Logo-KBV

KBV Hauptnavigationen:

Sie befinden sich:

 

Praxisnachrichten

Praxissoftware soll Ärzte über Nutzenbewertung informieren

06.07.2017 - Die Ergebnisse der frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln sollen zukünftig in der Praxissoftware angezeigt werden. Dies dürfe weder zu einer Einschränkung der Verordnungsmöglichkeiten noch zu höheren Kosten für die Ärzte führen, forderte der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Hofmeister.

„Wir halten es für sinnvoll, den Arzt direkt beim Verordnungsvorgang wirkstoffbezogen über die Beschlüsse des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zur frühen Nutzenbewertung zu informieren und damit eine evidenzbasierte Therapieentscheidung zu unterstützen.

Die Angaben müssen allerdings für die Praxis geeignet sein, um einen echten Mehrwert zu bieten“, äußerte sich Hofmeister im Rahmen des Konsultationsverfahrens des Bundesgesundheitsministeriums zu einer neuen Rechtsverordnung. Diese soll unter anderem Mindestanforderungen an die Informationen regeln, die zukünftig zu den Nutzenbewertungsbeschlüssen in der Verordnungssoftware abgebildet werden.

Die wichtigsten Infos auf den ersten Blick

Nach Auffassung der KBV soll der Arzt auf den ersten Blick erkennen können, dass es sich um ein Arzneimittel handelt, für das eine Nutzenbewertung durchgeführt wurde. Da der G-BA bei einigen Arzneimitteln unterschiedliche Anwendungsgebiete bewertet hat, sollen dem Arzt nur die Informationen angezeigt werden, die der Diagnose des Patienten entsprechen.

Die Ergebnisse der patientenrelevanten Endpunkte aus den für die Nutzenbewertung herangezogenen Studien sollen zusammengefasst auf der Ebene Mortalität, Morbidität, Sicherheit und Lebensqualität angegeben werden. Für einen schnellen Überblick der Ärzte schlägt die KBV vor, diese Ergebnisse mit entsprechenden Symbolen darzustellen.

Darüber hinaus soll angezeigt werden, wenn ein Arzneimittel als Praxisbesonderheit anerkannt wird und welche Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung bestehen.

Dokumentationspflicht würde Regressrisiko erhöhen

Nachdrücklich wies der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende darauf hin, dass das Arztinformationssystem ausschließlich zur besseren Information der Ärzte und nicht als Instrument zur Verordnungssteuerung durch eine Verschärfung der Regressbedrohung missbraucht werden dürfe. Strikt abzulehnen sei deshalb die Forderung von Krankenkassen, dass Ärzte bei ihrer Verordnung dokumentieren sollen, welcher Subgruppe und damit Zusatznutzenkategorie ein Patient zuzuordnen sei.

Dadurch würde nicht nur das Regressrisiko massiv steigen, sondern dies würde auch in keiner Weise der medizinisch-therapeutischen Realität entsprechen“, kritisierte Hofmeister. „Unsere Patienten entsprechen mit ihren Erkrankungen nicht immer den strengen Ein- und Ausschlusskriterien von Studien. Insofern handelt es sich bei einer ärztlichen Therapieentscheidung immer auch um eine individuelle Abwägung.“

KBV: Keine Mehrausgaben für Ärzte

Die Umsetzung des Arztinformationssystems könnte zu finanziellen Mehrbelastungen für Ärzte führen. Bereits die Einführung des bundeseinheitlichen Medikationsplans – auch eine gesetzliche Vorgabe – hat zu deutlich höheren Kosten geführt, weil viele Hersteller von Praxisverwaltungssystemen ihre Nutzungsgebühren erhöht oder zusätzliche Kosten erhoben haben. Deshalb fordert Hofmeister gegebenenfalls eine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung.

KBV informiert Ärzte schon seit langem

Seit Beginn der frühen Nutzenbewertung am 1. Januar 2011 stellt die KBV die Ergebnisse hier dar. Auf einen Blick ist erkennbar, ob das bewertete Arzneimittel besser ist als der Therapiestandard und welche Patientengruppen gegebenenfalls besonders von ihm profitieren.

Mehr zum Thema

zu den PraxisNachrichten