TI zu ermöglichen und die Versichertendaten der eGK importieren zu können. Das Update ist die Grundvoraussetzung für alle weiteren Schritte der TI-Anbindung.

Finanzierung: Die Kosten für das Update sind in der TI-Startpauschale (900 Euro) enthalten. Die Pauschale soll auch Kosten für die Installation und damit zusammenhängende Ausfallzeiten der Praxis und für Schulungen der Mitarbeiter abdecken.

Erhältlich ab: Die PVS-Hersteller sind unterschiedlich weit bei der Entwicklung des notwendigen Updates. Ärzte und Psychotherapeuten sollten deshalb zunächst Kontakt zu ihrem PVS-Hersteller aufnehmen und sich erkundigen, wann das Update für ihr PVS zur Verfügung stehen wird. Es kann bereits im Vorfeld der Installation des Konnektors erfolgen.

VPN-Zugangsdienst und Internetanschluss

Funktion: Für den Zugang zur TI benötigen Praxen einen speziellen VPN-Zugangsdienst – ähnlich einem Internetprovider, der den Zugang zum Internet bereitstellt. Auch diese Dienste müssen sich von der gematik zertifizieren lassen. Praxisgemeinschaften können einen gemeinsamen VPN-Zugangsdienst nutzen.

Finanzierung: Die monatlichen Kosten für den VPN-Zugangsdienst werden durch die quartalsweise ausgezahlte Pauschale für den laufenden Betrieb abgegolten. Diese beträgt vom vierten Quartal 2017 bis zum zweiten Quartal 2018 298 Euro je Quartal. Ab dem dritten Quartal 2018 sind es 248 Euro je Quartal, da mit dem günstigeren Konnektor auch geringere Betriebskosten zu erwarten sind. In dieser Pauschale sind auch die Kosten für die Wartung und nötige Updates des Konnektors enthalten.

Internet: Der Internetzugang ist eine Grundvoraussetzung für die TI. Praxen, die bisher noch keinen Internetanschluss haben, sollten dies möglichst bald nachholen. Ansprechpartner dafür sind die Internetprovider. Die Kosten für die Einrichtung und den Betrieb eines Internetanschlusses zählen zu den allgemeinen Praxiskosten einer Vertragsarzt- bzw. Vertragspsychotherapeutenpraxis und sind damit bereits in den Gebührenordnungspositionen des EBM enthalten.

Optional: elektronischer Heilberufeausweis (eHBA)

Funktion: Der eHBA ist für den Zugang zur TI keine Pflicht, wohl aber für bestimmte kommende Anwendungen der TI wie das Notfalldatenmanagement. Bereits jetzt wird der Ausweis für die qualifizierte elektronische Signatur benötigt, zum Beispiel für den eArztbrief, für Laborüberweisungen oder Anforderungen von Telekonsilen. Der eHBA kann bei der jeweiligen Landesärztekammer beziehungsweise Psychotherapeutenkammer beantragt werden.

Finanzierung: Für den eHBA erhalten Vertragsärzte und -psychotherapeuten eine Pauschale von 11,63 Euro je Quartal. Das deckt die Hälfte der Kosten ab.

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