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Versicherte stellen ambulanter Versorgung gutes Zeugnis aus

30.08.2018 - Die ambulante medizinische Versorgung in Deutschland wird nach wie vor als sehr gut bewertet. Das ergab die diesjährige Versichertenbefragung der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der KBV. Zudem haben die Patienten zu ihren Ärzten großes Vertrauen und bescheinigen ihnen hohe Fachkompetenz.

„Die Zufriedenheitswerte der Bürger mit der ambulanten Versorgung sind seit der ersten Versichertenbefragung der KBV vor nunmehr zwölf Jahren konstant hoch“, sagte KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen am Dienstag bei der Vorstellung der Ergebnisse. Den Niedergelassenen brächten 91 Prozent der Befragten ein hohes oder sehr hohes Vertrauen entgegen, fügte er hinzu. „Dies sollten sich insbesondere die Politikvertreter vor Augen halten, die dem Freiberufler Arzt mit einem Wust an Kontrollen und dirigistischen Eingriffen begegnen.“

Ärzten wird hohe Fachkompetenz bescheinigt

Flankiert wird das Vertrauensverhältnis der Patienten der Studie zufolge durch die fachliche Fähigkeit der Ärzte. Wie schon im Vorjahr wird die medizinisch-therapeutische Leistung des Arztes von 49 Prozent der Befragten als „sehr gut“ bezeichnet, 43 Prozent urteilten mit „gut“ und nur drei Prozent mit „weniger gut“. Lediglich ein Prozent der Versicherten war bei ihrem letzten Praxisbesuch mit dem Arzt „überhaupt nicht“ zufrieden. Dabei fielen Geschlecht, Alter und Bildungsgrad der Befragten nicht ins Gewicht.

Kaum Kritik an zu langen Wartezeiten

Die Situation hinsichtlich der Wartezeiten sei von den Befragten – anders als oft wahrgenommen – ebenfalls als insgesamt gut bewertet worden, resümierte Studienleiter Matthias Jung. Mehr als die Hälfte der Befragten berichtete, dass sie nicht länger als drei Tage warten mussten. 45 Prozent wurden noch am selben Tag behandelt, 15 Prozent warteten maximal drei Tage auf einen Termin.

Allerdings habe die Wartezeit auf Facharzt-Termine laut Befragung leicht zugenommen. Danach gaben 32 Prozent der Befragten (vier Prozentpunkte mehr als im Vorjahr) an, länger als drei Wochen auf einen Termin beim Facharzt gewartet zu haben. Auf einen Hausarzt-Termin mussten dagegen nur vier Prozent (ein Prozentpunkt weniger als im Vorjahr) über drei Wochen warten.

Ähnlich wie vor einem Jahr hat es lediglich elf Prozent der Befragten zu lange gedauert, bis sie einen Termin für ihren Praxisbesuch bekommen haben.

Immer mehr Menschen nutzen die 116117

Dagegen zeigt die Umfrage eine deutliche Veränderung bei dem Thema, wohin sich Menschen mit Beschwerden außerhalb der regulären ärztlichen Sprechstunden wenden. Danach steuern immer weniger Patienten die Notaufnahmen der Krankenhäuser an, sondern 26 Prozent wenden sich an den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Direkt ins Krankenhaus gehen den Angaben nach 33 Prozent – 14 Prozentpunkte weniger als ein Jahr zuvor.

„Offensichtlich trägt unsere intensive Kommunikation über den Bereitschaftsdienst als erste Anlaufstelle außerhalb der Praxisöffnungszeiten erste Früchte“, kommentierte KBV-Chef Gassen diese Zahlen und kündigte für 2019 eine große Kampagne an, um die bundesweite Rufnummer für den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116117 sowie den damit verbunden Service noch stärker im Bewusstsein der Bürger zu verankern.

Digitalisierung ja, aber nicht ohne Arzt

Nach digitalen Versorgungsangeboten befragt, zeigten sich die Teilnehmer von Fokusgruppen grundsätzlich aufgeschlossen, wiesen aber zugleich darauf hin, dass sie den persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt nicht missen möchten. Die Patienten fühlten sich durch Informationen aus dem Internet gestärkt und würden sie unter anderem wie eine digitale Zweitmeinung sehen, sagte Dr. Sebastian Schmidt-Kaehler, Geschäftsführer der Patientenprojekte GmbH, die zusätzlich zu der Befragung eine qualitative Untersuchung mit Fokusgruppen zur Digitalisierung im Gesundheitswesen aus Sicht von Patienten durchführt hatte. „Digitalisierung ja, aber nicht ohne meinen Arzt“, fasste Schmidt-Kaehler zusammen.

Aus Sicht Gassens wird die Rolle des Arztes und der sprechenden Medizin in Zukunft eher zu- als abnehmen. Denn die Patienten wünschten sich „einen fachkundigen Menschen an ihrer Seite, der ihnen hilft, die Flut der Daten zu analysieren und einzuordnen. Jemanden, der in der schönen, digitalen Gesundheitswelt die Spreu vom Weizen trennt“, sagte der KBV-Chef. Die vorherrschende Meinung sei, die digitalen Angebote sollten den persönlichen Kontakt zum Arzt unterstützen, aber niemals ersetzen.

Elektronische Patientenakte

Zustimmung bei den Befragten fand die elektronische Patientenakte (ePA), auf der als Erweiterung zur aktuellen Versichertenkarte neben persönlichen Daten auch medizinische Befunde und Diagnosen gespeichert werden können. 64 Prozent der Befragten befürworten die ePA, 29 Prozent nicht. Letztere sehen die Probleme vor allem im Datenschutz und fürchten, dass ihre Gesundheitsdaten nicht ausreichend geschützt sind oder missbraucht werden könnten.

Über 6.000 Bürger befragt

Die Forschungsgruppe Wahlen führt im Auftrag der KBV die repräsentativen Versichertenbefragungen seit 2006 durch. In diesem Jahr wurden vom 9. April bis 4. Juni 2018 insgesamt 6.043 zufällig ausgewählte Bürger telefonisch befragt. Dabei lag der Fokus auf Fragen zu Wartezeiten, Pflege von Angehörigen, der elektronischen Patientenakte, Versorgungssituation mit Haus- und Fachärzten sowie der Notfallversorgung.

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