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Praxisnachrichten

Multiple Sklerose tritt häufiger auf als bislang angenommen

07.12.2017 - Die Autoimmunerkrankung Multiple Sklerose tritt häufiger auf als bislang angenommen. Zudem gibt es große regionale Unterschiede. Zu diesen Ergebnissen kommen die Wissenschaftler des Versorgungsatlas, die Abrechnungsdaten aus dem vertragsärztlichen Bereich auswerteten.

Für 2010 wurde der von Multiple Sklerose (MS) betroffene Bevölkerungsanteil bundesweit auf etwa 0,3 Prozent geschätzt. Darüber hinaus lagen bisher keine aktuelleren Daten zur deutschlandweiten Entwicklung der Krankheitshäufigkeit vor.

Daher untersuchten nun die Wissenschaftler des Versorgungsatlas des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung, bei wie vielen Patienten pro Jahr MS in der ambulanten Versorgung diagnostiziert wurde: Für den Zeitraum 2009 bis 2015 ist deren Anzahl um 30 Prozent von 172.000 auf rund 224.000 Patienten gestiegen. Dabei wurden Frauen etwa 2,5 mal häufiger behandelt als Männer. Frauen erkrankten besonders häufig im Alter von 25 bis 29 Jahren und Männer zwischen dem 35. und 39. Lebensjahr.

Regionale Unterschiede: Mehr MS-Patienten im Westen

Bei der Häufigkeit von Neuerkrankungen traten große regionale Unterschiede zutage, wobei es mehr MS-Patienten in Westdeutschland gibt. Besonders viele MS-Neuerkrankungen traten im Jahr 2015 in den nordwestdeutschen Bundesländern Schleswig-Holstein, Bremen, Niedersachsen aber auch im Saarland auf. Demgegenüber erkrankten vergleichsweise wenige Menschen in Ostdeutschland. Mit 22 Neuerkrankungen pro 100.000 Versicherte wurde der Höchstwert in Schleswig-Holstein erreicht, während die niedrigste Fallzahl in Sachsen-Anhalt auftrat (14 pro 100.000).

Weitere Studien zu Ursachen

Insgesamt war das Risiko im Jahr 2015 an einer MS zu erkranken in West- gegenüber Ostdeutschland um etwa 20 Prozent erhöht. Die Ursachen für diese regionalen Unterschiede der Erkrankungshäufigkeit sind bisher nicht bekannt. Diese sollten aus Sicht der Wissenschaftler des Versorgungsatlas in weiteren Studien erforscht werden. Positiv hervorzuheben ist, dass sich die Therapiemöglichkeiten der MS in den vergangenen zwei Jahrzehnten entscheidend verbessert haben.

Datengrundlage für die Analyse bildeten die bundesweiten vertragsärztlichen Abrechnungsdaten der Jahre 2009 bis 2016. Die untersuchten Daten umfassen alle gesetzlich krankenversicherten Patienten, die in dem Untersuchungszeitraum mindestens einen Arztkontakt hatten und repräsentieren somit etwa 85 Prozent der Bundesbevölkerung

Versorgungsatlas

Der Versorgungsatlas ist eine Einrichtung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi). Er wurde institutionalisiert als öffentlich zugängliche Informationsquelle mit Studien zur medizinischen Versorgung in Deutschland. Schwerpunkt der Studien sind regionale Unterschiede in der Versorgung sowie deren unterschiedliche Strukturen und Abläufe.

Die Analysen sollen Anhaltspunkte liefern, wie die Versorgung verbessert werden kann. In Foren kann jeder Beitrag öffentlich diskutiert werden. Die Analysen der Wissenschaftler des Versorgungsatlas basieren auf den bundesweiten Abrechnungsdaten der vertragsärztlichen Versorgung in Deutschland.

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