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Praxisnachrichten

Großes Vertrauen in Ärzte - Gute Noten für die ambulante Versorgung

31.08.2017 - Mit der ambulanten medizinischen Versorgung sind die Patienten in Deutschland nach wie vor sehr zufrieden. Das ergab die diesjährige Versichertenbefragung der Forschungsgruppe Wahlen von rund 6.000 Bürgern im Auftrag der KBV. Die Patienten haben großes Vertrauen zu ihren Ärzten und schätzen deren Fachkompetenz.

Die Umfrage zeige seit nunmehr über einem Jahrzehnt sehr hohe Zufriedenheitswerte, sagte KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen bei der Vorstellung der Ergebnisse vor Journalisten. Die niedergelassenen Kollegen leisteten „jeden Tag einen hervorragenden Job“.

Hohe Fachkompetenz

In der Versichertenbefragung gaben 91 Prozent an, dass ihr Vertrauensverhältnis zu ihrem Arzt „gut“ oder „sehr gut“ ist. Lediglich fünf Prozent sprechen von „weniger gutem“ Vertrauen.

Die fachlichen Qualitäten des Arztes werden ebenfalls sehr positiv bewertet. Insgesamt gaben 92 Prozent der Befragten an, dass der zuletzt von ihnen aufgesuchte Arzt „sehr gut“ (48 Prozent) oder „gut“ (44 Prozent) arbeitet. Nur drei Prozent waren „weniger zufrieden“.

Verständliche Erklärungen

Erstmals ging es in der Befragung auch um Aspekte der Gesundheitskompetenz. Dabei bescheinigten 92 Prozent ihrem Arzt, dass sie dank seiner Erklärung ihre Erkrankung besser verstehen. Unerheblich war dabei Alter und Bildungsniveau der Befragten.

Zudem profitieren die Patienten offensichtlich von der ärztlichen Anleitung zur eigenen Mitwirkung. Immerhin gaben 94 Prozent an, durch die Tipps ihres Arztes zu wissen, was sie bei ihrer Krankheit selbst tun können. Dabei sind den Patienten Begründungen wichtig. Für 97 Prozent der Versicherten waren derartige ärztliche Hintergrundinformationen für das bessere Verständnis hilfreich.

Das zeige noch einmal besonders „die Bedeutung der sprechenden Medizin“, sagte der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Hofmeister. Das Informieren der Patienten im Internet sei gut, aber diese Informationen „sollten sie dann – auf ihren speziellen Fall bezogen – mit ihrem Arzt einordnen und vertiefen“.

Gütesiegel für Gesundheits-Apps

Dass sich viele Patienten vor und nach dem Arztbesuch im Internet über ihre Beschwerden informieren, kristallisierte sich bei der Befragung heraus. „Sie wünschten sich im Netz allerdings eine zuverlässige, am liebsten von Ärzten beglaubigte Informationsquelle“, betonte KBV-Vorstands-Mitglied Dr. Thomas Kriedel.

Von den befragten Smartphone-Besitzern, die eine App nutzen, fänden es 61 Prozent wichtig, wenn Apps aus dem Gesundheitsbereich ein Gütesiegel hätten, das entsprechenden Anwendungen bestimmte Qualitätsstandards bescheinigt.

Das korrespondiert Kriedel zufolge mit der Forderung der KBV, dass Gesundheitsapps und Apps zur Überwachung von Vitaldaten einer geregelten Prüfung unterliegen und mit entsprechenden Bewertungen versehen sein sollten.

Je älter desto öfter zum Arzt

Deutliche Zusammenhänge gibt es – wie schon in den Vorjahren – zwischen der Anzahl der Arztbesuche und dem Lebensalter der Befragten. Bei den unter 40-Jährigen gaben jeweils zwölf Prozent an, mehr als zehnmal im Jahr einen Arzt konsultiert zu haben, bei den 70- bis 79-Jährigen sind es der Umfrage zufolge 22 Prozent.

Dieser Umstand schlägt sich insbesondere bei privatversicherten Patienten nieder, da aufgrund der Altersstruktur die Anzahl der Arztbesuche erheblich zugenommen hat. Für Privatpatienten erhöhte sich dadurch auch die Wartezeit auf einen Termin.

Der KBV-Chef sieht darin ein Indiz, dass Ärzte Privatversicherte nicht bevorzugten. Die Unterschiede zwischen gesetzlich und privat Versicherten bei der Terminvergabe sind nur noch marginal, wie die Befragung ergab. „Von einem Gerechtigkeitsproblem kann also keine Rede sein“, betonte Gassen.

Wartezeiten auf Termine

In der Versichertenbefragung gaben 42 Prozent an, dass sie nicht auf einen Termin beim Arzt warten mussten. 16 Prozent haben einen Tag oder zwei bis drei Tage gewartet. Insgesamt mussten sich 40 Prozent der Befragten länger als drei Tage gedulden, darunter 11 Prozent bis zu einer Woche, 13 Prozent bis zu drei Wochen und weitere 15 Prozent länger als drei Wochen.

Allerdings sei dabei auch der Anlass des Arztbesuches zu berücksichtigen, sagte Hofmeister. So müssten sich verständlicherweise Patienten mit Anliegen auf Vorsorgeuntersuchungen oder Impfungen länger gedulden, als Patienten mit akuten oder chronischen Erkrankungen.

In der Umfrage wird auch deutlich, dass selbst mehr als drei Wochen dauernde Wartezeiten von der Mehrzahl der Befragten nicht als problematisch empfunden werden. Insgesamt erhalten mehr als die Hälfe aller Patienten innerhalb von drei Tagen einen Termin oder gehen ohne Termin zum Arzt. Bei einem akuten Problem sind es fast drei Viertel.

Ohne Überweisung zum Facharzt

Rund 66 Prozent haben der Befragung zufolge einen Facharzt ohne Überweisung aufgesucht. Jüngere Befragte gehen deutlich häufiger ohne Überweisung zum Facharzt als ältere Personen. Bewohner von Großstädten verzichten eher auf eine Überweisung als Bewohner ländlicher Regionen.

Aufgrund akuter Beschwerden wurden am häufigsten Orthopäden und Chirurgen (jeweils 70 Prozent) und Hals-Nasen-Ohren-Ärzte (59 Prozent) konsultiert. Dagegen waren für den Besuch des Psychiaters (54 Prozent), Internisten (38 Prozent) und Kardiologen (31 Prozent) zumeist chronische Krankheiten der Grund. Vorsorgeuntersuchungen standen in der Mehrzahl beim Frauenarzt (75 Prozent), Urologen (42 Prozent), Hautarzt (38 Prozent)und Augenarzt (36 Prozent) an.

Ärztedichte regional unterschiedlich

Trotz leicht gewachsener Defizite sind aus Sicht der meisten Befragten ausreichend Ärzte in Wohnortnähe. Allerdings differenzieren sie dabei zwischen Haus- und Fachärzten. Während die Versorgungslage mit Hausärzten entspannt gesehen wird, wird die wohnortnahe fachärztliche Versorgung öfter als defizitär eingeschätzt.

Hinzu kommen regionale Unterschiede. Während in Großstädten nur gut jeder Zehnte sagt, dass es zu wenige Hausärzte gäbe, ist dies in kleinen Städten und Gemeinden jeder Dritte. Insgesamt beklagen 43 Prozent der Befragten zu wenige Fachärzte in Wohnortnähe.

116117 bekannter machen

Die bundesweite ärztliche Bereitschaftsdienstnummer 116117 ist zwar inzwischen bekannter, aber der aktuellen Befragung zufolge überwiegt nach wie vor die Unkenntnis. Unter Befragten, die angaben, die Nummer zu kennen, konnten nur 29 Prozent die korrekte Telefonnummer benennen. Der KBV-Vorstand kündigte an, die Nummer 116117 noch stärker bewerben zu wollen.

Über 6.000 Bürger befragt

Die Forschungsgruppe Wahlen führt im Auftrag der KBV die repräsentativen Versichertenbefragungen seit 2006 durch. In diesem Jahr wurden vom 15. Mai bis 27. Juni insgesamt 6.105 zufällig ausgewählte Bürger telefonisch befragt. Dabei lag der Fokus auf Fragen zu Wartezeiten, Bewertungen von Arzt und Praxis, ärztlichen Erklärungen und Verständnis der Patienten, Versorgungssituation mit Haus- und Fachärzten, Notfallversorgung und Gesundheits-Apps.

Zusätzlich führte die Patientenprojekte GmbH eine qualitative Untersuchung mit Fokusgruppen zu ähnlichen Fragestellungen in vier Städten durch.

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