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Praxisnachrichten

KBV veröffentlicht Honorarberichte für das erste Halbjahr 2016

02.08.2018 - Die Honorarumsätze der Vertragsärzte und -psychotherapeuten sind in den ersten beiden Quartalen 2016 leicht gestiegen. Im ersten Quartal betrug das Plus gegenüber dem Vorjahresquartal 2,6 Prozent, im zweiten Quartal 4,1 Prozent. Das geht aus den aktuellen Honorarberichten der KBV hervor.

Trotz des moderaten Anstiegs sei der Anteil unbezahlter Leistungen auch im ersten Halbjahr 2016 unvermindert hoch gewesen, kritisierte der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Gassen. Er lag je nach Fachgruppe bei 10 bis 20 Prozent. Gassen: „Hier müssen Politik und Kassen ran, wenn sie bei den Ärzten und Psychotherapeuten noch mehr Leistungen abfordern wollen.“

Zuwächse vor allem außerhalb des Budgets

Das Honorarplus geht vor allem auf das Konto extrabudgetärer Leistungen: Während die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung (MGV) lediglich um 3,2 Prozent im ersten Quartal und um 3,3 Prozent im zweiten Quartal stieg, wuchs die Vergütung außerhalb der MGV um 6,9 beziehungsweise um 10,8 Prozent.

„Die Zuwächse im Bereich der extrabudgetären Leistungen belegen, wie hoch der Leistungsbedarf der Patienten wirklich ist“, erläuterte der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Hofmeister. Denn hier müssten die Krankenkassen jede erbrachte Leistung in voller Höhe vergüten.

KBV-Vize warnt vor Abkoppelung der Grundversorgung

„Das zeigt, dass unsere Forderung nach einem Ausstieg aus der Budgetierung mehr als berechtigt ist und die Krankenkassen endlich das Mengenrisiko tragen müssen“, unterstrich Hofmeister und betonte: „Dies gilt umso mehr, als es sich bei extrabudgetären Leistungen überwiegend um neue oder hochspezialisierte Leistungen handelt. Der ebenfalls deutlich steigende Bedarf an Grundversorgung wird so immer mehr abgekoppelt.“

Honorarentwicklung erstes Quartal 2016

Der Honorarumsatz je Arzt und Psychotherapeut aus vertragsärztlicher Tätigkeit erhöhte sich im ersten Quartal 2016 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 2,6 Prozent. Er lag bei 56.716 Euro. Der Überschuss – vor Steuern und Sozialabgaben – betrug 29.282 Euro.

Der Umsatz je Behandlungsfall stieg von 62,25 auf 65,42 Euro (+5,1 Prozent). Je Arzt wurden durchschnittlich 867 Behandlungsfälle abgerechnet.

Honorarentwicklung zweites Quartal 2016

Der Honorarbericht für das zweite Quartal 2016 weist einen Honorarumsatz je Arzt und Psychotherapeut von 56.379 Euro (+4,1 Prozent) aus. Der Überschuss betrug 29.108 Euro.

Der Umsatz je Behandlungsfall erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahresquartal von 64,47 auf 65,54 Euro (+1,6 Prozent). Die Behandlungsfallzahl pro Arzt stieg um 2,4 Prozent auf 860.

Blick auf einzelne Versorgungsbereiche

Den Honorarberichten zufolge konnten im ersten Halbjahr 2016 nahezu alle Arztgruppen höhere Umsätze erzielen, wobei die Honorarentwicklung je nach Spezialisierung unterschiedlich ausfiel.

Im hausärztlichen Versorgungsbereich erhöhte sich der durchschnittliche Honorarumsatz je Arzt im ersten Quartal 2016 um 3,8 Prozent, im zweiten Quartal um 2,3 Prozent. Der Honorarumsatz je Behandlungsfall betrug 62,47 Euro (+5,4 Prozent) und 64,14 Euro (+0,4 Prozent).

Die Fachärzte verbuchten einen Honoraranstieg von durchschnittlich 2,0 Prozent im ersten Quartal und 5,3 Prozent im zweiten Quartal. Das Honorar je Behandlungsfall lag bei 66,56 Euro (+4,8 Prozent) beziehungsweise bei 65,62 Euro (+2,2 Prozent).

Rückgänge gab es im ersten Quartal bei den Endokrinologen (-3,5 Prozent), Hämatologen/Onkologen (-1,9 Prozent) und Strahlentherapeuten (-1,1 Prozent).

Ergebnisse der Psychotherapeuten

Die ärztlichen und psychologischen Psychotherapeuten verzeichneten im ersten Quartal 2016 ein Plus von 13,4 Prozent (je Behandlungsfall um 15,3 Prozent) und im zweiten Quartal von 15,5 Prozent (je Behandlungsfall um 14,7 Prozent). Die überdurchschnittlich hohen Zuwächse gehen auf eine Nachzahlung für mehrere Quartale ab dem Jahr 2012 zurück.

Top 20 der am häufigsten abgerechneten Leistungen und neue Systematik

Top 20 – das sind die am häufigsten abgerechneten Leistungen

Das Sonderthema des Honorarberichtes für das zweite Quartal 2016 widmet sich den am häufigsten abgerechneten Leistungen. Für insgesamt 17 Fachgruppen – von der Allgemeinmedizin über die Gynäkologie bis zur Inneren Medizin – wurden die Top 20 der häufigsten Gebührenordnungspositionen ermittelt. Im Honorarbericht für das dritte Quartal folgt die Übersicht für weitere 16 Fachgruppen.

Neben den Grund-, Versicherten- und Zusatzpauschalen sowie den Pauschalen für die fachärztliche Grundversorgung gehören Früherkennungsuntersuchungen, Gesprächsleistungen und Sonographien zu den häufigsten von niedergelassenen Ärzten abgerechneten Leistungen.

Bei den Allgemeinmedizinern und hausärztlichen Internisten entfallen beispielsweise 78,7 Prozent des gesamten Honorarumsatzes auf die Top 20 Gebührenordnungspositionen. Auf dem dritten Platz steht bei diesen Fachgruppen das problemorientierte ärztliche Gespräch, das aufgrund von Art und Schwere einer Erkrankung erforderlich ist.

Weitere Details finden sich im Bericht für das 2. Quartal 2016 ab Seite 89.

Ab Honorarbericht 2016: Neue Systematik bei der Erfassung der Arztgruppen

Die Systematik der Honorarberichte ab 2016 wurde angepasst: In den bisherigen Berichten bezogen sich die Kennzahlen stets auf fachgleiche Einzel- und Gemeinschaftspraxen mit zugelassenen Ärzten. Fachübergreifende Berufsausübungsgemeinschaften und Medizinische Versorgungszentren waren nicht enthalten.

Ab dem Bericht für das erste Quartal 2016 wird statt über zugelassene Praxen über zugelassene und angestellte Ärzte berichtet. Das hat den Vorteil, dass auch Ärzte aus den fachübergreifenden Praxiskonstellationen betrachtet werden können. Damit ist eine deutlich bessere und genauere Darstellung der Honorarumsätze je Arzt und je Behandlungsfall in den einzelnen Abrechnungsgruppen möglich.

Insofern können die bisher berichteten Honorarumsätze (vor 2016) nicht direkt mit denen der aktuellen Berichte verglichen werden. Die Menge der betrachteten Ärzte unterscheidet sich; sie ist jetzt höher als in den vorherigen Berichten.

Auf ihrer Website hat die KBV daher zusätzliche Tabellen für die Vorjahre bereitgestellt, die einen Vergleich der Honorardaten vor und nach 2016 ermöglichen.

Tabelle Kennzahlen der Abrechnungsgruppen 1. Quartal 2013 bis 4. Quartal 2016
Tabelle Archiv: Kennzahlen der Abrechnungsgruppen 1. Quartal 2009 bis 4. Quartal 2016
Weitere Details finden sich im Bericht für das 1. Quartal 2016 ab Seite 89.

Honorarumsatz aus vertragsärztlicher Tätigkeit

Der Honorarumsatz wird häufig mit dem Einkommen der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten verwechselt. Der Honorarumsatz ist die Zahlung an den Arzt oder Psychotherapeuten für den Betrieb der Praxis und die Versorgung der Patienten. Der Umsatz ist nicht mit dem Nettoeinkommen gleichzusetzen.

Das Nettoeinkommen, also das Geld, das der Arzt/Psychotherapeut für seine Arbeit bekommt, beträgt durchschnittlich nur 23,5 Prozent des Honorarumsatzes. Aus den anderen 76,5 Prozent des Honorarumsatzes finanziert er

  • Praxiskosten, zum Beispiel für Personal, Miete, Energie und Versicherungen, medizinische Geräte. Diese Betriebsausgaben sind je nach Fachgruppe unterschiedlich hoch. Sie betragen im Durchschnitt über alle Gruppen 51,6 Prozent des Honorarumsatzes.
  • Steuerzahlungen (14,9 Prozent)
  • berufsständische Altersversorgung (7,1 Prozent)
  • Aufwendungen für Kranken- und Pflegeversicherungen (2,8 Prozent)

Erst nach Abzug aller Kosten erhält man das Nettoeinkommen, das dem Arzt persönlich zur Verfügung steht.

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