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Praxisnachrichten

DMP Brustkrebs startet am 1. Oktober neu - Nachsorge im Mittelpunkt

06.09.2018 - Das Disease-Management-Programm für Patientinnen mit Brustkrebs ist komplett neu ausgerichtet worden. Ab 1. Oktober steht vor allem die Nachsorge im Fokus. Dann startet das überarbeitete Programm.

Mit der Aktualisierung des Disease-Management-Programms (DMP) werden nun die längerfristigen Neben- und Folgewirkungen der Erkrankung und der Tumortherapie stärker berücksichtigt und systematisch abgefragt. Das gesamte Nachsorgekapitel ist neu gefasst worden.

Folglich wurden auch die Qualitätsindikatoren und die Dokumentation des Programms aktualisiert. Bei der Verwendung eines Moduls im Praxisverwaltungssystem (PVS) zur Dokumentation wird empfohlen, die Dokumentationen für das dritte Quartal 2018 vor dem Software-Update abzuschließen.

Adhärenz verbessern und Nebenwirkungen regelmäßig erfassen

Bislang lag das Augenmerk des DMP Brustkrebs auf der Primärtherapie, die jedoch durch die nachsorgenden Gynäkologen wenig beeinflussbar ist. Ob eine Operation, Chemo-, Antikörper- oder Strahlentherapie erfolgt, entscheiden die zertifizierten Brustkrebszentren.

Ein Schwerpunkt des aktualisierten Programms ist die Unterstützung bei der Adhärenz empfohlener langandauernder Therapien. Ziel ist die konsequente Fortführung der endokrinen Therapie über mindestens fünf Jahre. Dabei werden künftig auch die Nebenwirkungen regelmäßig erfasst, um Betroffene entsprechend unterstützen und behandeln zu können.

Sport verbessert Lebensqualität

Erfahrungen aus dem In- und Ausland zeigen, dass viele Frauen die endokrine Therapie zu früh abbrechen – unter anderem wegen starker Nebenwirkungen. Weiß der Arzt davon, indem er die Frauen im Rahmen des DMP explizit danach fragt, hat er oftmals Möglichkeiten, Beschwerden zu lindern, gegebenenfalls auch durch eine Umstellung des Wirkstoffs.

Körperliches Training verbessert bei Patientinnen mit Brustkrebs die Lebensqualität und kann Folgewirkungen der Chemotherapie mildern. Darum sollen Ärzte die Patientinnen ausdrücklich dazu motivieren.

Beratung zu Sexualität und Psychosomatik

Zu den neuen medizinischen Anforderungen gehört unter anderem, dass Ärzte die Betroffenen über Kontrazeption während der Brustkrebstherapie und über mögliche Auswirkungen der systemischen Therapie auf die Fertilität beraten.

Inhalte der Nachsorge im DMP sind explizit das Ansprechen des Themas Sexualität und die aktive Exploration psychosomatischer und psychosozialer Probleme.

Langzeitfolgen der Brustkrebstherapie

Nebenwirkungen der Therapie treten teilweise erst nach Jahren auf, beispielsweise Herzinsuffizienz oder Osteoporose. Darauf soll besonders geachtet werden, um durch rechtzeitige Behandlungen Folgeschäden entgegenzuwirken.

Neue Qualitätsziele und Dokumentationsfelder

Aus der Überarbeitung des Programms ergibt sich eine Neugestaltung der Qualitätsziele und der entsprechenden Dokumentation. Diese betreffen unter anderem die Fortführung der endokrinen Therapie und die regelmäßige Erfassung der Nebenwirkungen, die Einschätzung von Langzeitfolgen der Tumortherapie sowie die Motivationsförderung zu körperlichem Training.

Zahlreiche Dokumentationsfelder konnten gestrichen werden, die zum einen die Primärtherapie betrafen und zum anderen schon andernorts erhoben werden, zum Beispiel durch die Krebsregister oder die zertifizierten Brustkrebszentren. Die neu formulierten Dokumentationsfelder sind weitgehend selbsterklärend. Bei Bedarf gibt es Unterstützung durch die neue Ausfüllanleitung.

Ab 1. Oktober neue Dokumentation verwenden

Falls ein PVS-Modul zur DMP-Dokumentation verwendet wird, sollte vorher ein Software-Update durchgeführt werden. Für Dokumentation aus dem dritten Quartal muss der derzeit noch aktuelle Stand der Dokumentation verwendet werden. Die KBV empfiehlt daher, alle Dokumentationen für das dritte Quartal 2018 bis Ende September abzuschließen und zu versenden.

Ab dem 1. Oktober soll dann mit der neuen Dokumentation gearbeitet werden. Bei Unklarheiten empfiehlt die KBV dokumentierenden Ärzten, Kontakt mit ihrem PVS-Hersteller beziehungsweise Software-Partner aufzunehmen.

Nicht neu ins Programm einschreiben

Das aktualisierte DMP Brustkrebs startet am 1. Oktober in den Praxen. Die Teilnahme bleibt von der Aktualisierung unberührt: Ärzte, die bereits am DMP Brustkrebs teilnehmen, müssen sich nicht neu für das Programm einschreiben, ebenso bleiben deren Patientinnen automatisch in dem DMP.

Auf einen Blick – Neuerungen im DMP Brustkrebs

Medizinische Anforderungen

  • Differenzierte Darstellung der leitliniengerechten endokrinen Langzeittherapie (Regime, Wirkstoffe, Vorgehen bei Unverträglichkeiten)
  • Empfehlungen zur Vermeidung von Osteoporose und deren Folgen
  • Besondere Aufmerksamkeit bei der Langzeitbegleitung von Patientinnen nach kardiotoxischen Therapien
  • Beratung über Kontrazeption während der Brustkrebstherapie und über mögliche Auswirkungen der systemischen Therapie auf die Fertilität
  • Bei Wunsch nach fertilitätserhaltenden Maßnahmen sollen Betroffene frühzeitig auf die Möglichkeit einer entsprechend fachlich qualifizierten Beratung hingewiesen werden
  • Psychosoziale Exploration
  • Konkretisierung der Indikationsstellung zu Tamoxifen nach duktalem Carcinoma in situ (DCIS)

Neue Qualitätsziele

  • Ein neuer Schwerpunkt ist die konsequente Fortführung der endokrinen Therapie über mindestens fünf Jahre und die regelmäßige Erfassung von Nebenwirkungen, um bei Problemen adäquat unterstützen zu können.
  • Weitere Qualitätsziele betreffen die Einschätzung von Langzeitfolgen der Tumortherapie – beispielsweise ein Knochendichtebefund vor Beginn einer Therapie mit Aromatasehemmern.
  • Weitere Ziele dienen der Beachtung des Body-Maß-Index im Verlauf und der Motivationsförderung zu körperlichem Training.
  • Ein Qualitätsziel betrifft – bei erstmaligem Auftreten von viszeralen Fernmetastasen – die bioptische Sicherung zwecks Rezeptorbestimmung.

DMP Dokumentation

Mindestintervalle für die Dokumentation:

  • In den ersten fünf Jahren wie bisher mindestens jedes 2. Quartal
  • Ab dem sechsten Jahr nach Primärtumor ohne Rezidive/Fernmetastasen mindestens jedes 4. Quartal
  • Bei Rezidiven/Fernmetastasen mindestens jedes 2. Quartal

Aus den neuen Qualitätszielen ergibt sich eine komplette Neugestaltung der Dokumentation. Zahlreiche bisherige Dokumentationsfelder, die zum einen die Primärtherapie betrafen und zum anderen bereits andernorts erhoben werden, konnten gestrichen werden.

Fakten zu den Disease-Management-Programmen

  • Ein Disease-Management-Programm (DMP) ist eine spezielle Organisationsform zur medizinischen Behandlung und Betreuung chronisch kranker Menschen.
  • DMP sollen die Versorgungsqualität verbessern durch einheitliche, wissenschaftlich gesicherte Vorgaben und Empfehlungen hinsichtlich Diagnostik und Therapie, eine intensive ärztliche Kooperation und die Stärkung der Patientenkompetenz.
  • Die behandelnden Ärzte verpflichten sich zur Kooperation und dokumentieren den Behandlungsverlauf und die -ergebnisse für ihre Patienten – auf dieser Datenbasis erhalten sie regelmäßig Feedback-Berichte zu ihren Patienten.
  • Jedes DMP gibt spezifische Qualitätsziele zur medizinischen Betreuung der Patienten vor.

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