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Praxisnachrichten

Geschlechtsspezifische Abrechnungsziffern: Regelungen angepasst

27.07.2017 - Die Bestimmungen für die Abrechnung geschlechtsbezogener Gebührenordnungspositionen wurden angepasst. Im Falle von Inter- und Transsexualität bei Patienten sind sie nun allgemeiner gefasst.

Geschlechtsspezifische Leistungen wie die Untersuchung der Prostata oder eine Mammografie können seit Juli unabhängig von der personenstandsrechtlichen Geschlechtszuordnung abgerechnet werden. Entscheidend ist der organbezogene Befund, zum Beispiel bei Vorliegen von Testes, Ovarien oder Prostata.

Bisher galten die Bestimmungen nur, wenn bei einer Person das Geschlecht nicht zugeordnet werden konnte und auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) bei Geschlecht ein „X“ für unbestimmtes Geschlecht gespeichert war. Jetzt ist der organbezogene Befund auch bei Patienten mit bestimmtem Geschlecht bei Trans- oder Intersexualität ausschlaggebend.

Pseudoziffer bei der Abrechnung angeben

Ist auf der eGK kein „X“ enthalten, sondern beispielsweise ein „weiblich“ aufgrund von Transsexualität und handelt es sich um eine Krebsfrüherkennungsuntersuchung der Prostata, so ist für die Abrechnung der geschlechtsspezifischen GOP eine Zusatzkennzeichnung notwendig.

Dazu wurde die bundesweit einheitliche neue Pseudoziffer 88150 zum dritten Quartal 2017 eingeführt. Sie wird voraussichtlich ab dem vierten Quartal auch in den Praxisverwaltungssystemen hinterlegt sein. Bis dahin kann sie manuell eingegeben werden.

Zusätzlich ist bei der Abrechnung der Leistung als Begründung der ICD-10-Kode für Transsexualität oder für Intersexualität anzugeben.

„Unbestimmtes Geschlecht“

Das Personenstandsgesetz sieht vor, dass die Eintragung eines Neugeborenen in das Geburtenregister ohne Angabe des Geschlechts erfolgt, wenn das Kind weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden kann (§ 22 Abs. 3). Grundsätzlich ist auch eine Änderung des Personenstandes bei erwachsenen inter- oder transsexuellen Personen möglich.

Details

Auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) ist das „unbestimmte Geschlecht“ mit einem „X“ an der Stelle für die Geschlechtsangabe männlich/weiblich gespeichert. Es kann aber auch sein, dass das „X“ fehlt und stattdessen „weiblich“ oder „männlich“ gespeichert wurde, obwohl zwischenzeitlich eine Geschlechtsangleichung durchgeführt wurde.

Seit 1. Januar 2016 sind bei Patienten mit unbestimmtem Geschlecht und der entsprechenden Kennzeichnung „X“ auf der eGK geschlechtsspezifische Gebührenordnungspositionen (GOP) entsprechend dem organbezogenen Befund – zum Beispiel bei Vorliegen von Ovarien oder Prostata – berechnungsfähig.

Zum 1. Juli 2017 wurden die Bestimmungen angepasst und allgemeiner gefasst: Bei intersexuellen oder transsexuellen Patienten können geschlechtsspezifische GOP ausgehend vom organbezogenen Befund (z.B. Vorliegen von Ovarien oder Prostata) abgerechnet werden, unabhängig davon welches Geschlecht der Personenstand ausweist (weiblich, männlich oder unbestimmtes Geschlecht).

Somit können die Leistungen auch abgerechnet werden, wenn kein „X“ auf der eGK gespeichert ist. Dann muss die jeweilige GOP bei der Abrechnung aber zusätzlich mit der neuen Pseudoziffer 88150 gekennzeichnet werden. Zudem ist bei Begründung der ICD-10-Kode für Intersexualität oder Transsexualität anzugeben.

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