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Kassen lehnen mehr Geld für Hausbesuche ab - Honorarverhandlungen vertagt

16.08.2018 - Bei den Honorarverhandlungen für die rund 160.000 Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten hat es am Mittwoch erwartungsgemäß noch keine Einigung gegeben. Der Vorstandsvorsitzende der KBV, Dr. Andreas Gassen, sprach von einer enttäuschenden Verhandlungsrunde.

Die Positionen von KBV und GKV-Spitzenverband liegen nach dem ersten Verhandlungstag weit auseinander. Die Ärzteseite fordert eine Anhebung des Orientierungswertes zum 1. Januar 2019 um etwa 4,7 Prozent. Das Angebot des GKV-Spitzenverbandes liegt bei 0,2 Prozent. Da eine Einigung auf dem Verhandlungsweg nicht möglich scheint, muss jetzt der Erweiterte Bewertungsausschuss über die Anpassung des Orientierungswertes entscheiden.

Die KBV wollte außerdem erreichen, dass Hausbesuche deutlich besser vergütet werden. Der GKV-Spitzenverband lehnte einen entsprechenden Beschlussantrag ab und schlug stattdessen vor, prüfen zu wollen, ob im Rahmen der EBM-Weiterentwicklung über eine höhere Vergütung von Hausbesuchen verhandelt werden könne.

„Diese Hinhaltetaktik kennen wir“, kritisierte Gassen und fügte hinzu: „Die ablehnende Haltung ist ein weiteres Indiz dafür, dass sich die Krankenkassen mehr und mehr aus der Verantwortung für die Versorgung zurückziehen.“

Gassen: Jeder Elektriker bekommt mehr

Für den am häufigsten abgerechneten Besuch (GOP 01410) zahlen die Krankenkassen aktuell 22,59 Euro. „Jeder Elektriker verlangt mehr – und zwar nur für die Anfahrt“, monierte Gassen.

Die KBV hatte eine Steigerung der Vergütung um 45 Prozent in Form extrabudgetärer Zuschläge zu allen Gebührenordnungspositionen, mit denen ärztliche Besuche berechnet werden, gefordert. Für einen Besuch nach der GOP 01410 beispielsweise hätten Ärzte ab Januar 33,71 Euro statt 22,59 Euro erhalten.

Hofmeister: Haltung der Kassen ist beschämend

„Unsere Forderung entspricht dem politischen Willen, Hausbesuche zu fördern“, betonte Vize-KBV-Chef Dr. Stephan Hofmeister. Im Referentenentwurf für das Terminservicegesetz werde ausdrücklich darauf hingewiesen, wie wichtig Hausbesuche für Patienten seien, die eine Arztpraxis aus medizinischen Gründen nicht mehr aufsuchen könnten. Die Haltung der Kassen sei beschämend.

Beim Orientierungswert führt die KBV nicht nur die gestiegenen Kosten für Personal, Miete etc. zur Begründung an. Sie macht neben den Preiskomponenten auch die hohen Mehrausgaben der Praxen geltend, die durch die Umsetzung der verschärften Hygienevorschriften und der Datenschutz-Grundverordnung entstehen.

Ein weiterer Posten betrifft Investitionen im Zusammenhang mit der Digitalisierung, die nicht über die Finanzierungsvereinbarung zur Telematikinfrastruktur abgedeckt sind. Dazu zählen Ausgaben für neue Computer, gestiegene Sicherheitsanforderungen oder zusätzliche Netzwerktechnik.

Der Orientierungswert, der maßgeblich für die Preise ärztlicher und psychotherapeutischer Leistungen ist, war zu Jahresbeginn um 1,18 Prozent angehoben worden. Er beträgt aktuell 10,6543 Cent.

Berechnung des Behandlungsbedarfs

Beim Behandlungsbedarf sind die Verhandlungspartner einen Schritt vorangekommen. Ein Beschluss zum sogenannten Klassifikationsmodell, mit dem die regionalen diagnose- und demografiebezogenen Veränderungsraten für das Jahr 2019 ermittelt werden, wurde auf den Weg gebracht.

Der Erweiterte Bewertungsausschuss hat Eckpunkte für den Beschluss festgelegt, die nun eingearbeitet und in der nächsten Woche beschlossen werden. Dann kann das Institut des Bewertungsausschusses mit der Berechnung der Veränderungsraten beginnen.

Honorarverhandlungen: Darüber wird verhandelt

KBV und GKV-Spitzenverband haben den gesetzlichen Auftrag, jährlich über die Morbiditätsentwicklung und über die Anpassung des Orientierungswertes zu verhandeln.

Eine Vorgabe des Gesetzgebers ist, dass die Krankenkassen das volle Morbiditätsrisiko ihrer Versicherten tragen müssen. Das bedeutet: Nimmt die Zahl der Erkrankungen und damit der Behandlungsbedarf in der Bevölkerung zu, müssen die Kassen entsprechend mehr Geld bereitstellen.

Außerdem sieht das Gesetz vor, dass der Orientierungswert jedes Jahr überprüft und angepasst werden soll. Dabei sind die für Arztpraxen relevanten Investitions- und Praxiskosten zu berücksichtigen. Ferner sollen die Ausschöpfung von Wirtschaftlichkeitsreserven sowie die allgemeine Kostendegression bei Fallzahlsteigerungen in die Berechnungen eingezogen werden.

Die Beschlüsse auf Bundesebene bilden die Grundlage für weitere Verhandlungen auf Landesebene. Dort beginnen im Herbst die Verhandlungen zwischen den Kassenärztlichen Vereinigungen und den Krankenkassen. Dabei wird es darum gehen, wie viel Geld die Krankenkassen für die ambulante Versorgung der Menschen in der jeweiligen Region im nächsten Jahr bereitstellen. Basis bildet die auf Bundesebene vereinbarte morbiditätsbedingte Veränderungsrate und die vereinbarte Anpassung des Orientierungswertes.

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