Logo-KBV

KBV Hauptnavigationen:

Sie befinden sich:

 

Praxisnachrichten

Worte sind Medizin

Gesundheitskompetenz stärken - KBV-Tagung diskutiert neue Ansätze

14.09.2017 - Die Stärkung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung stand im Fokus einer Fachtagung, zu der die KBV am Mittwoch eingeladen hatte. Schwerpunkte sahen die Akteure in einer frühen Gesundheitsbildung, in verständlichen und verlässlichen Informationen sowie in einer besseren Kommunikation zwischen Patienten und Ärzten.

„Gut informierte Patienten wissen, wohin sie sich wenden müssen, wenn sie eine ärztliche Behandlung brauchen“, sagte KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen zur Eröffnung der Tagung „Gesundheitskompetenz stärken – Verstehen und Verständnis“ in Berlin. „Wir wollen Licht ins Dickicht Gesundheitswesen bringen.“

Mit der Gesundheitsbildung muss aus Sicht des stellvertretenden KBV-Vorstandsvorsitzenden Dr. Stephan Hofmeister so früh wie möglich begonnen werden. „Das ist für die spätere Gesundheitskompetenz der Patienten entscheidend“, fügte er hinzu. Dazu müssten gerade Maßnahmen zum Thema Prävention in Kindertagesstätten und Schulen noch verstärkt werden.

Informationsangebote finden und bewerten

In der Diskussion mit Akteuren aus Politik, Wissenschaft und Gesundheitswesen ging es unter anderem um das persönliche Gespräch zwischen Arzt und Patient und die Unterstützung der Patienten, die richtigen Informationsangebote zu finden, zu bewerten und zu verstehen.

Gerade die Ansprache der Menschen mit eingeschränkter Gesundheitskompetenz sei wichtig – immerhin betreffe dies über die Hälfte der deutschen Bevölkerung. Zu dem Ergebnis kommt Professorin Dr. Doris Schaeffer von der Universität Bielefeld in ihrer Studie zur Gesundheitskompetenz der Deutschen, die sie auf der Tagung vorstellte.

Konkret hätten diese Menschen Schwierigkeiten zu beurteilen, ob Informationen über Krankheiten in den Medien vertrauenswürdig sind sowie die Vor- und Nachteile einer Behandlungsmöglichkeit einzuschätzen.

Hausarzt erster Ansprechpartner

Ein weiteres Studienergebnis: Erster Ansprechpartner für Informationen ist nach wie vor der Hausarzt – vor Familie und Internet. Umso wichtiger sei eine verständliche und klare Kommunikation zwischen Arzt und Patient, resümierte Schaeffer.

Dabei sind Gassen zufolge beide Seiten – Ärzte und Patienten – gefragt. „Die Behandlung einer Krankheit ist ein Geschehen, das im Idealfall gemeinsam von Arzt und Patient entwickelt wird“, betonte der KBV-Chef. „Je mehr Gesundheitskompetenz und Eigenverantwortung der Patient zeigt, desto wahrscheinlicher ist der Behandlungserfolg.“

Im Zeitalter der Digitalisierung mit einem beispiellosen Zuwachs an frei zugänglichen Informationen gewinne die „sprechende Medizin“ und damit die Zeit der Ärzte für ihre Patienten wieder an Bedeutung, hob Gassen hervor. Dies müsse aber auch vergütet werden.

Mehr persönliche Zuwendung

Darum ging es auch in dem Vortrag von Dr. Eckart von Hirschhausen unter dem Motto „Therapie: Gespräch. Warum Worte Medizin sind – und Gesundheitsbildung bei den Ärzten anfängt“. Der Arzt und Wissenschaftsjournalist sprach über die Bedeutung des Patientengesprächs und forderte wieder mehr persönliche Zuwendung und Zeit für den Patienten.

KBV ist Mitglied in der Allianz für Gesundheitskompetenz

Zur Stärkung der Gesundheitskompetenz gebe es bereits zahlreiche Maßnahmen, die noch ausgebaut werden sollten, betonten Gassen und Hofmeister. Sie verwiesen auf die über 70 Patienteninformationen, die das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin im Auftrag der KBV und der Bundesärztekammer erstellt.

Zudem werde das Projekt „Was hab ich?“, bei dem ärztliche Befunde laienverständlich übersetzt werden, von der KBV finanziell gefördert. Zu weiteren Aktivitäten zählten die Bewerbung der Bereitschaftsdienstnummer 116117 sowie die Entwicklung einer Notfall-App.

Die KBV ist Mitglied in der „Allianz für Gesundheitskompetenz“, die vor drei Monaten unter Federführung des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) gegründet wurde. Über Arbeit und Ziele der Allianz informierte BMG-Staatssekretär Lutz Stroppe auf der Tagung. Er hob dabei drei Punkte für eine verbesserte Gesundheitskompetenz hervor: Gesundheitsbildung, leicht zugängliche Gesundheitsinformationen und eine leichte Sprache von Gesundheitsberufen im Gespräch mit dem Patienten.

Definition Gesundheitskompetenz

Unter Gesundheitskompetenz wird das Wissen, die Motivation und die Fähigkeit verstanden, gesundheitsrelevante Informationen ausfindig zu machen, zu verstehen, zu beurteilen und zu nutzen, um die Gesundheit erhalten, sich bei Krankheiten die nötige Unterstützung durch das Gesundheitssystem sichern oder sich kooperativ an der Behandlung und Versorgung beteiligen und die dazu nötigen Entscheidung treffen zu können. International wird diese basale Kompetenz als "Health Literacy" bezeichnet (u.a. Sørensen et al. 2012) und ist seit langem Gegenstand der Forschung. In Deutschland wird der Begriff mit Gesundheitskompetenz übersetzt.

(Quelle: Studie Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in Deutschland, PDF 735 KB)

  • Von links nach rechts: Dr. Andreas Gassen, Dr. Eckart von Hirschhausen, Moderatorin Katrin Brand (WDR), Prof. Dr. Doris Schaeffer, Dr. Christina Dietscher (Foto: Meike Ackermann, KBV)

    Von links nach rechts: Dr. Andreas Gassen, Dr. Eckart von Hirschhausen, Moderatorin Katrin Brand (WDR), Prof. Dr. Doris Schaeffer, Dr. Christina Dietscher (Foto: Meike Ackermann, KBV)

  • KBV-Chef Gassen im Gespräch: "Der Patient muss das Gefühl haben, dass er die Verantwortung abgeben kann." (Foto: Meike Ackermann, KBV)

    KBV-Chef Gassen im Gespräch: "Der Patient muss das Gefühl haben, dass er die Verantwortung abgeben kann." (Foto: Meike Ackermann, KBV)

  • Arzt und Autor Dr. Eckart von Hirschhausen: "Die Funktion des Arztgespräches ist, einen Draht zum Patienten herzustellen."  (Foto: Meike Ackermann, KBV)

    Arzt und Autor Dr. Eckart von Hirschhausen: "Die Funktion des Arztgespräches ist, einen Draht zum Patienten herzustellen." (Foto: Meike Ackermann, KBV)

Mehr zum Thema

zu den PraxisNachrichten