Logo-KBV

KBV Hauptnavigationen:

Sie befinden sich:

 

Praxisnachrichten

Rheuma und urologische Tumoren sind neue ASV-Leistungen

21.12.2017 - Die ambulante spezialfachärztliche Versorgung wird auf weitere Krankheitsbilder ausgeweitet. Künftig können in dem sektorenübergreifenden Versorgungsbereich auch Patienten mit rheumatologischen Erkrankungen und urologischen Tumoren behandelt werden.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat dazu heute die notwendigen Beschlüsse gefasst, die nun vom Bundesgesundheitsministerium geprüft werden. Es hat dafür zwei Monate Zeit.

Derzeit können sechs Krankheitsbilder in der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) behandelt werden. In den Anlagen zur ASV-Richtlinie wurde unter anderem festgelegt, aus welchen Fachrichtungen sich das behandelnde ASV-Team zusammensetzt, welche Ärzte bei Bedarf hinzugezogen werden können und welche Leistungen zum Behandlungsumfang gehören.

Sobald die Beschlüsse im Bundesanzeiger veröffentlicht wurden, können interessierte ASV-Teams für die beiden neuen Krankheitsbilder ihre Teilnahme beim erweiterten Landesausschuss anzeigen.

Rheuma: Behandlungsumfang beschlossen

Zu den rheumatologischen Erkrankungen hatte der G-BA bereits 2016 einen ersten Teil beschlossen – allerdings ohne die abschließende Auflistung der zum Behandlungsumfang gehörenden Leistungen, den sogenannten Appendix. Dieser wurde jetzt ergänzt. Erstmals dürfen Rheumatologen in der ASV Leistungen des Speziallabors durchführen.

Alle Details zu Rheuma sind in der Anlage 1.1b zur ASV-Richtlinie geregelt. Neu ist, dass sich die Anlage in zwei Teile gliedert: Teil 1 für die Versorgung von Erwachsenen und Teil 2 für Kinder und Jugendliche.

Zusammensetzung des ASV-Teams

Für die rheumatologischen Erkrankungen Teil 1 legte der G-BA fest, dass die Teamleitung Fachärzte für Innere Medizin und Rheumatologie übernehmen.

Mitglieder des Kernteams sind außerdem Fachärzte für Haut- und Geschlechtserkrankungen, für Innere Medizin und Nephrologie, für Innere Medizin und Pneumologie und für Orthopädie und Unfallchirurgie mit Zusatzweiterbildung orthopädische Rheumatologie.

Um die Teambildung nicht zu gefährden, muss der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit Zusatzweiterbildung orthopädische Rheumatologie in bestimmten Ausnahmefälllen nicht zum Kernteam gehören. Diese Öffnungsklausel wurde jetzt neu aufgenommen.

Die Gruppe der hinzuzuziehenden Fachärzte reicht von Gynäkologen über Fachärzte für Innere Medizin und Gastroenterologie bis zu Radiologen.

Werden Kinder und Jugendliche behandelt, übernimmt die Teamleitung ein Kinder- und Jugendmediziner mit der Zusatzweiterbildung Kinder-Rheumatologie. Zum Kernteam gehören Augenärzte sowie Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie mit Zusatzweiterbildung orthopädische Rheumatologie. Auch hier gilt die Öffnungsklausel.

Mindestens 240 Patienten pro Jahr

Darüber hinaus müssen die Ärzte für eine ASV-Berechtigung eine Mindestmenge von 240 Patienten pro Jahr behandeln. Dies gilt nur für die Versorgung von Erwachsenen mit Rheuma, nicht von Kindern und Jugendlichen.

Urologische Tumoren: Start voraussichtlich im Frühjahr 2018

Für die Indikation urologische Tumoren hat der G-BA die Details in Anlage 1.1a onkologische Erkrankungen Tumorgruppe 3 zur ASV-Richtlinie geregelt. Sie kann voraussichtlich ebenfalls im Frühjahr 2018 in Kraft treten, falls das Bundesgesundheitsministerium sie nicht beanstandet.

Die Teamleitung übernehmen Fachärzte für Urologie oder für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie. Ärzte dieser Fachrichtungen bilden auch das Kernteam, das noch um den Facharzt für Strahlentherapie ergänzt wurde.

Die Gruppe der hinzuzuziehenden Ärzte reicht von Fachärzten für Anästhesiologie, Gynäkologie, Gefäßchirurgie, Humangenetik, Gastroenterologie, Kardiologie, Nephrologie, Laboratoriumsmedizin, Neurologie, Nuklearmedizin, Pathologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Radiologie bis hin zu Fachärzten für Viszeralchirurgie.

Mindestens 60 Patienten

Die Mindestmenge für eine ASV-Berechtigung umfasst 60 Patienten mit einer entsprechenden Diagnose, die das ASV-Team pro Jahr behandeln muss.

Nächste ASV-Indikationen

Die nächsten Erkrankungen, die derzeit für die ASV vorbereitet werden, sind ausgewählte seltene Lebererkrankungen und Morbus Wilson. Der G-BA schließt die Beratungen voraussichtlich im Frühjahr ab. Des Weiteren sollen 2018 die Beratungen zur ASV für Patienten mit Hauttumoren aufgenommen werden.

KBV bereitet Praxisinformationen vor

Zu den beiden neuen ASV-Indikationen rheumatologische Erkrankungen und urologische Tumoren wird die KBV rechtzeitig vor Inkrafttreten der Anlagen Praxisinformationen mit den wichtigsten Regelungen für Ärzte vorbereiten. Auch das Informationsangebot im Internet wird entsprechend ausgebaut.

ASV: Interdisziplinär in Praxen und Kliniken

Die ambulante spezialfachärztliche Versorgung ist ein Versorgungsbereich für Patienten, die an einer seltenen oder schweren Erkrankung mit besonderem Krankheitsverlauf leiden. Interdisziplinäre Teams aus Praxis- und Klinikärzten übernehmen die ambulante hochspezialisierte Behandlung.

Wie der Versorgungsbereich funktioniert, regelt die ASV-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses. In den Anlagen werden die allgemeinen Regeln für jede ASV-Indikation konkretisiert.

Mehr zum Thema

zu den PraxisNachrichten