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Praxisnachrichten

Hyperbare Sauerstofftherapie beim diabetischen Fußsyndrom

28.09.2017 - Patienten mit einem schweren diabetischen Fußsyndrom können künftig auch ambulant mit der hyperbaren Sauerstofftherapie behandelt werden. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss beschlossen. Allerdings müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein.

Beim diabetischen Fußsyndrom leiden Patienten an schlecht heilenden Wunden am Fuß. Bundesweit sind Experten zufolge etwa drei Prozent der Diabetiker betroffen. Zur Standardtherapie gehören medikamentöse Behandlung, Wunddebridement, Verbände, Druckentlastung und chirurgische Maßnahmen.

Bei der hyperbaren Sauerstofftherapie atmen die Betroffenen unter erhöhtem Luftdruck in einer Druckkammer reinen Sauerstoff ein. So soll das Wundgewebe mit mehr Sauerstoff versorgt werden, um die Heilung anzuregen.

Zusätzliche Therapiemöglichkeit

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat nun beschlossen, dass diese Behandlungsmethode auch in der vertragsärztlichen Versorgung angewendet werden darf – aber nur, wenn bereits Standardtherapien durchgeführt wurden und diese erfolglos geblieben sind. Eine weitere Voraussetzung ist, dass die Läsion Gelenkkapsel oder Sehnen einschließt („Wagner-Stadium II“).

Spezielle Einrichtungen

Für die hyperbare Sauerstofftherapie wird eine Druckkammer benötigt, in der ein erhöhter Luftdruck erzeugt und reiner Sauerstoff eingeatmet werden kann. Dies ist in der Regel nur in speziellen Einrichtungen möglich, beispielsweise in Tauch- und Überdruckzentren.

Überweisung durch bestimmte Fachärzte

Die Überweisung an ein solches Druckkammerzentrum dürfen nur besonders qualifizierte Fachärzte ausstellen. Berechtigt sind Fachärzte für Innere Medizin und Endokrinologie und Diabetologie (in dieser Kombination) sowie Fachärzte für Innere Medizin oder für Allgemeinmedizin jeweils mit der Anerkennung „Diabetologie“ oder „Diabetologe Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)“ beziehungsweise vergleichbarer Qualifikation.

Vergütung wird noch geregelt

Vertragsärzte dürfen die hyperbare Sauerstofftherapie erst dann durchführen und abrechnen, wenn der Bewertungsausschuss über die Vergütung im EBM verhandelt hat. Er hat dazu sechs Monate nach Inkrafttreten des Beschlusses Zeit.

Der Beschluss des G-BA wird jetzt zunächst vom Bundesgesundheitsministerium geprüft und tritt nach seiner Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft.

Hyperbare Sauerstofftherapie

Der G-BA hat sich bereits mehrmals mit der hyperbaren Sauerstofftherapie als stationäre und ambulante Behandlungsmethode beim diabetischen Fußsyndrom befasst. Im Jahr 2000 wurde die Methode als Leistung in der ambulanten Versorgung nicht anerkannt. Im Krankenhaus war sie ab 2008 in Ausnahmefällen ab einer Wundtiefe des sogenannten Wagner-Stadiums III möglich (Wunde bis zu Knochen und Gelenken).

Im Jahr 2014 wurde ein erneutes Beratungsverfahren eröffnet. Trotz eines nicht eindeutig belegten medizinischen Nutzens hat der G-BA am 21. September 2017 beschlossen, Patienten diese ergänzende ambulante Behandlungsmöglichkeit zu eröffnen. Stationär und ambulant darf die hyperbare Sauerstofftherapie künftig ab einer Wundtiefe des sogenannten Wagner-Stadiums II angewendet werden (Wunde bis zu Gelenkkapsel, Sehnen, Knochen).

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