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Gutachten: Umwandlung kleiner Kliniken in ambulante Zentren

11.10.2018 - Die Umwandlung kleiner, defizitärer Klinikstandorte in ambulante Zentren mit erweitertem Betreuungsangebot würde einem Gutachten der Universität Bayreuth zufolge die medizinische Versorgung verbessern und dauerhaft sichern. Die Studienautoren schlagen vor, Intersektorale Gesundheitszentren zu bilden.

„Primäres Ziel ist es nicht, Krankenhäuser dicht zu machen“, sagte KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen am Mittwoch bei der Vorstellung der Studie, welche die KBV in Auftrag gegeben hatte. „Umbau statt Abbau lautet das Motto“, fügte er hinzu. „Die Menschen nur deshalb in eine Klinik zu schicken, weil es kein anderes niederschwelliges Angebot der ärztlichen Überwachung und Pflege gibt, ist nicht nur wirtschaftlich absurd. Es entspricht auch nicht den heutigen medizinischen Möglichkeiten und den Wünschen der Patienten.“

Intersektorale Gesundheitszentren

Anlass für die Studie war, dass viele kleine Krankenhäuser insbesondere in ländlichen Regionen ums Überleben kämpfen. Die Bayreuther Gesundheitsökonomen haben eine Strategie entwickelt, welche die Umwandlung ausgewählter Krankenhäuser in Intersektorale Gesundheitszentren (IGZ) vorsieht. Diese sollen im Kern eine allgemeinärztliche sowie eine internistische Grundversorgung nach fachärztlichen Standards gewährleisten. Zudem sollen sie eine kleine Bettenabteilung für Patienten anbieten, die einer kurzzeitigen Überwachung rund um die Uhr bedürfen.

Win-win-Situation für alle

„Wir erhoffen uns von den IGZ eine Win-win-Situation für alle Beteiligten: Die Erhaltung von Standorten sowie Arbeitsplätzen in den Kommunen, eine finanzielle Entlastung der Träger, die keine Defizite mehr ausgleichen müssen, sowie eine bedarfsgerechtere Versorgung der Bürger“, betonte der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Hofmeister.

Zudem würden die Zentren die Lücke zwischen der teuren, medizinisch nicht erforderlichen vollstationären Versorgung und dem ambulanten Pflegedienst schließen. „Wir sehen die IGZ als Chance, die wohnortnahe Versorgung insbesondere in ländlichen Regionen zu sichern und unnötige Klinikaufenthalte zu reduzieren.“

Geld muss der Leistung folgen

Um die IGZ in Deutschland zu etablieren bedürfe es jedoch langfristig rechtlicher Anpassungen, hob Gassen hervor. Diese beträfen zum Beispiel die Honorierung und die Bedarfsplanung. „Wenn bisher stationäre Leistungen künftig in einem IGZ ambulant erbracht werden, müssen auch die Budgets und Arztkapazitäten entsprechend angepasst werden. Es gilt: Das Geld muss der Leistung folgen.“

Knotenpunkte in einem Netzwerk

Studienautor Professor Andreas Schmid geht davon aus, dass diese Zentren die von der Bevölkerung nachgefragte Grundversorgung auf höchstem Niveau erbringen können. Dabei stünden sie im engen Kontakt mit Kliniken sowie anderen niedergelassenen Ärzten und Pflegediensten im Umfeld der Patienten, betonte Schmid. „Insofern fungieren die IGZ als wichtige Knotenpunkte in einem ausbalancierten Netzwerk von Gesundheitsleistungen im ländlichen Raum.“

KBV-Herbsttagung

Das Gutachten, welches die Universität Bayreuth zusammen mit der Oberender AG erstellt hat, war am Mittwoch von den Studienautoren gemeinsam mit dem Vorstand der KBV auf der KBV-Herbsttagung in Berlin vorgestellt worden.

Die Veranstaltung bietet einem breiten Fachpublikum eine Plattform zum Austausch über Fragen der Sicherstellung. In diesem Jahr stellten Experten unter anderem aktuelle Konzepte und Projekte zur Bedarfsplanung, integrierten Notfallversorgung und intersektoralen Versorgung vor.

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