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Praxisnachrichten

Honorardaten des Statistischen Bundesamtes analysiert

17.08.2017 - Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung hält die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Honorardaten für problematisch. Sie seien nicht geeignet, um die wirtschaftliche Lage von Vertragsarztpraxen korrekt beurteilen zu können.

Die Wissenschaftler des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) bemängeln in einem heute veröffentlichten Papier unter anderem, dass das Statistische Bundesamt für seine Kostenstrukturanalyse vornehmlich größere, umsatzstarke Praxen befragt hat. Kleinere Praxen ohne angestellte Mitarbeiter und neu gegründete Praxen seien in der Statistik kaum berücksichtigt worden, dafür aber reine Privatpraxen.

Reinertrag einer Praxis ohne Aussagewert

Ein weiteres Problem sei, dass das Statistische Bundesamt in seiner Pressemitteilung nur den Reinertrag einer Arztpraxis ausweist. Dieser liege deutlich über dem Reinertrag eines Arztes, da in vielen Praxen mittlerweile mehrere Ärzte tätig sind, so die Zi-Wissenschaftler. Deshalb habe der veröffentliche Betrag kaum Aussagewert und könnte in der Öffentlichkeit eher ein falsches Bild erzeugen.

Das Statistische Bundesamt hatte am Dienstag bekannt gegeben, dass der durchschnittliche Reinertrag einer Arztpraxis (nach Abzug von Betriebskosten) im Jahr 2015 bei 258.000 Euro gelegen habe. Beim Reinertrag je Inhaber sind die Wiesbadener Statistiker auf einen Wert von 190.000 Euro gekommen. Er berücksichtigt Überschüsse aus kassen- und privatärztlicher Tätigkeit.

Zi-Analyse: GKV-Überschuss von 132.000 Euro

Das Zi hatte zwei Wochen zuvor aktuelle Zahlen des Zi-Praxis-Panels veröffentlicht. Danach betrug der Reinertrag beziehungsweise Jahresüberschuss aus kassen- und privatärztlicher Tätigkeit im Jahr 2015 durchschnittlich 161.000 Euro.

Der Überschuss aus GKV-Einnahmen lag bei 132.000 Euro und damit unter dem Referenzeinkommen angestellter Oberärzte. Analysiert wurden die Angaben von über 4.300 Praxen aus allen ärztlichen Fachgebieten sowie der Psychologischen Psychotherapeuten.

Investitionsstau auch in den amtlichen Daten erkennbar

Auch wenn die Ergebnisse des Statistischen Bundesamtes die finanzielle Situation der vertragsärztlichen und vertragspsychotherapeutischen Praxen nur unzureichend abbilden können, zeigt sich aus Sicht der Zi-Wissenschaftler auch in diesen Daten eine bedenkliche Entwicklung: Die Investitionen in der ambulanten Versorgung nehmen ab.

Einen Grund dafür sieht Zi-Geschäftsführer Dr. Dominik von Stillfried darin, dass die GKV-Umsätze nicht ausreichend gewachsen sind. „Während die allgemeinen Reallöhne zwischen den Jahren 2011 und 2015 um 9,3 Prozent gestiegen sind, erhöhten sich die GKV-Einnahmen nur um 7,5 Prozent. Gleichzeitig verzeichneten die Praxen bei den Personalkosten ein Plus von 6,7 Prozent.“

Um diese höheren Kosten schultern und trotzdem an der allgemeinen Einkommensentwicklung teilnehmen zu können, könnten die Praxen nicht in ausreichendem Umfang investieren. Das zeige sich in dem Rückgang der Sachaufwendungen um 6,3 Prozent.

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