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Praxisnachrichten

Übertragungsanlagen sind altersunabhängig verordnungsfähig

18.10.2018 - Sogenannte Übertragungsanlagen sind nunmehr altersunabhängig zusätzlich zu anderen Hörhilfen verordnungsfähig. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss kürzlich klargestellt. Der Beschluss dazu ist jetzt in Kraft getreten.

Durch die damit verbundenen Änderungen der Hilfsmittel-Richtlinie werden die Verordnungsmöglichkeiten von Übertragungsanlagen auf Erwachsene erweitert und an die aktuelle Rechtsprechung angepasst. Sie können nunmehr altersunabhängig zusätzlich zu einer bereits erfolgten Versorgung mit Hörhilfen oder einem Cochlea-Implantat verordnet werden.

Übertragungsanlagen sind Hilfsmittel, die aus Sender und Empfänger bestehen und die Signale über Funk, Bluetooth oder Infrarot übertragen. Sie waren bislang nur für Kinder und Jugendliche im Rahmen der gesetzlichen Schulpflicht verordnungsfähig.

Diagnose muss vom Facharzt erfolgen

Mit Inkrafttreten des Beschlusses können nunmehr auch Erwachsene Übertragungsanlagen zur Verbesserung des Sprachverstehens nutzen. Eine Verordnung ist möglich, wenn trotz bestmöglicher Hörgeräteanpassung im täglichen Leben kein ausreichendes Sprachverstehen erreicht wird.

Wenn eine gesicherte Diagnose durch einen Facharzt für Phoniatrie und Pädaudiologie oder für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde vorliegt, kann die Übertragungsanlagen auf Muster 16 verordnet werden. Grundsätzlich müssen die Krankenkassen vorab genehmigen.

Übertragungsanlagen können außerdem für die Sprachentwicklung oder Sprachförderung verordnet werden beziehungsweise soweit sie für das Sprachverstehen in Kindergarten, Schule oder schulischer Ausbildung erforderlich sind.

Darüber hinaus sind Übertragungsanlagen verordnungsfähig, wenn bei peripherer Normalhörigkeit aufgrund einer auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung eine pathologische Einschränkung des Sprachverstehens im Störschall besteht. Diese muss durch einen Facharzt für Phoniatrie und Pädaudiologie diagnostiziert werden. Bei Erwachsenen kann die Diagnose auch durch einen Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde erfolgen.

Räumliches Hören verbessern

Die in der Hilfsmittel-Richtlinie enthaltenen Versorgungsziele wurden ebenfalls angepasst. Dazu wurde unter anderem klargestellt, dass durch eine Versorgung mit Hörgeräten auch das sogenannte räumliche Hören verbessert werden soll.

Das räumliche Hören ist speziell für Menschen wichtig, die eine zusätzliche Sehbehinderung haben. Denn dadurch kann das eingeschränkte visuelle Orientierungsvermögen kompensiert werden.

Übertragungsanlagen

Übertragungsanlagen sind Hilfsmittel, die Töne mittels eines Signals übertragen. Sie bestehen aus einem Mikrophon und einem Sender-Gerät, die vom Sprecher am Körper getragen werden, und einem Empfänger-Gerät, welches über den Audioeingang mit dem Hörgerät oder dem Sprachprozessor des Patienten mit Hörbeeinträchtigung verbunden wird. Die Stimme wird direkt in das Hörgerät oder das Cochlea-Implantat (CI) eingespeist.

KBV-Broschüre „Hilfsmittel“ informiert detailliert

Bei der Verordnung von Hilfsmitteln müssen Ärzte bestimmte Regeln beachten. Die KBV-Broschüre „PraxisWissen“ zum Thema Hilfsmittel stellt die wichtigsten vor. Dazu gehören die Hilfsmittel-Richtlinie sowie Regelungen zur Zuzahlung durch Patienten. Thematisiert wird auch die Zusammenarbeit mit den Hilfsmittelanbietern. Fragen und Antworten aus dem Praxisalltag sowie weiterführende Informationen runden das Angebot ab.

Das Serviceheft kann kostenfrei per E-Mail an: versand@kbv.de bestellt werden.

PraxisWissen: Hilfsmittel – Hinweise zur Verordnung (PDF 5,9 MB, Stand: Januar 2015)

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