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Bessere Vergütung für Substitutionsbehandlung

06.07.2017 - Die Substitutionsbehandlung von Opiatabhängigen wird ab 1. Oktober besser vergütet. Mehr Honorar erhalten Ärzte für die Take-Home-Vergabe und die konsiliarische Untersuchung. Zudem kann eine Substitutionsbehandlung nun auch im Rahmen eines Hausbesuches erfolgen und über den EBM abgerechnet werden.

Anlass für die Anpassungen, auf die sich KBV und GKV-Spitzenverband im Bewertungsausschuss einigten, sind Änderungen der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV), die der Bundesrat im Mai beschlossen hatte. Danach können Ärzte beispielsweise in begründeten Einzelfällen ein Substitutionsmittel auch für bis zu 30 Tage zur eigenverantwortlichen Einnahme verschreiben.

Bislang war ein solch langer Zeitraum für die Take-Home-Vergabe in begründeten Einzelfällen nur für Aufenthalte im Ausland möglich.

Neue GOP für Take-Home-Vergabe

Die Versorgung von opiatabhängigen Patienten ist in besonderen Fällen für substituierende Ärzte mit einem hohen Aufwand verbunden, weshalb nunmehr auch der Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) angepasst wurde. Für die Take-Home-Vergabe gibt es jetzt eine eigene Gebührenordnungsposition (GOP) 01949. Sie ist mit 69 Punkten bewertet (7,27 Euro) und damit deutlich höher als die GOP 01950, die die Ärzte bislang abrechnen konnten. Die Vergütung erfolgt wie gesetzlich vorgegeben extrabudgetär.

Die neue GOP ist je Behandlungstag, aber höchstens zweimal in der Behandlungswoche berechnungsfähig. Kommt der Take-Home-Patient jedoch öfter in die Praxis, kann dieser Kontakt bei Vorliegen einer medizinischen Begründung über die GOP 01950 zusätzlich abgerechnet werden.

Mit der neuen GOP wird der Beratungs- und Gesprächsaufwand zur Prüfung der Voraussetzungen für die Behandlung im Rahmen der Take-Home-Vergabe honoriert. Wegen des Missbrauchsrisikos bei der Take-home-Vergabe obliegt dem behandelnden Arzt eine besondere Verantwortung. Im Regelfall ist eine Take-Home-Vergabe bis zu sieben Tage vorgesehen.

Vergütung der Konsiliarverfahren

Eine weitere GOP wurde für die konsiliarische Untersuchung und Beratung eines Patienten im Konsiliariusverfahren in den EBM aufgenommen. Diese neue GOP 01960 ist mit 90 Punkten (9,48 Euro) bewertet und wird ebenfalls extrabudgetär vergütet. Diese GOP können ausschließlich suchtmedizinisch qualifizierte Ärzte abrechnen.

Nach der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung muss sich ein nicht suchtmedizinisch qualifizierter Arzt zu Beginn der Behandlung eines Opiatabhängigen mit einem suchtmedizinisch qualifizierten Kollegen abstimmen und sicherstellen, dass sich sein Patient mindestens einmal in jedem Quartal in einer Konsiliarbehandlung dort vorstellt. Bislang wurden diese Konsultationen über eine Grundpauschale innerhalb des Budgets abgerechnet.

Mit der neuen GOP wird auch die steigende Zahl von Konsiliarverfahren berücksichtigt, denn mit den nunmehr vorgenommenen Änderungen der BtMVV dürfen Ärzte ohne zusätzliche Qualifikation zehn statt bislang drei Patienten substituieren, wodurch auch die Zahl der Konsultationen zunehmen dürfte.

Substitutionsbehandlung auch beim Hausbesuch

Neu ist ferner, dass eine Substitutionsbehandlung nunmehr auch im Rahmen von Hausbesuchen erfolgen kann, wenn der Patient wegen des Vorliegens einer chronischen Pflegebedürftigkeit oder aufgrund einer nicht im Zusammenhang mit der Substitutionbehandlung stehenden Erkrankung nicht in die Praxis kommen kann. Eine Substitutionsbehandlung als alleiniger Grund für einen Hausbesuch ist demnach nicht berechnungsfähig.

Abgerechnet wird über die üblichen GOP für Hausbesuche (01410 und 01413 für Mitpatienten) sowie die GOP 01950 oder GOP 01949 für die Substitutionsbehandlung während des Hausbesuches.

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