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Die Honorarverhandlungen sind beendet. Das Ergebnis erläutert Dr. Andreas Gassen.

Kassen verhindern nötige Honorarsteigerung - Orientierungswert gegen Stimmen der KBV festgelegt

21.09.2017 - Der Orientierungswert für ärztliche und psychotherapeutische Leistungen steigt im nächsten Jahr bundesweit um 1,18 Prozent. Das hat der Erweiterte Bewertungsausschuss am Dienstag gegen die Stimmen der KBV beschlossen. Der Honorarzuwachs beläuft sich in 2018 auf insgesamt rund 525 Millionen Euro.

Das Ergebnis sei ein fatales Signal an die Ärzteschaft, sagte KBV-Chef Dr. Andreas Gassen am Mittwoch vor Journalisten. Bei überlaufenden Finanzreserven der Kassen und einer Bruttolohnsteigerung von im Schnitt drei Prozent würden die Ärzte und Psychotherapeuten zunehmend abgekoppelt. Dringend notwendige Investitionen könnten so nicht getätigt werden.

Kassen wollten Null-Runde

Der GKV-Spitzenverband hatte in den Honorarverhandlungen für das Jahr 2018 eine Null-Runde verlangt. Auch in einem Spitzengespräch zwischen den Verhandlungspartnern war keine Einigung möglich, sodass der Erweiterte Bewertungsausschuss eingeschaltet werden musste. Dem Gremium, das mit der Mehrheit der Stimmen Beschlüsse fasst, gehören neben KBV- und Kassen-Vertretern auch drei unparteiische Mitglieder an.

Die KBV hatte eine Anhebung des Orientierungswertes von 2,4 Prozent gefordert und dies vor allem mit den gestiegenen Praxiskosten, insbesondere der Personalkosten begründet. Außerdem hatte sie mehrere Maßnahmen vorgeschlagen, um die haus- und fachärztliche Versorgung gezielt zu fördern. „Selbst einen Multimorbiditätszuschlag für Patienten mit mehreren chronischen Erkrankungen und die längst überfällige Nachbesserung am Chronikerzuschlag haben die Kassen kategorisch abgelehnt“, kritisierte der Vize-Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Hofmeister.

KBV-Vorstand: Haltung der Kassen ist irrational

Gassen und Hofmeister übten scharfe Kritik an der „irrationalen und rigiden“ Haltung des GKV-Spitzenverbandes. Es sei schon erstaunlich, mit welcher Ignoranz die Kassenvertreter die Argumente der Ärzteseite vom Tisch geschoben hätten. „Da können wir uns die Verhandlungen auch sparen“, kritisierte Gassen.

Vor diesem Hintergrund plädierten beide dafür, Honorarabschlüsse wieder mit Kassenverbänden tätigen zu können. Diese hätten häufig eine größere Versorgungsnähe und seien stärker bereit, in die Versorgung ihrer Patienten zu investieren. „Wir halten es für dringend notwendig, dass der Gesetzgeber hier nachschärft“, sagte Gassen.

Orientierungswert beträgt 10,6543 Cent für das Jahr 2018

Mit dem jetzt getroffenen Beschluss steigt der Orientierungswert und damit der Preis für alle ärztlichen und psychotherapeutischen Leistungen am 1. Januar 2018 von derzeit 10,53 Cent auf 10,6543 Cent. Dies entspricht einer Honorarerhöhung von insgesamt circa 438 Millionen Euro im kommenden Jahr.

Rund 80 Millionen für steigenden Behandlungsbedarf

Hinzu kommen rund 80 Millionen Euro, die die Krankenkassen mehr bereitstellen müssen, um den steigenden Behandlungsbedarf aufgrund zunehmender Krankheiten und einer immer älter werdenden Bevölkerung zu decken. Der Bewertungsausschuss beschloss dazu für jeden KV-Bereich zwei regionale Veränderungsraten – für die Morbidität und für die Demografie. Bei den Raten handelt es sich um Empfehlungen. Sie bilden die Grundlage für die sich anschließenden regionalen Verhandlungen.

Nachzahlung für 2015

Zwölf KV-Bereiche erhalten zudem eine Nachzahlung für das Jahr 2015 in Höhe von insgesamt 8,5 Millionen Euro. Grund ist, dass in dem Jahr der morbiditätsbedingte Behandlungsbedarf stärker als erwartet angestiegen war. Laut Gesetz sind die Krankenkassen in solchen Fällen verpflichtet, nachträglich zusätzliche Finanzmittel zur Verfügung zu stellen.

Vergütung steigt um rund 525 Millionen Euro

Damit erhöht sich die Gesamtvergütung im nächsten Jahr um etwa eine halbe Milliarde Euro (Orientierungswert: 438 Millionen Euro, Veränderung der Morbiditätsstruktur: 80 Millionen Euro, nicht vorhersehbarer Anstieg des Behandlungsbedarfs: 8,5 Millionen Euro). Die Gesamtvergütung beträgt aktuell rund 37 Milliarden Euro.

KBV will Laborleistungen ausdeckeln

Einen Schritt weiter gekommen ist die KBV mit ihrer Forderung, sämtliche Laborleistungen aus der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung auszudeckeln. Der Erweiterte Bewertungsausschuss hat die KBV und den GKV-Spitzenverband beauftragt, über bessere Steuerungsinstrumente zu verhandeln. Damit ist aus Sicht der KBV eine extrabudgetäre Vergütung der Laborleistungen nicht mehr ausgeschlossen. Hintergrund der Forderung ist, dass die Menge an Laborleistungen von Jahr zu Jahr enorm zunimmt, ohne dass die Krankenkassen das entsprechende Geld bereitstellen.

Honorarverhandlungen: Ergebnisse im Überblick

Preise: Anhebung Orientierungswert

Der Orientierungswert steigt ab 1. Januar 2018 für alle Leistungen um 1,18 Prozent auf 10,6543 Cent. Dies entspricht einer Honorarerhöhung von ca. 438 Millionen Euro.

Neben der Punktzahl bestimmt der Orientierungswert maßgeblich die Höhe des Preises einer Leistung. Er berücksichtigt die Investitions- und Betriebskosten der Praxen. Er beträgt aktuell 10,53 Cent. KBV und GKV-Spitzenverband sind laut Gesetz verpflichtet, jährlich über die Anpassung des Orientierungswertes zu verhandeln.

Leistungsmenge: Veränderungsraten

Weitere zusätzliche Gelder werden die Krankenkassen im nächsten Jahr bereitstellen, um den wachsenden Behandlungsbedarf aufgrund einer steigenden Morbidität und des zunehmenden Alters der Bevölkerung zu decken. Der Bewertungsausschuss beschloss für jeden KV-Bereich zwei regionale Veränderungsraten – für die Morbidität und für die Demografie. Aus den regionalen Raten ergeben sich im Bundesdurchschnitt eine Demografierate von -0,02 Prozent und eine diagnosebezogene Rate von 0,66 Prozent. Bei einer Berücksichtigung beider Raten zu je 50 Prozent ergibt sich ein Honorarplus von etwa 79,3 Millionen Euro (0,32 Prozent).

Über die genaue Höhe des Betrages verhandeln die Kassenärztlichen Vereinigungen mit den Krankenkassen auf Landesebene.

Nachzahlung für 2015

Zwölf KV-Bereiche erhalten zudem eine Nachzahlung für das Jahr 2015 in Höhe von insgesamt 8,5 Millionen Euro. Grund ist, dass in dem Jahr der morbiditätsbedingte Behandlungsbedarf stärker als erwartet angestiegen war. Laut Gesetz sind die Krankenkassen in solchen Fällen verpflichtet, nachträglich zusätzliche Finanzmittel zur Verfügung zu stellen.

Ausbudgetierung von Laborleistungen

Die KBV fordert die Ausdeckelung sämtlicher Laborleistungen aus der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung. Der Erweiterte Bewertungsausschuss hat nun im Rahmen der Honorarverhandlungen die KBV und den GKV-Spitzenverband beauftragt, über bessere Steuerungsinstrumente zu verhandeln. Damit ist aus Sicht der KBV eine extrabudgetäre Vergütung der Laborleistungen nicht mehr ausgeschlossen. Hintergrund der Forderung ist, dass die Menge an Laborleistungen von Jahr zu Jahr enorm zunimmt, ohne dass die Krankenkassen das entsprechende Geld bereitstellen.

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