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Terminvermittlung künftig auch für Richtlinien-Psychotherapie

09.11.2017 - Die Terminservicestellen müssen auch Termine für probatorische Sitzungen bei Psychotherapeuten vermitteln, wenn eine zeitnahe Behandlung erforderlich ist. Das hat das Bundesschiedsamt am Dienstag gegen die Stimmen der KBV entschieden.

Nach dem Beschluss des Bundesschiedsamtes können sich Patienten künftig auch dann an die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) wenden, wenn sie dringend eine Richtlinien-Psychotherapie benötigen. Voraussetzung ist, dass ein Therapeut auf der individuellen Patienteninformation (PTV 11) eine zeitnahe Behandlung empfohlen hat.

Bevor die Änderung in Kraft treten kann, muss noch die Psychotherapie-Vereinbarung angepasst werden. Unter anderem wird das Formular PTV 11 überarbeitet.

Schiedsamt folgte Forderung der Kassen

Auf die Erweiterung der Terminvermittlung hatte der GKV-Spitzenverband gedrängt. Er wollte ursprünglich erreichen, dass die Servicestellen ohne bestimmte Voraussetzungen sämtliche Termine für probatorische Sitzungen und damit für die Richtlinien-Psychotherapie vermitteln müssen. Die KBV lehnte dies mit Hinweis auf die gesetzlichen Regelungen ab, weshalb schließlich das Bundesschiedsamt eingeschaltet werden musste.

Nach dem Gesetz sind die KVen verpflichtet, Termine für ein Erstgespräch sowie die sich „aus der Abklärung ergebenden zeitnah erforderlichen Behandlungstermine“ zu vermitteln. Nach Auffassung der KBV handelt es sich dabei ausschließlich um Termine für die Sprechstunde und für die Akutbehandlung.

KBV erwägt Klage

Beide Versorgungsangebote waren zum 1. April neu eingeführt worden, um Patienten mit psychischen Erkrankungen eine zeitnahe Behandlung bei einem Psychotherapeuten zu ermöglichen. „Wir werden prüfen, ob wir gegen den Beschluss des Bundesschiedsamtes klagen“, sagte KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen.

Therapeut muss Dringlichkeit bescheinigen

Nach dem Entscheid des Bundesschiedsamtes müssen die Patienten zunächst eine Sprechstunde besuchen, um über die Servicestellen einen Termin für eine probatorische Sitzung zu erhalten. Nur wenn der Therapeut anschließend eine psychotherapeutische Behandlung empfiehlt und diese auf dem Formular PTV 11 als „zeitnah“ erforderlich kennzeichnet, hat der Patient Anspruch.

Der Beschluss sieht außerdem vor, dass die Terminservicestellen dem Versicherten einen weiteren Termin vermitteln sollen, falls sich in der probatorischen Sitzung zeigt, dass Therapeut und Patient nicht zusammenarbeiten können.

Vier-Wochen-Frist für Akutbehandlungen bleibt

Eine weitere Anpassung, die der GKV-Spitzenverband gefordert hatte, betrifft die Terminvermittlung für Akutbehandlungen: Die maximale Wartezeit sollte von vier auf zwei Wochen abgesenkt werden. Das konnte abgewendet werden.

Angepasst wird hingegen die Regelung zur Behandlung im Krankenhaus, wenn den Versicherten dort ein Termin vermittelt wurde. Wenn die Patienten-Therapeuten-Kontinuität gewährleistet ist, darf die gesamte psychotherapeutische Behandlung dort erfolgen und muss nicht nach sechs Wochen enden, entschied das Bundesschiedsamt. Diese Sechs-Wochen-Frist gilt sonst für Patienten, die über die Servicestellen zur fachärztlichen Behandlung in ein Krankenhaus geschickt werden.

Gesetzlicher Auftrag für Terminservicestellen

Die Bundesregierung hatte die KVen mit dem Versorgungsstärkungsgesetz verpflichtet, bis zum 23. Januar 2016 sogenannte Terminservicestellen einzurichten. Ihre Aufgabe ist es, gesetzlich Krankenversicherten innerhalb einer Woche einen Termin beim Facharzt zu vermitteln – wenn eine entsprechend gekennzeichnete Überweisung vorliegt. Wartezeit auf den Termin: höchstens vier Wochen.

Wenn die Terminservicestelle binnen einer Woche keinen Termin bei einem niedergelassenen Facharzt mitteilen kann, muss sie dem Patienten einen ambulanten Behandlungstermin in einem Krankenhaus anbieten. Ein gesetzlicher Anspruch auf einen Termin innerhalb von vier Wochen beim „Wunscharzt“ besteht nicht. Die Terminvermittlung erfolgt regional durch die KVen.

Freie Termine der KV melden

Informationen zur Meldung freier Termine zur Vermittlung durch die Terminservicestellen erhalten Therapeuten von ihrer Kassenärztlichen Vereinigung.

Psychotherapie: Details zur Terminvermittlung

Terminservicestellen

Seit Inkrafttreten der neuen Psychotherapie-Richtlinie am 1. April 2017 müssen die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen Patienten auch freie Termine bei Psychotherapeuten vermitteln. Dabei geht es um Termine für die Psychotherapeutische Sprechstunde und die Akutbehandlung. Künftig gilt dies auch für probatorische Sitzungen und damit auch für die Kurz- und Langzeittherapien (Richtlinien-Psychotherapie).

Eine Überweisung – so sieht es die gesetzliche Regelung vor – ist generell nicht erforderlich.

Voraussetzungen probatorische Sitzung (noch nicht in Kraft)

Patienten, die sich künftig wegen einer probatorischen Sitzung an eine Servicestelle wenden, müssen zuvor eine Psychotherapeutische Sprechstunde aufgesucht haben. Denn Voraussetzung für die Vermittlung eines Termins ist, dass der Psychotherapeut in der individuellen Patienteninformation (PTV 11) eine Empfehlung für eine zeitnahe psychotherapeutische Behandlung ausgesprochen hat.

Der Patient hat Anspruch auf einen weiteren Termin bei einem anderen Therapeuten, falls sich in der probatorischen Sitzung zeigt, dass Therapeut und Patient nicht zusammenarbeiten können.
Eine Ausnahme besteht, wenn der Patient aus einer stationären Krankenhausbehandlung oder aus einer rehabilitativen Behandlung entlassen wird. In diesen Fällen kann er sich direkt an eine Terminservicestelle wenden.

Voraussetzungen Akutbehandlung

Patienten, die sich wegen einer Akutbehandlung an eine Servicestelle wenden, müssen zuvor eine Psychotherapeutische Sprechstunde aufgesucht haben. Denn Voraussetzung für die Vermittlung eines Termins ist, dass der Psychotherapeut in der individuellen Patienteninformation (PTV 11) eine Empfehlung für eine Akutbehandlung ausgesprochen hat.

Eine Ausnahme besteht, wenn der Patient aus einer stationären Krankenhausbehandlung oder aus einer rehabilitativen Behandlung entlassen wird. In diesen Fällen kann er sich direkt an eine Terminservicestelle wenden.

Termin innerhalb von vier Wochen

Die Terminservicestellen sind verpflichtet, den Patienten einen Termin beim Psychotherapeuten innerhalb von vier Wochen anzubieten.

Ist das nicht möglich, sollen sie einen Termin im Krankenhaus vermitteln. Dort, so sieht es die Vereinbarung vor, dürfen nur ärztliche und psychologische Psychotherapeuten die Behandlung durchführen, die über die gleiche fachliche Befähigung verfügen wie Vertragspsychotherapeuten.

Kein Termin beim „Wunsch-Therapeuten“

Bei der Vermittlung von Terminen bei Psychotherapeuten gilt im Übrigen das Gleiche wie bei der Vermittlung von Facharztterminen: Die Versicherten haben keinen Anspruch auf einen Termin bei einem bestimmten Psychotherapeuten (kein „Wunsch-Therapeut“). Patienten sollten sich deshalb möglichst direkt an eine Praxis wenden, um einen Termin zu vereinbaren.

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