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Forschungspreis zur Rolle der Ärzte in der NS-Zeit verliehen

23.11.2017 - Der Forschungspreis zur Rolle der Ärzteschaft in der Zeit des Nationalsozialismus ist am Mittwoch verliehen worden. Mit dem „Herbert-Lewin-Preis“ werden seit 2006 wissenschaftliche Arbeiten ausgezeichnet, die sich mit der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit auseinandersetzen.

Zwei erste Preise

Aufgrund der vielen exzellenten Studien hat sich die Jury in diesem Jahr für zwei erste Preise entscheiden. Diese sind mit jeweils 7.500 Euro dotiert.

Geehrt wurden die Ärztin Dr. Ulrike Eisenberg und die Ärzte Prof. Dr. Hartmut Collmann und Dr. Daniel Dubinski für ihre Publikation „Verraten – Vertrieben – Vergessen. Werk und Schicksal nach 1933 verfolgter deutscher Hirnchirurgen“.

Ein weiterer erster Preis ging an Dr. Jessica Tannenbaum für ihre Arbeit „Medizin im Konzentrationslager Flossenbürg 1938-1945. Biographische Annäherung an Täter, Opfer und Tatbestände“.

Prof. Dr. Herbert Lewin (1899-1982), nach dem der Forschungsreis benannt ist, war ein deutscher Arzt und von 1963 bis 1969 Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland.

Aktuelle Fragestellungen anregen

Das Bundesgesundheitsministerium, die Bundesärztekammer und die KBV hatten den Forschungspreis zur Rolle der Ärzteschaft in der Zeit des Nationalsozialismus nunmehr zum sechsten Mal ausgelobt.

Zur Jury gehören neben Vertretern der Auslober auch der Zentralrat der Juden in Deutschland sowie der Bundesverband Jüdischer Ärzte und Psychologen in Deutschland. Das Gremium verwies darauf, dass die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit nicht nur aus moralischer und ethischer Sicht geboten sei, sondern auch aktuelle ethische Fragestellungen anrege.

Seit zwei Jahren unterstützt auch die Bundeszahnärztekammer den Preis. Teilnehmen können Ärzte, Zahnärzte und Psychotherapeuten, Studenten sowie an medizinischen Fakultäten oder medizinhistorischen Instituten tätige Wissenschaftler.

Ziel des Preises ist die historische Aufarbeitung, aber auch die Erinnerung an engagierte Ärzte und Zahnärzte, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden.

Lebensdaten von Prof. Dr. Herbert Lewin

Prof. Dr. med. Herbert Lewin (1899-1982) war ein deutscher Arzt und von 1963 bis 1969 Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland. Nach dem Medizinstudium und der Promotion 1924 arbeitete er in der jüdischen Poliklinik Berlin. 1932 reichte er eine Habilitationsschrift ein, die jedoch aus antisemitischen Gründen nicht akzeptiert wurde.

Lewin wurde 1941 deportiert und arbeitete in mehreren Konzentrationslagern als Häftlingsarzt. Seine Frau Alice, die er 1925 geheiratet hatte, starb in der KZ-Haft. Er kehrte aus der Haft zurück und wurde 1950 Chefarzt an der Städtischen Frauenklinik in Offenbach. Ein Jahr zuvor war Lewin die Berufung zunächst mit der Begründung verweigert worden, dass sich keine Frau ihm ruhigen Gewissens anvertrauen kann, da ihm das Rachegefühl eines KZ-Häftlings innewohne.

Am 4. Oktober 2004 wurde der Platz an der Wegelystraße nach Herbert Lewin benannt. Dort hat auch die KBV ihren Sitz.

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