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Praxisnachrichten

MRSA-Sanierung in der häuslichen Krankenpflege richtig verordnen

14.12.2017 - Die MRSA-Sanierung kann seit einigen Jahren in der häuslichen Krankenpflege erfolgen. Bei der Verordnung sollten Ärzte die individuell erforderlichen Maßnahmen möglichst konkret angeben. Hierzu gehört auch, den täglichen Wechsel von Textilien zu berücksichtigen.

Immer wieder sind Patienten von einer Kolonisierung mit einem Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) betroffen. Ziel einer MRSA-Eradikationstherapie ist die vollständige Beseitigung der Keime.

Seit 2014 kann die Eradikationstherapie in der häuslichen Krankenpflege erfolgen. Ärzte können die Sanierung im Rahmen der vertragsärztlich abrechenbaren Behandlung und Betreuung von MRSA-Trägern verordnen. Entsprechend der ärztlichen Verordnung führen dann die Pflegekräfte die MRSA-Eradikation durch.

Sanierungsmaßnahmen konkret benennen

Die einzelnen Therapiemaßnahmen, die der Arzt verordnen kann, richten sich nach dem individuellen Bedarf des Patienten. Wichtig ist jedoch, diese konkret zu benennen. Ärzte können zum Beispiel die Applikation einer antibakteriellen Nasensalbe, die Mund- und Rachenspülung mit einer antiseptischen Lösung und die Dekontamination von Haut und Haaren mit antiseptischen Substanzen verordnen.

Sie sollten jedoch auch an die Textilien denken. Denn in Ausnahmefällen kann der tägliche Wechsel beispielsweise der Bettwäsche und die tägliche Desinfektion von Gegenständen, die mit Haut oder Schleimhaut Kontakt haben, erforderlich sein, damit die Eradikationstherapie erfolgreich verläuft.

Ein solcher Ausnahmefall liegt vor, wenn Patienten etwa aufgrund von körperlichen oder geistigen Einschränkungen nicht in der Lage sind, die begleitenden Sanierungsmaßnahmen selbst durchzuführen oder durch Angehörige durchführen zu lassen – und sofern sie keinen Anspruch auf Leistungen nach dem SGB XI (Pflegeversicherung) haben.

Verordnung auf Formular 12

Zur Verordnung nutzen Vertragsärzte Formular 12 „Verordnung häuslicher Krankenpflege“. Sie geben dort die Leistungsnummer 26a oder „Durchführen der Sanierung von MRSA-Trägern mit gesicherter Diagnose“ an.

Zudem geben sie dort die konkreten Maßnahmen an, zum Beispiel „zwei Mal täglich Applikation einer antibakteriellen Nasensalbe“ oder „täglicher Wechsel der Bettwäsche“. Sie können auch einen ärztlichen Sanierungsplan beifügen, den die Pflegekräfte umsetzen.

Sind Patienten nach der Behandlung noch nicht keimfrei, kann der Arzt eine neue Erstverordnung ausstellen. Dazu eruiert er die Gründe, warum die Sanierung nicht erfolgreich war und stellt eine erneute Verordnung aus.

Hinweis zur Kostenübernahme

Bislang sind nur antibakterielle Nasensalben als zugelassene Arzneimittel zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verordnungsfähig; OTC-Arzneimittel und Medizinprodukte zur MRSA-Sanierung dagegen nicht.

Das bedeutet für die Praxis: Verordnen Ärzte beispielsweise die „Applikation mit einer antibakteriellen Nasensalbe“, so geben sie dies auf dem Verordnungsformular 12 an und stellen für die Salbe selbst ein Arzneimittelrezept aus (Formular 16), das in der Apotheke eingelöst werden kann.

Wird allerdings die „Mund- und Rachenspülung mit einer antiseptischen Lösung“ oder die „Dekontamination von Haut und Haaren mit antiseptischen Substanzen“ auf Formular 12 verordnet, so muss der Patient die Kosten für die entsprechenden Produkte selbst tragen.

Auch Krankenhausärzte können verordnen

Jeder Vertragsarzt kann das „Durchführen der Sanierung von MRSA-Trägern mit gesicherter Diagnose“ als häusliche Krankenpflege verordnen. Das gilt für Vertragsärzte mit und ohne Genehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung zur Durchführung und Abrechnung der speziellen Diagnostik und Eradikationstherapie im Rahmen von MRSA (MRSA-Leistungen des EBM-Abschnitts 30.12).

Auch Krankenhausärzte können das „Durchführen der Sanierung von MRSA-Trägern mit gesicherter Diagnose“ verordnen. Möglich ist dies, wenn eine Eradikationstherapie im Krankenhaus begonnen wird oder ein Krankenhausarzt eine häusliche Krankenpflege im Rahmen des Entlassmanagements für notwendig hält.

Damit soll eine nahtlose Versorgung der Patienten sichergestellt werden. Die Leistung ist auch im Rahmen einer Eradikationstherapie im Vorfeld von geplanten invasiv-diagnostischen, interventionellen oder operativen Eingriffen verordnungsfähig, wenn die MRSA-Kolonisation im Krankenhaus festgestellt wurde.

Näheres ist in der Richtlinie des G-BA zur häuslichen Krankenpflege geregelt.

Praxistipp: MRSA-Fortbildung nutzen

Es gibt eine zertifizierte Online-Fortbildung zur Diagnostik und ambulanten Eradikationstherapie von MRSA-Risikopatienten, MRSA-besiedelten und MRSA-infizierten Patienten. Diese MRSA-Fortbildung kann genutzt werden, um eine Genehmigung für die Abrechnung der MRSA-Leistungen des Abschnittes 30.12 EBM zu erhalten. Näheres zum Ablauf lesen Sie auf der KBV-Themenseite MRSA-Fortbildung. Die Fortbildung selbst wird im KBV-Fortbildungsportal im Sicheren Netz angeboten (Login erforderlich).

Die KBV stellt umfangreiches Material zum Thema MRSA bereit: Auf der Themenseite MRSA können sich Ärzte über Diagnostik und Behandlung, Umgang mit Antibiotika, Fortbildung oder Abrechnung und Vergütung informieren. Zudem stehen Merkblätter für Patienten zum Download bereit.

MRSA-Sanierung in der häuslichen Krankenpflege

Um die ambulante Versorgung von MRSA-Patienten zu verbessern, hat der Gemeinsame Bundesausschuss 2014 seine Richtlinie zur häuslichen Krankenpflege angepasst. Dadurch kann die MRSA-Eradikationstherapie in der häuslichen Krankenpflege erfolgen. Das „Durchführen der Sanierung von MRSA-Trägern mit gesicherter Diagnose“ wurde als Nummer 26a in das Verzeichnis verordnungsfähiger Maßnahmen der Behandlungspflege in die Richtlinie aufgenommen.

Nach ärztlicher Verordnung können Pflegedienste dadurch folgende Leistungen erbringen:

  • Applikation einer antibakteriellen Nasensalbe oder eines antibakteriellen Gels
  • Mund- und Rachenspülung mit einer antiseptischen Lösung
  • Dekontamination von Haut und Haaren mit antiseptischen Substanzen
  • in Ausnahmefällen täglicher Wechsel von Textilien und tägliche Desinfektion von Gegenständen, die mit Haut oder Schleimhaut Kontakt haben, wenn kein Anspruch auf diese Leistungen aus der Pflegeversicherung besteht (Anspruchsberechtigung wird durch Krankenkasse des Patienten geprüft)

Wer kann die MRSA-Sanierung verordnen?

Folgende Ärzte können die MRSA-Sanierung in der häuslichen Krankenpflege verordnen:

  • Vertragsärzte mit und ohne Genehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung zur Durchführung und Abrechnung der speziellen Diagnostik und Eradikationstherapie im Rahmen von MRSA
  • Krankenhausärzte, wenn die Eradikationstherapie im Krankenhaus begonnen wurde oder im Rahmen des Entlassmanagements, um eine nahtlose Versorgung der Patienten sicherzustellen
  • Vertragsärzte und Krankenhausärzte im Vorfeld von geplanten invasiv-diagnostischen, interventionellen oder operativen Eingriffen, wenn die MRSA-Kolonisation im Krankenhaus festgestellt wurde

Für welche Patienten kann die Eradikation verordnet werden?

Die Patienten müssen MRSA-Träger sein. Eine weitere Vorausetzung ist, dass sie aufgrund von körperlichen oder geistigen Einschränkungen oder entwicklungsbedingt nicht in der Lage sind, die im Rahmen der MRSA-Sanierungsbehandlung erforderlichen Maßnahmen nach ärztlicher Anweisung selbst durchzuführen.

Auf welchem Formular wird die MRSA-Eradikation verordnet?

Die Verordnung erfolgt auf Formular 12. Die konkreten Maßnahmen, zum Beispiel „zwei Mal täglich Applikation einer antibakteriellen Nasensalbe“ können dort unter Punkt „Sonstige Maßnahmen“ angegeben werden. Ärzte können der Verordnung auch einen Sanierungsplan beifügen (nicht verpflichtend).

Wie lange kann die Eradikation verordnet werden?

Die Dauer der Verordnung beträgt fünf bis sieben Tage. Eine neue Erstverordnung kann ausgestellt werden, wenn der erste Kontrollabstrich (dies ist eine Abstrichserie Nase, Rachen, evtl. vorhandene Wunden) drei Tage nach Beendigung der Eradikationsbehandlung positiv ausfällt. Vor der neuen Erstverordnung müssen die Gründe des Misserfolgs eruiert werden.

Welche Medikamente und Mittel können zur Eradikation verordnet werden?

Die antibakteriellen Nasensalben sind als zugelassenes Arzneimittel zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnungsfähig. Zur Desinfektion und Waschung gibt es keine zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnungsfähigen Produkte.

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