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Ärzteschaft warnt: Gesundheitssystem nicht auf den Kopf stellen

14.09.2017 - Zwei Wochen vor der Bundestagswahl hat die niedergelassene Ärzteschaft vor der zunehmenden Verstaatlichung des Gesundheitswesens gewarnt. Freiberuflichkeit und Selbstverwaltung seien ein tragendes Element des deutschen Systems, betonten KBV und die Allianz Deutscher Ärzteverbände auf einer gemeinsamen Pressekonferenz.

Der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Gassen appellierte an die künftige Regierung, dafür zu sorgen, dass „unser weltweit hochgeschätztes Gesundheitssystem nicht von den Beinen auf den Kopf gestellt wird“. Ein Blick in andere europäische Länder mache schnell deutlich, wohin eine zentralistische Organisation der Gesundheitsversorgung führen könne, betonte Gassen. „Die Folgen sind unter anderem die Abschaffung der freien Arztwahl sowie monatelange Wartezeiten auf ärztliche Eingriffe.“

Mehr Spielräume für neue Versorgungskonzepte

Gassen verwies auf das Konzept KBV 2020 und das Acht-Punkte-Papier, welches in „einem konstruktiven Diskussionsprozess“ entstanden sei. Darin habe man sich von manchen liebgewonnenen Positionen getrennt, manche Grabenkämpfe beendet und sich in neuer Offenheit mit den wirklich wichtigen Fragen beschäftigt. In Gesprächen mit der Politik bemerke er, „dass unsere Argumente nicht nur gehört, sondern auch ernsthaft erwogen werden“.

Die Allianz Deutscher Ärzteverbände unterstütze die KBV in ihren Zielen und stehe hinter dem Konzept KBV 2020, sagte Allianz-Sprecher Dr. Werner Baumgärtner. Zudem plädierte er für deutlich mehr Spielräume, um bundesweit neue Versorgungskonzepte mit den Krankenkassen umzusetzen. Dies gelte sowohl für den Bereich des Kollektivvertrags als auch im Bereich der Hausarzt- und Facharztverträge.

Enge Zusammenarbeit in der Notfallversorgung

Im Zusammenhang mit der Versorgung im Not- und Bereitschaftsdienst hob Gassen die Bedeutung der Selbstverwaltung bei der Lösung von Problemen hervor. „Hier sind wir dabei, uns gemeinsam mit anderen Organisationen, zum Beispiel dem Marburger Bund, aus ärztlicher Sicht abzustimmen.“ Ziel sei es, dass der Patient in die Lage versetzt werde, die für ihn richtige Anlaufstelle zu finden, betonte der KBV-Chef. Eine enge Zusammenarbeit von Notfallversorgung, Rettungs- und Bereitschaftsdienst solle dafür die Grundlage bilden.

Als weitere wichtige Themen für die kommende Legislaturperiode nannte Gassen die Anpassung der Versorgungsstrukturen an die zunehmende Ambulantisierung der Medizin, die Digitalisierung, den ärztlichen Nachwuchs sowie eine verbesserte Kooperation mit anderen Gesundheitsberufen.

Die Allianz Deutscher Ärzteverbände

Die Allianz Deutscher Ärzteverbände wurde im Mai 2006 von sechs großen freien ärztlichen Verbänden gegründet. Der auf der Rechtsform der Arbeitsgemeinschaft agierende Zusammenschluss soll die Interessen und die Schlagkraft der einzelnen Verbände bündeln und der Politik gegenüber als Gesprächs- und Verhandlungspartner der Ärzteschaft auftreten. Die Gründungsmitglieder sind:

  • Berufsverband Deutscher Internisten (BDI),
  • Bundesverband der Ärztegenossenschaften,
  • Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände (GFB),
  • Hartmannbund – Verband der Ärzte Deutschlands,
  • MEDI Deutschland,
  • Spitzenverband Fachärzte Deutschlands e. V. (SpiFa) und
  • NAV-Virchow-Bund, Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands e. V.

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