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Kassen blockieren Anpassung der Sozialpsychiatrie-Vereinbarung

01.02.2018 - Die Verhandlungen zwischen GKV-Spitzenverband und KBV zur Anpassung der Vergütung in der Sozialpsychiatrie-Vereinbarung sind gescheitert. Während die Kosten stetig steigen, ist die Vergütung seit neun Jahren unverändert. Angesichts des extrem niedrigen Angebots der Krankenkassen wird die KBV nun das Schiedsamt anrufen.

Der Stand der Finanzierung sei vom Jahr 2009 und könne den heutigen Bedingungen und Kostenstrukturen des teamübergreifenden Ansatzes nach der Sozialpsychiatrie-Vereinbarung nicht mehr Rechnung tragen, betonte KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen. Die KBV fordere deshalb, die Bewertung der Vergütungspauschalen zu erhöhen.

Sozialpsychiatrische Praxen ermöglichen durch die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und unter anderem Heilpädagogen und Sozialarbeitern eine flexible und individuelle Hilfe für Kinder und Jugendliche.

„Es wächst die Sorge, den Bedarf an dieser teamübergreifenden Hilfe für Kinder und Jugendliche mit zum Teil schweren psychischen Belastungen nicht mehr ausreichend sichern zu können“, sagte der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Hofmeister. „Es ist unglaublich, dass die Vertreter des GKV-Spitzenverbands nicht bereit sind, über ein faires Angebot zu verhandeln.“

Angebot der Kassen extrem niedrig

Streitpunkt ist die Sozialpsychiatrie-Pauschale, die die Ärzte insbesondere zur Deckung ihrer überdurchschnittlich hohen Personalkosten erhalten. Denn nach der Sozialpsychiatrie-Vereinbarung sollen dem Praxisteam mindestens ein Heilpädagoge und ein Sozialarbeiter beziehungsweise eine entsprechende Zahl von Mitarbeitern mit jeweils vergleichbaren Qualifikationen angehören. Zudem müssen sie für den Bedarfsfall die Kooperation mit psychologischen Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, Sprach-, Ergo- und Physiotherapeuten nachweisen.

Die Sozialpsychiatrie-Pauschale in Höhe von 163 Euro (ab dem 351. Behandlungsfall 122,25 Euro) wurde seit Abschluss der Vereinbarung im Jahr 2009 nicht mehr angepasst. Die KBV hatte aufgrund der gestiegenen Kosten eine einmalige Erhöhung in Höhe von 30,5 Prozent gefordert. Zudem wollte sie erreichen, dass die Pauschale künftig jährlich angepasst wird. Das Angebot des GKV-Spitzenverbandes lag deutlich darunter und hätte nur einen Bruchteil der Kostensteigerungen der vergangenen Jahre aufgefangen.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Die 2009 getroffene bundeseinheitliche Sozialpsychiatrie-Vereinbarung als Anlage zum Bundesmantelvertrag zwischen Ärzten und Krankenkassen beinhaltet langfristig ausgerichtete Maßnahmen zur Förderung einer qualifizierten ambulanten sozialpsychiatrischen Behandlung von Kindern und Jugendlichen. Diese zeichnen sich vor allem durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit aus.

Nutzen nachgewiesen

Den Nutzen dieses Versorgungskonzepts hat eine vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) durchgeführte Evaluation nachgewiesen. Laut dieser Erhebung wurde bei 46 Prozent aller Fälle ein vollständiger oder weitgehender Behandlungserfolg erzielt und bei 25 Prozent ein mittlerer.

Lediglich bei sieben Prozent stellte sich ein geringer oder (noch) kein Behandlungserfolg ein. Zu den häufigsten Diagnosen gehören hyperkinetische Störungen (wie ADHS), emotionale Störungen des Kindesalters sowie Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen.

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