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Praxisnachrichten

Verwechslung von Patienten vorbeugen

02.11.2017 - Nur ständige Aufmerksamkeit kann Verwechslungen von Patienten bei der medizinischen Versorgung vermeiden. Wichtigste Voraussetzung ist dabei, dass jeder Patient zu jedem Zeitpunkt zweifelsfrei identifiziert werden kann. Das zeigt ein aktueller Fall des Fehlermeldesystems „CIRSmedical.de“.

In dem CIRS-Fall wollte ein Arzt im Krankenhaus einem Patienten ein Erythrozytenkonzentrat anhängen. Als die Pflegekraft ins Zimmer kam, stellte sie fest, dass der Arzt am Bett des falschen Patienten stand und konnte die Verwechslung verhindern. Der Mediziner hatte versäumt, den Patienten klar zu identifizieren.

Empfehlungen für den ambulanten Bereich

Da solche und ähnliche Vorkommnisse erfahrungsgemäß auch im ambulanten Bereich möglich wären, wurden unter Federführung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Westfalen-Lippe Handlungsempfehlungen mit praktischen Anleitungen zur Fehlervermeidung entwickelt. Darin ist aufgeführt, worauf Praxen besonders achten sollten, um Verwechselungen zu vermeiden.

Das A und O ist danach die aktive Ansprache. Ärzte und Praxismitarbeiter sollten ihre Patienten direkt nach ihrem Namen fragen und sie mit ihrem Namen ansprechen. Auch bei vermeintlich bekannten Patienten sei es gut, sich nochmals zu vergewissern, dass zum Beispiel Herr Meyer wirklich Herr Meyer ist.

Um eine Verwechslung zu vermeiden, sollten die elektronisch erfassten Stammdaten des Versicherten wie Vorname, Nachname, Anschrift und Geburtsdatum möglichst bei jeder Vorstellung erneut abgeglichen werden. Zudem ist wichtig, dass die Kommunikation an den Schnittstellen innerhalb des Praxisablaufs reibungslos funktioniert.

Falsche Etikettierungen bei der Blutabnahme

Die zweifelsfreie Identifizierung des Patienten spielt insbesondere bei der Blutabnahme eine wichtige Rolle. Auch hier gilt, den Patienten mit den Fragen „Wie heißen Sie und wann sind Sie geboren?“ aktiv anzusprechen. Wenn möglich, sollten den Patienten ihre gefüllten Röhrchen mit ihrem Namen gezeigt werden.

Denn zu den häufigsten Fehlern bei der Blutentnahme zählen falsche Etikettierungen der Proben. In einigen Fällen werden anstatt der Probenröhrchen die Umverpackungen für den Versand ins Labor beschriftet. Rutschen die Röhrchen heraus, besteht die Gefahr des falschen Zuordnens der Probe. Empfohlen wird außerdem, das Beschriften des Probengefäßes vor der Entnahme des Blutes vorzunehmen.

Alarmiert sollte der Arzt sein, wenn Werte auf der Laborauswertung angegeben sind, die beim Labor gar nicht angefordert wurden. Dann liegt aller Wahrscheinlichkeit nach eine Verwechslung vor.

Basis liefert Aktionsbündnis Patientensicherheit

Die Handlungsempfehlungen hat die KV Westfalen-Lippe in Zusammenarbeit mit anderen KVen, der KBV sowie dem Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) und niedergelassenen Fachärzten erarbeitet. Die Basis bildeten dabei die bereits 2008 vom APS entwickelten Hinweise für Krankenhäuser.

Das Berichts- und Lernsystem CIRSmedical.de

CIRSmedical.de ist das Berichts- und Lernsystem der deutschen Ärzteschaft für kritische Ereignisse in der Medizin. Die Buchstaben "CIRS" stehen für Critical Incident Reporting-System. Alle im Gesundheitswesen Tätige können dort anonym über Fehler berichten und so gegenseitig aus Fehlern und kritischen Ereignissen lernen. Betreiber ist das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ), das das System im Auftrag von KBV und Bundesärztekammer bereitstellt.

So funktioniert CIRSmedical.de

Der Zeitaufwand für die Eingabe eines CIRS-Berichts beträgt maximal zehn Minuten und erfolgt anonym: Es wird nur die Berufsgruppe der berichtenden Person festgehalten. Der Bericht sollte keine Angaben enthalten, die Rückschlüsse auf Personen oder Einrichtungen erlauben.

Neben Alter und Geschlecht des Patienten können auch Ereignisart, Ereignisort (z. B. Praxis, Krankenhaus, Hausbesuch) und Fachdisziplin angegeben werden. In den Freitextfeldern sollte das Ereignis so detailliert wie möglich beschrieben werden. Darüber hinaus kann eingeschätzt werden, wie häufig das Ereignis auftritt und ob dadurch ein Schaden für den Patienten entstanden ist.

Die eingegebenen Berichte werden zunächst daraufhin geprüft, ob sie das Prinzip der Anonymität in Bezug auf genannte Personen und Einrichtungen beachten. Ärztliche Experten prüfen zudem die inhaltlichen Angaben und geben die Berichte zur Veröffentlichung in CIRSmedical.de frei.

Nutzer können unter www.cirsmedical.de Berichte über den Button „Berichten & Lernen“ eingeben und ansehen. Hier besteht auch die Möglichkeit, zu jedem Bericht Kommentare abzugeben.

Weitere ausgewählte Fälle aus dem „Netzwerk CIRSmedical.de“ finden Sie hier.

Risiko- und Fehlermanagement mit QEP

Das Qualitätsmanagement-System der Kassenärztlichen Vereinigungen und der KBV, QEP - Qualität und Entwicklung in Praxen®, unterstützt die Praxen im Umgang mit Fehlern und Risiken. QEP beinhaltet konkrete Vorschläge zur Organisation von Abläufen, zur Regelung von Verantwortlichkeiten sowie Tipps zur Dokumentation in der Patientenakte.

Dabei stehen besonders sicherheitsrelevante Prozesse rund um die Patientenversorgung im Mittelpunkt. Aber auch wirtschaftliche Risiken, die sich unter anderem durch eine fehlerhafte Abrechnung, eine unvollständige Dokumentation sowie durch Missverständnisse in der internen und externen Kommunikation ergeben können, werden angesprochen.

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