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Kriedel: Elektronische Patientenakte muss der Versorgung dienen

05.10.2017 - Die im E-Health-Gesetz verankerte elektronische Patientenakte muss aus Sicht der KBV vor allem versorgungsrelevant und interoperabel sein. Zudem müsse die Datensicherheit gewährleistet sein, sagte KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel am Mittwoch auf einem Diskussionsforum, zu dem die KBV eingeladen hatte.

Als weiteres wichtiges Kriterium nannte er, dass es für jeden Patienten nur eine Akte geben soll. Es dürften keine Insel- und Parallellösungen entstehen, fügte Kriedel hinzu. Auch könne die elektronische Patientenakte (ePA) die bestehenden Kommunikationswege insbesondere zwischen Arzt und Arzt nicht ersetzen. Darüber hinaus muss aus Kriedels Sicht zusätzliche Bürokratie vermieden werden. Deshalb sollte es möglich sein, sie in bestehende Praxisabläufe zu integrieren.

Keiner werde dieses „Mammutprojekt allein stemmen können“, sagte Kriedel. Deshalb sei der Austausch äußerst wichtig. Generell begrüße die KBV die geplante Einführung der ePA, denn sie könne die Kommunikation zwischen Ärzten, Psychotherapeuten, anderen nichtärztlichen Gesundheitsberufen und Patienten verbessern und somit die Qualität und Effizienz in der Versorgung steigern. Die KBV hatte zu der Veranstaltung Vertreter der Politik, der Krankenkassen und der IT-Branche sowie Ärzte und Psychotherapeuten eingeladen.

Datenschutz hat oberste Priorität

Die positiven Aspekte der elektronischen Patientenakte betonte auch Oliver Schenk vom Bundesgesundheitsministerium. Die Akte stärke die Rolle des Patienten und binde ihn mehr in die Behandlung ein. Zudem könnten unnötige und zumeist belastende Doppeluntersuchungen vermieden werden.

Deshalb sollte die ePA Schenk zufolge schnell in der medizinischen Versorgung eingesetzt werden können. Dies werde stufenweise erfolgen. Zunächst würden Arztbriefe, Medikationsplan und Notfalldaten in die Akte aufgenommen. In einer zweiten Stufe gehe es dann unter anderem um Impf- und Mutterpass sowie um Entlassbriefe.

Zugleich hob auch Schenk hervor, dass der Datenschutz und die Patientenselbstbestimmung oberste Priorität habe. Der Patient entscheide, welche Daten in seiner elektronischen Akte stehen.

Dieser Punkt wurde in der Diskussion eher kritisch gesehen. Ärzte wandten ein, dass der Patient dann Behandlungen beispielsweise beim Psychiater unter Umständen verschweigt und der Arzt nicht davon ausgehen könne, dass er einen vollständigen Überblick über den Gesundheitszustand des Patienten habe.

AOK und TK stellen erste Modelle vor

Vertreter der AOK und der Techniker Krankenkasse stellten in ihren Vorträgen jeweils ein Beispiel für eine elektronische Gesundheitsakte vor. Die KBV präsentierte, wie die ePA in der Praxis genutzt werden kann.

Eigenes Patientenfach in der ePA

Die ePA ist bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen eines der wichtigsten Vorhaben. Sie ist im 2015 verabschiedeten E-Health-Gesetz verankert. Dabei hat der Patient die gesetzlich festgelegte absolute Hoheit über Daten und Zugriffsrechte an seiner Akte. Da somit nur er die Vollständigkeit der eingestellten Daten gewährleisten kann, ist die elektronische Patientenakte eine Ergänzung zu bereits bestehenden Dokumentations- und Kommunikationswegen.

Die ePA beinhaltet auch ein elektronisches Patientenfach. Dies soll dem Patienten ermöglichen, selbst Daten in einem Onlinefach zu speichern und auch außerhalb der Arztpraxis einzusehen – beispielsweise selbstgemessene Blutzucker- oder Blutdruckwerte. Die Daten aus der ePA sollen auf Wunsch des Patienten auch in sein elektronisches Patientenfach aufgenommen werden.

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