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Praxisnachrichten

Verordnung von Soziotherapie: Ab Oktober gelten neue Formulare

17.08.2017 - Die Formulare für Soziotherapie wurden überarbeitet. Ab dem 1. Oktober 2017 dürfen Praxen nur noch die neuen Vordrucke verwenden, wenn sie schwer psychisch kranken Patienten eine Soziotherapie verordnen möchten.

Betroffen sind das Formular 26 für die Verordnung von Soziotherapie und das Formular 28 für die Verordnung bei Überweisung zur Indikationsstellung für Soziotherapie. Beide Formulare wurden übersichtlicher gestaltet sowie redaktionell und inhaltlich angepasst. Das dritte Formular im Bereich Soziotherapie, Formular 27 für den soziotherapeutischen Betreuungsplan, bleibt unverändert.

Soziotherapie ist eine Betreuungsleistung für schwer psychisch kranke Menschen, durch die Krankenhausaufenthalte vermieden werden sollen. Die Patienten sollen durch Soziotherapie in die Lage versetzt werden, ambulante ärztliche und psychotherapeutische Leistungen in Anspruch zu nehmen.

Stichtagsregelung: rechtzeitig neue Formulare bestellen

Die Einführung der neuen Formulare erfolgt mit einer Stichtagsregelung. Das heißt, alte Vordrucke können ab dem 1. Oktober nicht mehr verwendet werden. Praxen müssen neue Formulare bestellen – je nach Bezugsweg über die zuständige Kassenärztliche Vereinigung oder direkt bei der Druckerei. Die angepassten Formulare müssen bis dahin auch in den Praxisverwaltungssystemen hinterlegt sein und werden mit dem Quartals-Update eingespielt.

Hintergrund der Anpassungen

Das Formular 26 verwenden verordnungsberechtigte Ärzte und zukünftig auch Psychotherapeuten zur Verordnung einer Soziotherapie. Künftig enthält es ein Feld, in dem sie die Details für eine Verordnung in begründeten Einzelfällen eintragen können. Damit sollen Nachfragen und Ablehnungen der Krankenkassen reduziert werden.

Mit der Neufassung der Soziotherapie-Richtlinie im Jahr 2015 war eine Öffnungsklausel für begründete Einzelfälle außerhalb der Regelversorgung aufgenommen und der Kreis der anspruchsberechtigen Patienten erweitert worden: unter bestimmten Voraussetzungen kann Soziotherapie seitdem auch bei Patienten mit Diagnosen aus dem gesamten ICD-10-Kapitel für Psychische und Verhaltensstörungen (F00 bis F99) verordnet werden.

Überweisung durch Ärzte auf Formular 28

Erachtet ein Arzt, der keine Genehmigung für die Verordnung von Soziotherapie hat, eine solche Therapie für seinen Patienten als erforderlich, überweist er ihn zu einem Arzt oder zukünftig auch Psychotherapeuten, der Soziotherapie verordnen darf.

Kommt er aber zu der Einschätzung, dass sein Patient diese Überweisung alleine nicht in Anspruch nehmen kann, greift eine Ausnahmeregelung: Der überweisende Arzt darf einen Soziotherapeuten per Verordnung hinzuziehen, der den Patienten motivieren soll, überhaupt einen Facharzt aufzusuchen, der für einen längeren Zeitraum verordnen kann. Dazu verwendet er das Formular 28.

Das Formular 28 wurde ebenfalls übersichtlicher gestaltet und an einer Stelle redaktionell angepasst. Damit wird einer Änderung der Soziotherapie-Richtlinie aus dem Jahr 2017 Rechnung getragen: Auch Psychotherapeuten dürfen künftig Soziotherapie verordnen, sobald die Vergütung festgelegt wurde (die PraxisNachrichten berichteten).

KBV überarbeitet Soziotherapie-Broschüre

Anfang kommenden Jahres lässt die KBV eine aktualisierte Fassung ihrer Soziotherapie-Broschüre aus der Reihe PraxisWissen drucken. Darin werden die Anpassungen der Soziotherapie-Richtlinie und die Verordnungsmöglichkeit durch Psychotherapeuten berücksichtigt. Derzeit kann das Heft als PDF-Dokument hier kostenlos heruntergeladen werden.

Soziotherapie

Soziotherapie ist eine Betreuungsleistung für schwer psychisch kranke Menschen, durch die Krankenhausaufenthalte vermieden werden sollen. Die Patienten sollen durch Soziotherapie in die Lage versetzt werden, ambulante ärztliche Leistungen in Anspruch zu nehmen.

Soziotherapie beinhaltet strukturierte Trainings- und Motivationsmethoden und findet im sozialen Umfeld des Patienten statt. Der Patientenkreis ist eng gefasst und ergibt sich aus Diagnose, Schweregrad und krankheitsbedingten Fähigkeitsstörungen.

Überweisung zur Soziotherapie

Nur Ärzte bestimmter Fachrichtungen, zum Beispiel Nervenheilkunde, Neurologie oder Psychiatrie und Psychotherapie, dürfen Soziotherapie verordnen. Ärzte anderer Fachrichtungen können ihre Patienten zu einem dieser Kollegen überweisen, wenn sie eine Soziotherapie für erforderlich halten. Der Kollege stellt dann die Verordnung aus und begleitet die Soziotherapie.

Für den Fall, dass ein Patient die Überweisung alleine nicht in Anspruch nehmen kann, gibt es eine Sonderregelung: Der überweisende Arzt darf einen Soziotherapeuten per Verordnung hinzuziehen, der den Patienten motivieren soll, überhaupt einen Facharzt aufzusuchen, der für einen längeren Zeitraum verordnen kann.

Ärzte folgender Fachrichtungen dürfen Soziotherapie verordnen:

  • Psychiatrie und Psychotherapie
  • Nervenheilkunde
  • Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
  • Neurologie
  • Kinder- und Jugendpsychiatrie (in therapeutisch begründeten Fällen in der Übergangsphase ab dem 18. Lebensjahr bis zur Vollendung des 21. Lebensjahrs)
  • Psychiatrische Institutsambulanzen beziehungsweise dort tätige Fachärzte

Demnächst dürfen auch Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (in therapeutisch begründeten Fällen in der Übergangsphase ab dem 18. Lebensjahr bis zur Vollendung des 21. Lebensjahrs) Soziotherapie verordnen. Derzeit verhandelt der Bewertungsausschuss noch die Vergütung für das Ausstellen der Verordnung.

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