Logo-KBV

KBV Hauptnavigationen:

Sie befinden sich:

 

Praxisnachrichten

Bürokratieindex 2017: Belastung in den Arztpraxen leicht gestiegen

26.10.2017 - Der Verwaltungsaufwand in deutschen Arztpraxen hat im Vergleich zum Vorjahr leicht zugenommen. Das zeigt der zweite Bürokratieindex, den die KBV jetzt veröffentlicht hat. Danach wenden Ärzte und Psychotherapeuten etwa 54 Millionen Arbeitsstunden pro Jahr für administrative Pflichten auf – das ist ein Anstieg von 0,2 Prozent.

„Bürokratieabbau ist kein Selbstläufer – während an einer Stelle erfolgreich Bürokratie abgebaut wird, entstehen an anderer Stelle neue Belastungen“, sagte KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel bei der Vorstellung des Bürokratieindex vor Journalisten.

Eine deutliche Reduzierung der Bürokratie habe dieses Jahr zum Beispiel mit der Vereinfachung der Chronikerbescheinigung erreicht werden können, erläuterte er. Diese Entlastung würde jedoch unter anderem durch den vermehrten Aufwand bei der Verordnung von Krankenbeförderungen wieder aufgehoben. Grund seien die demografische Entwicklung und die damit verbundenen höheren Fallzahlen.

Kriedel: Bürokratie um 25 Prozent runter

Angesichts des aktuellen Bürokratieindex fordert die KBV, ein verbindliches Abbauziel von 25 Prozent gesetzlich zu verankern. „Die Reduzierung des Bürokratieaufwands im vertragsärztlichen Bereich um 25 Prozent in den nächsten fünf Jahren würde jährlich über 13 Millionen Stunden zusätzlich für die Versorgung der Patienten bringen“, hob Kriedel hervor. Kostbare Zeit, die angesichts des demografischen Wandels dringend gebraucht werde. Zugleich betonte er, dass beim Bürokratieabbau nicht nur die Selbstverwaltung gefragt sei. Auch die Vorgaben des Gesetzgebers würden maßgeblich über den Bürokratieaufwand in den Arztpraxen entscheiden.

Index sorgt für Transparenz

„Wirksame Bürokratiekostenkontrolle erfordert zunächst die Messung der bürokratischen Belastung“, sagte Professor Volker Wittberg, Leiter des Nationalen Zentrums für Bürokratiekostenabbau (NZBA) und Prorektor an der Fachhochschule des Mittelstands (FHM). Mit dem entwickelten Bürokratieindex sei die nötige Transparenz für eine bessere Regulierung geschaffen worden.

Die KBV und die FHM haben den Bürokratieindex jetzt zum zweiten Mal erarbeitet. Für die jährliche Ermittlung des Index wird nur der Anteil an Verwaltungsaufgaben betrachtet, der durch Vorgaben der Selbstverwaltung auf Bundesebene verursacht wird. Allein für diese Aufgaben gehen in den Arztpraxen im Schnitt 60 Tage pro Jahr drauf. Gesetzliche Regelungen fallen nicht darunter. Diese werden durch das Statistische Bundesamt in einem eigenen Index geführt.

Überweisungen und Kassenauskünfte sind Spitzenreiter

Dem Index zufolge werden knapp 90 Prozent aller bürokratischen Belastungen für Ärzte und Psychotherapeuten durch nur 6,5 Prozent der administrativen Pflichten ausgelöst. Spitzenreiter sind das Ausstellen von Überweisungen und das Erteilen von Auskünften an die Krankenkassen und den Medizinischen Dienst. Dafür gehen die meisten Stunden drauf.

Immer noch ganz vorn liegt auch die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, bei der der Aufwand durch die steigende Zahl der Krankschreibungen gestiegen ist.

Eine zusätzliche Informationspflicht stellt die in diesem Jahr neu eingeführte „Präventionsempfehlung“ dar, die Ärzte in Form einer ärztlichen Bescheinigung ausstellen.

Entlastung bei Chronikerbescheinigung

Bei der „Chronikerbescheinigung“ trug die Neugestaltung des Formulars zu einer deutlichen Zeitersparnis bei. Zudem kann der Vordruck nun IT-gestützt befüllt werden.

Zu weniger Bürokratie hat auch eine Neuregelung bei der Abnahmeprüfung von Ultraschallgeräten beigetragen. In der Vergangenheit mussten Ärzte aufwändige Testbilder des neuen Gerätes anfertigen und einreichen. Jetzt reicht eine Gewährleistungserklärung des Herstellers aus.

Psychotherapeuten: Verschlankung des Antragsverfahrens

Die Reform der Psychotherapie-Richtlinie hat vor allem durch die Verschlankung des Antragsverfahrens zu einem Abbau von Bürokratie geführt. Vereinfacht wurde beispielsweise die Antragsstellung auf Fortsetzung der Behandlung; das Gutachterverfahren bei der Kurzzeittherapie ist nicht mehr regelhaft erforderlich.

Normenkontrollrat bestätigt Fortschritte beim Bürokratieabbau

Dem Bürokratieindex zugrunde liegt eine Messung der Bürokratiekosten in Praxen durch das Statistische Bundesamt aus dem Jahr 2013. Diese war im Rahmen des Projektes „Mehr Zeit für Behandlung“ des Nationalen Normenkontrollrats durchgeführt worden.

Am Montag hatte der Normenkontrollrat eine positive Bilanz des Projektes gezogen, das unter anderem mit Unterstützung der KBV durchgeführt wurde. Von den 13 Handlungsempfehlungen für den vertragsärztlichen Bereich sind 10 bereits umgesetzt oder befinden sich aktuell in einem fortgeschrittenen Stadium.

Online-Forum „Mehr Zeit für Patienten“

Ärzte und Psychotherapeuten, die konkrete Vorschläge für den Bürokratieabbau in der Praxis haben, können diese der KBV über das Online-Forum „Mehr Zeit für Patienten“ mitteilen. Das Online-Forum sammelt Hinweise, mit denen sich der Verwaltungsaufwand in den Praxen reduzieren lässt und macht sie öffentlich. Das Portal ist über das Sichere Netz der Kassenärztlichen Vereinigungen erreichbar. Die KBV setzt sich mit den Vorschlägen auseinander und prüft, inwieweit sie umsetzbar sind.

Besucher des Online-Forums geben nach der Anmeldung im Sicheren Netz in das Browser-Fenster die Adresse http://buerokratieabbau.kv-safenet.de ein, oder gehen über das Portal ihrer KV und den dort eingestellten Link zum Online-Forum.

Mehr zum Thema

zu den PraxisNachrichten