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Praxisnachrichten

Arzneimittelverordnungen zeigen: Von "Budgetferien" keine Spur

01.02.2018 - Eine Analyse von Arzneimittelverordnungen widerlegt den Vorwurf, wonach Vertragsärzte zum Quartalsende häufig ihre Praxen schließen. Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung hat dazu knapp 700 Millionen Verordnungen für gesetzlich Versicherte in 2015 ausgewertet.

Der Analyse zufolge sanken die Verordnungen und damit auch die Arztkontakte in den ersten drei Quartalen jeweils in dem mittleren Monat des jeweiligen Quartals (Februar, Mai, August) ab und stiegen zum Quartalsende (März, Juni, September) wieder an. Nur im vierten Quartal 2015 fielen die Verordnungen zum Jahresende hin leicht ab.

„Die Auswertung der Arzneimitteldaten zeigt, dass die Ärzte entgegen anderslautenden Auffassungen auch am Quartalsende für ihre Patienten da sind und keine ‚Budgetferien‘ machen“, sagte KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen und fügte hinzu: „Und das, obwohl die niedergelassenen Ärzte zehn bis 20 Prozent ihrer Leistungen aufgrund der Budgetierung nicht vergütet bekommen.“

Gassen erneuerte seine Forderungen, die leistungsfeindlichen Honorarbudgets endlich abzuschaffen und die Finanzierung an dem Bedarf der Patienten zu orientieren.

Wellenbewegungen saisonal begründet

Nach den Erhebungen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) sind die gezeigten Wellenbewegungen eher saisonal begründet und im Zusammenhang mit den jeweiligen Feiertagen und Ferienzeiten zu sehen, in denen weniger Patienten die Arztpraxen aufsuchen. Das Zi hat die Ergebnisse in einer Grafik dargestellt. Eine ausführliche Publikation ist in Vorbereitung.

Anlass für die Analyse war eine aktuelle Hamburger Studie des Center for Health Economics (HCHE), die Häufigkeiten abgerechneter Leistungen zu Quartalsbeginn und Ende verglich und zu dem Schluss kam, dass weniger Behandlungen am Quartalsende stattfinden und es einen sprunghaften Anstieg am Quartalsanfang gibt.

Am Quartalsende müssten Patienten somit häufig länger auf einen Termin warten. Aufgrund von Besonderheiten der Gebührenordnung lassen sich den Zi-Wissenschaftlern zufolge viele Leistungen jedoch kaum taggenau zuordnen. Damit kämen die Hamburger Forscher zu falschen Ergebnissen.

Transparenz im Gesundheitssystem

Durch praxisbezogene Forschung sorgt das Zi dafür, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) über die aktuelle und zukünftige ambulante Versorgungssituation im Bilde sind. Dazu gehören Themen wie Auswirkungen des demografischen Wandels, Häufigkeit von Erkrankungen sowie die Wirtschaftlichkeit der Versorgung.

Auf Basis der Daten können die KVen beispielsweise auf Gemeinde-, Länder- und Bundesebene nötige Schritte einleiten. Zudem schaffen die öffentlich zugänglichen Berichte des Zi Transparenz im Gesundheitssystem. Das seit 1973 bestehende Zi ist ein Forschungsinstitut in der Rechtsform einer Stiftung des bürgerlichen Rechts. Träger sind die KVen und die KBV.

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