Logo-KBV

KBV Hauptnavigationen:

Sie befinden sich:

 

Praxisnachrichten

Kassen lehnen Anpassung der Chronikerpauschalen erneut ab

20.09.2018 - Bei den Chronikerpauschalen im hausärztlichen Versorgungsbereich gibt es keine Einigung. Der GKV-Spitzenverband lehnte am Dienstag einen Beschlussantrag der KBV zur Vereinfachung der Systematik ab. Nunmehr muss der Erweiterte Bewertungsausschuss entscheiden.

Die KBV will erreichen, dass die „Vier-Quartals-Vorgabe“ entfällt und die Abrechnung der Chronikerpauschalen nur noch an die Behandlung bestimmter Krankheiten gekoppelt ist. Nach der jetzigen Regelung dürfen Hausärzte sowie Kinder- und Jugendärzte die Pauschalen nur abrechnen, wenn der Patient in drei von vier vorangegangenen Quartalen wegen derselben chronischen Erkrankung in Behandlung war.

Hofmeister: „Diese Regelung ist nicht praktikabel“

„Diese Regelung orientiert sich weder an der Praxisrealität noch ist sie praktikabel“, kritisierte Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV und fügte hinzu: „Wir brauchen dringend eine Lösung“. Mit Blick auf das geplante Terminservice- und Versorgungsgesetz sagte Hofmeister, „wir müssen aufpassen, dass die Versorgung von chronisch kranken Menschen nicht schlechter wird.“

KBV will Vorquartalsbezug streichen

Die Chronikerpauschalen sorgen seit der Einführung für Probleme in den Praxen der Hausärzte und Kinder- und Jugendmediziner. Die Vertreterversammlung der KBV hat daher bereits Ende 2015 den KBV-Vorstand beauftragt, sich für die Streichung des Vorquartalsbezugs in den Abrechnungsbedingungen für die EBM-Leistungen 03220 / 04220 und 03221 / 04221 einzusetzen und die Zahlung der Pauschalen an die Diagnose zu knüpfen.

Vorschlag der Kassen

Der GKV-Spitzenverband hat den Vorschlag der Ärzteseite wiederholt abgelehnt und brachte am Dienstag in den Bewertungsausschuss einen eigenen Beschlussantrag ein. Danach sollen die Chronikerpauschalen auch für Patienten abgerechnet werden dürfen, die mindestens sechs Wochen im Krankenhaus behandelt wurden und deswegen nicht in drei von vier vorangegangenen Quartalen in der Hausarztpraxis waren.

Aus Sicht der Ärzteseite greift dieser Vorschlag viel zu kurz, löst die wesentlichen Probleme der derzeitigen Regelung nicht und erhöht stattdessen zusätzlich den bürokratischen Aufwand für den Hausarzt.

Dem Erweiterten Bewertungsausschuss liegen nunmehr beide Anträge zur Entscheidung vor.

Die KBV hält die „Vier-Quartals-Vorgabe“ aus mehreren Gründen für falsch. Zum einen ist die Prüfung für den Hausarzt aufwändig. Zum anderen führt sie immer wieder zu Regressanträgen der Krankenkassen. Ein weiteres Argument ist, dass die Betreuung eines Chronikers oftmals zu Beginn der Behandlung besonders hoch ist, beispielsweise die Einstellung eines insulinpflichtigen Diabetikers. Die aktuelle Regelung führt aber dazu, dass gerade dann die Chronikerpauschale nicht abrechnungsfähig ist.

Auch wenn Patienten länger in einer Reha-Einrichtung oder im Urlaub waren, kann es sein, dass die behandelnden Hausärzte die Chronikerpauschale nicht erhalten, da die Vier-Quartals-Vorgabe nicht erfüllt wird. Nach Meinung Hofmeisters ist auch dies ein nicht sachgerechter Abrechnungsausschluss. „Ein Chroniker bleibt ein Chroniker, auch wenn er mal einige Zeit nicht in der Praxis war.“

„Die ärztliche Behandlung chronisch Kranker soll ja, ganz im Gegenteil, im Sinne des Patienten eine Stabilisierung des Befindens und Reduktion der notwendigen Arztbesuche erreichen. Hier wird, wieder einmal, durch die Argumentation des GKV-Spitzenverbandes die Versorgung auf den Kopf gestellt“, so Hofmeister.

Neue Systematik mit Diagnoselisten

Die KBV will daher die Systematik grundlegend verändern. Zum Konzept gehört eine Diagnoseliste auf Basis von dreistelligen ICD-10-Kodes – jeweils für Hausärzte und für Kinder- und Jugendmediziner.

Die Behandlung von Patienten mit einer in der Liste aufgeführten Krankheit wird über entsprechende Zuschläge zur Versichertenpauschale gefördert. Aufgelistet werden etwa Demenz, Diabetes oder auch Herzinsuffizienz. „Bei diesen Patienten ist eine intensive Betreuung besonders wichtig“, erläuterte Hofmeister.

Die Krankenkassen würde die neue Regelung kein zusätzliches Geld kosten.

Kassen sehen keinen Änderungsbedarf

Die Krankenkassen bezweifeln, dass es durch die Anpassungen künftig besser möglich sein soll, betreuungsintensive Patienten zu identifizieren. Zusätzlich kritisieren sie vor allem die Knüpfung an Diagnosen und argumentieren, dass dies zu fehlerhafter Kodierung in den Arztpraxen führen würde.

„Den Vorwurf der Falschkodierung weist die KBV empört zurück. Hier wird versucht, vom gewaltigen Problem der Kassen mit dem Risikostrukturausgleich durch unhaltbare Unterstellungen gegen die Ärztinnen und Ärzte abzulenken“, sagte Hofmeister.

Mehr zum Thema

zu den PraxisNachrichten